Fahnenappell (Schulveranstaltung)
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Der Fahnenappell war in der DDR eine formell an das gleichnamige Militärritual angelehnte Veranstaltung an allgemeinbildenden Schulen, welche mehrmals im Jahr zu besonderen Anlässen, z. B. dem Weltfriedenstag stattfand. Dabei versammelten sich sämtliche Lehrer und Schüler auf dem Schulhof zu einer Zeremonie von der Dauer einer Schulstunde.
Von der inhaltlichen Ausrichtung war der Fahnenappell eine politische Veranstaltung für die ganze Schule.
Während der Veranstaltung wurden üblicherweise von einer Schulklasse Texte, Lieder und Gedichte zu einem bestimmten Thema (z. B. Frieden) vorgetragen, seltener gab es auch Musik vom Band oder Vorträge von besonderen Gästen (z. B. Witwen gefallener antifaschistischer Widerstandskämpfer). Des Weiteren wurden einzelne Schüler für hervorragende Leistungen ausgezeichnet.
Die Rolle der restlichen Schüler war dabei beschränkt auf das Stehen in Reihen und Zu- bzw. Weghören. Lediglich am Anfang und am Ende der Veranstaltung grüßten die Mitglieder der Pionierorganisation Ernst Thälmann mit „Immer bereit!“ und die Mitglieder der FDJ mit „Freundschaft!“. Ein Running Gag war dabei, dass einige der jüngeren Schüler ebenfalls mit „Freundschaft!“ grüßten.
Ebenfalls zum Beginn und Ende der Veranstaltung gab es paramilitärische Gebräuche wie das Marschieren begleitet von Kommandos wie „Augen geradeaus“, „Links um“ oder „Still gestanden“.
Vorschriftsmäßige Kleidung waren für die Pioniere: eine blaue Hose oder Rock (selten, da nicht so oft vorhanden), das weiße Pionierhemd mit Emblem auf dem Ärmel, ein rotes (seit 1974) bzw. blaues Pioniertuch (Thälmann- bzw. Jungpionier); für die FDJler: blaues FDJ-Hemd. Dies wurde jedoch oft nicht so genau genommen, so daß de facto nur das Halstuch bzw. FDJ-Hemd zu tragen waren.
[Bearbeiten] Kritik
Bei den Schülern war der Fahnenappell oft unbeliebt aufgrund des langen Stehens und der fehlenden Möglichkeiten zur Interaktion. Andererseits fiel manche ungeliebte Unterrichtsstunde dadurch aus. Auch bei den Erwachsenen wurde er aus diesem Grund häufig als nicht mehr zeitgemäß angesehen und somit schließlich zum Symbol des Unwillens der amtierenden Politiker zu Reformen.
Steffie Spira, Schauspielerin und überzeugte Kommunistin, äußerte am 4. November 1989 den bekannten Satz: „Ich wünsche für meine Urenkel, dass sie aufwachsen ohne Fahnenappell, ohne Staatsbürgerkunde, und dass keine Blauhemden mit Fackeln an den hohen Leuten vorübergehen“.