Bärenreiter-Verlag
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Der Bärenreiter-Verlag ist ein Musikverlag mit Sitz in Kassel.
Bärenreiter ist weltweit einer der größten Verlage für klassische Musik. Neben den Notenausgaben für Musiker unterhält der Verlag auch eine umfangreiche Buchreihe, die international höchstes Ansehen genießt. Als Gemeinschaftsausgabe zwischen Bärenreiter und Metzler erscheint die deutschsprachige musikwissenschaftliche Enzyklopädie "Die Musik in Geschichte und Gegenwart" (MGG).
Der Verlag wurde im Jahr 1923 durch Karl Vötterle in Augsburg gegründet und beschäftigt heute 140 Mitarbeiter, die meisten davon in Kassel. Außerdem unterhält er Niederlassungen in Basel, London, New York und Prag. Das Unternehmen wird heute von Barbara Scheuch-Vötterle und Leonhard Scheuch geleitet.
Als der Verlagsgründer Karl Vötterle 1923 die ersten Liederblätter herausbrachte, waren die großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne bereits in den festen Händen der Traditionsverlage in Leipzig und Mainz. Neue Tendenzen waren gefragt: Noten für die Musikalische Jugendbewegung, für Blockflöte und Orgel, die Wiederentdeckung von Heinrich Schütz und der Musik vor Bach und vor allem die Idee der wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgaben der Werke Bachs, Händels, Mozarts, Schuberts und anderer machten Bärenreiter bald zu einem der Großen unter den Musikverlagen. Die Umsetzung der Gesamtausgabenbände in Noten für die musikalische Praxis bildet bis heute das Fundament des Verlagsprogramms. Alle Bereiche der klassischen Musik – Klaviermusik, Kammermusik, Sinfonik, Oper, Gesang, Chormusik – sind vertreten. Aber auch Haus- und Gebrauchsmusik sowie Neuentdeckungen auf dem Gebiet liturgischer Musik (z.B. Quempas 1930) waren und sind Erfolgsbausteine des Hauses.
Hinzu kam als Teil eines anspruchsvollen Musikbuchprogramms die Enzyklopädie „Die Musik in Geschichte und Gegenwart” (MGG, 1. Ausgabe 1994–1986, 2. Ausgabe seit 1994). Das Engagement für die zeitgenössische Musik war von Anfang an eine weitere Konstante im Verlagsprogramm. Heute gehören Komponistinnen und Komponisten wie Beat Furrer, Rudolf Kelterborn, Giselher Klebe, Matthias Pintscher, Andrea Lorenzo Scartazzini, Charlotte Seither, Miroslav Srnka, Manfred Trojahn zu dem Komponisten des Hauses.
2007 wurde Bärenreiter für seine Verdienste um die Veröffentlichung und Verbreitung des Werks Georg Philipp Telemanns mit dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg ausgezeichnet.
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[Bearbeiten] Verlagschronik
1923/24 Karl Vötterle gründet in Augsburg den Bärenreiter-Verlag; erste Veröffentlichungen: „Finkensteiner Blätter”, herausgegeben von Walther Hensel
1927 Umzug nach Kassel
1928 Erste Notenausgaben mit Musik von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach („Orgelbüchlein”)
1930 Das erste „Quempas-Heft”, Gesamtauflage aller Ausgaben von mehr als 3 Millionen
1932 Beginn der Zusammenarbeit mit Hugo Distler
1933 Gründung des Arbeitskreises für Hausmusik (später Internationaler Arbeitskreis für Musik), der im Herbst die ersten Kasseler Musiktage veranstaltet
1936 Beginn der Reihe „Das Erbe deutscher Musik”
1944 Gründung von Bärenreiter-Verlag Basel wegen der drohenden Schließung des Kasseler Verlages
1945 Zerstörung der Verlagsgebäude in Kassel durch Fliegerangriffe
1949 Erste Lieferung der MGG („Die Musik in Geschichte und Gegenwart”)
1950 Bärenreiter übernimmt den Hinnenthal-Verlag. Die Reihe „Hortus Musicus” mit Werken der Renaissance und des Barock beginnt zu erscheinen
1951 – Beginn der Arbeit an der Neuen Bach-Ausgabe
– Erster Band der Gluck-Gesamtausgabe
1952 Der Nagels-Verlag Celle wird von Bärenreiter übernommen
1954 – Die ersten beiden Bände der Neuen Bach-Ausgabe
– Beginn der Arbeit an der Neuen Mozart-Ausgabe
1955 – Die Alkor-Edition (ehemals Brucknerverlag, gegründet 1934) wird Teil des Bärenreiter-Verlags
– Erster Band der Hallischen Händel-Ausgabe
– Erster Band der Neuen Mozart-Ausgabe
– Die Neue Ausgabe sämtlicher Werke von Heinrich Schütz beginnt zu erscheinen
1956 – Beginn der Zusammenarbeit mit Ernst Krenek
– Erster Band der Neuen Reihe der Werke Orlando di Lassos
1957 – Beginn des „Répertoire International des Sources Musicales” (RISM) in Zusammenarbeit mit dem G. Henle Verlag
– Übernahme des Gustav Bosse Verlages, Regensburg (gegründet 1912)
1958 Gründung von Bärenreiter New York
1960 Gründung der Schallplattenfirma „Bärenreiter-Musicaphon”
1962 – Gründung von Editions Bärenreiter Sàrl., Paris (1971–1980 in Tours)
– Beginn der Edition Wolfgang Amadeus Mozart „Briefe und Aufzeichungen” (7 Bände bis 1975)
1963 Bärenreiter Ltd. London wird gegründet (heute in Harlow/Essex)
1964 – Beginn der Neuen Schubert-Ausgabe
1965 Gründung der Firma Disco-Center für die Bärenreiter-Labels „Cantate” und „Musicaphon” sowie für mehr als dreißig weitere Schallplattenfirmen
1966 Erster Band der Sämtlichen Werke Franz Berwalds
1967 Beginn der New Berlioz Edition
1971 – Beginn der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Taschenbuch-Verlag (dtv)
– Der erste Band des Internationalen Quellenlexikons der Musik (RISM) erscheint
1975 – Tod Karl Vötterles, Geschäftsführende Gesellschafterin: Barbara Scheuch-Vötterle
1976 – Eintritt von Leonhard Scheuch in die Geschäftsführung
– Erste Aufführung (Volksoper Wien) von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen” in der Neuausgabe von Fritz Oeser in der Alkor-Edition
1977 – Beginn der Herausgabe der Lieder Franz Schuberts in Zusammenarbeit mit dem G. Henle-Verlag
1979 Die ersten Bände der Gesamtausgabe der Werke von Leoš Janáček erscheinen (Koproduktion mit Editio Supraphon Praha)
1986 Abschluss der MGG mit Band 17
1988 Bärenreiter übernimmt den Süddeutschen Musikverlag, Heidelberg
1991 – Abschluss der Hauptserien (Notenbände) der Neuen Mozart-Ausgabe; die Taschenbuchausgabe der NMA in 20 Bänden erscheint
– Übernahme des Bühnenvertriebs Henschel Musik, Berlin
– Gründung von Nakladatelstvi Bärenreiter Praha und Beginn der Privatisierung von Editio Supraphon Praha
– Die Neue Bach-Ausgabe und die Hallische Händel-Ausgabe, bisher in Koproduktion mit dem Deutschen Verlag für Musik Leipzig erschienen, werden nach der Wiedervereinigung von Bärenreiter allein fortgeführt
1992 Wiederentdeckung der „Messe solennelle" von Hector Berlioz
1993 Der Gustav Bosse Verlag, Regensburg, verlegt seine Arbeitsstätte nach Kassel
1994 Erster Band des Sachteiles der zweiten Ausgabe der MGG
1995 Beginn der Gesamtausgabe der Werke Niels Wilhelm Gades (Koproduktion mit Engstrøm & Sødring)
1996 Abschluss der Gesamtausgabe der Werke Orlando di Lassos
1997 – Beginn der Neuedition der Beethoven-Symphonien durch Jonathan Del Mar
– Start der Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe in Zusammenarbeit mit der Strauss Edition Wien
1998 – Bärenreiter wird Aktionär bei Editio Supraphon Praha
– Abschluss der Sachteils der MGG mit Band 9, der Registerband erscheint 1999
– Abschluss der kritischen Ausgabe der Werke Leonhard Lechners
1999 – Erster Band des Personenteils der zweiten Ausgabe der MGG
2000 Abschluss des Hauptteils der Neuen Bach-Ausgabe
2002 Die Bärenreiter Verlag Basel AG gibt ihre Arbeitsstelle in Basel auf
2004 Als Ergebnis einer Zusammenarbeit der Société Jean-Philippe Rameau (Paris) mit dem Bärenreiter-Verlag erscheint „Anacréon“, der erste Band der Rameau-Gesamtausgabe (Opera omnia)
2005 – Wiederentdeckung der Arie „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ von J. S. Bach, Veröffentlichung als praktische Ausgabe und Faksimile
– Bärenreiter übernimmt den Vertrieb für die neu entstehende „Critical Edition of the Complete Works” von Sergei Rachmaninoff
2006 – Im Mozartjahr 2006 ist die Neue Mozart-Ausgabe wieder komplett lieferbar. Die Ausgabe„Mozart. Briefe und Aufzeichnungen“ erscheint in einer achtbändigen Taschenbuchausgabe (zusammen mit dtv)
– Abschluss der New Berlioz Edition
[Bearbeiten] Weblinks
Koordinaten: 51° 18' 8" N, 9° 25' 43" O