Bergbau und Hüttenwesen im Lahn-Dill-Gebiet
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Das Lahn-Dill-Gebiet ist ein Wirtschaftsraum, der durch Bergbau und Industrie geprägt wurde. Geografisch lässt sich dieser Raum nur unscharf abgrenzen. Die Bezeichnung entstand, als die Region an der oberen und mittleren Lahn einschließlich des Dilltales noch einer der bedeutendsten Standorte der eisenerzeugenden und eisenverarbeitenden Industrie in Deutschland war. Der Zeitraum der Eisenerzeugung reicht von der La-Tene-Zeit über das frühe Mittelalter bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Lahn-Dill-Gebiet mit seinen reichen und günstig zu erschließenden Eisenerzvorkommen kann daher zu Recht als hessisches „Eisenland“ bezeichnet werden.
Als Orientierung für die Abgrenzung des Lahn-Dill-Gebietes kann die Fläche innerhalb und knapp außerhalb eines gedachten Polygons mit folgenden Eckpunkten gelten: Dillquelle, oberes Dietzhölztal, Bad Laasphe, Biedenkopf, Gladenbach, Lollar, Wetzlar, Weilburg, Breitscheid und Haiger.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Das obere Dilltal, das benachbarte Siegerland und das Gebiet westlich der Dillmündung sowie der Dünsberg waren bereits zur La-Tene-Zeit Zentren der Eisengewinnung und -verarbeitung. Es wurden sowohl Rot- als auch Brauneisenstein verhüttet. Durch Bodenfunde ist überliefert, dass die Kelten neben Eisen- auch Silber- und Kupfererze in diesem Raum abbauten. In der Nähe von Rittershausen, nördlich von Dillenburg im Dietzhölze-Tal, wurde ein Rennofen aus dieser Zeit ausgegraben. Bei Wetzlar-Dalheim gelang sogar ein durch Ausgrabungen belegter lückenloser Produktionsnachweis vom 4./5. Jahrhundert v. Chr. über die Römerzeit und das Frühmittelalter bis ins Hochmittelalter. Damit kann das Eisenrevier um Wetzlar auf eine 2500-jährige Tradition zurückblicken.
Bei Wallau stieß man auf Reste eines Rennofens aus dem 6. bis 8. Jahrhundert. Weitere Rennöfen fanden sich u.a. bei Roth, Lixfeld, Ballersbach (Mittenaar], Niederweidbach, Roßbach (Bischoffen) und am Dünsberg. 780 wird eine Eisenerzgrube in Wetzlar/Nauborn erwähnt. In Hesselbach wurde im Jahre 802 gemäß einer Urkunde des Klosters Lorsch Blei-Erz gefördert. Eine Eisenschmelze bestand um 900 in Frohnhausen bei Dillenburg. Um 1277 ist Wetzlar bereits ein Zentrum der Eisenverarbeitung und des Eisenhandels.
Sehr bedeutsam war einst der Eisenerzbergbau im Schelderwald, der sich urkundlich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Er muss aber weitaus größer gewesen sein, als das die Urkunden zu belegen scheinen. Neben Eisen wurde Kupfer und in geringem Maße auch Silber abgebaut. Bedeutende alte Fernwege („Köln-Leipziger-Straße“, auch Brabanter-Straße genannt, „Hohe Straße“, „Westfalenweg“) führten hindurch und kreuzten sich bei der Angelburg (Berg). Es wird daher angenommen, dass über diese Straßen auch der Fernhandel mit Roheisen und Eisenerzeugnissen (Waffen) aus den Erzeugungsräumen Siegerland und Oberes Dietzhölze-Tal abgewickelt wurde. Bei den heftigen Auseinandersetzungen in diesem Raum (100-jährige Dernbacher Fehde) im 13. und 14. Jahrhundert zwischen den aufstrebenden Grafen von Nassau und den Landgrafen von Hessen ging es vordringlich auch um die reichen Eisenerzvorkommen im Schelderwald.
Im 12. und 13. Jahrhundert verlegten die Waldschmiede, als Produzenten von Waffen, Helmen, Harnischen, Hufeisen und Nägeln, ihre von Hangwinden abhängigen Produktionsstätten zunehmend in die Täler. Hier konnten sie die Blasebälge ihrer Schmelzöfen und Herdfeuer mit Wasserkraft antreiben und den steigenden Bedarf (u.a. Kreuzzüge!) der Ritter bei ihren Fehden und Händel besser bedienen.
Bergleute und Hüttenmeister waren insbesondere im hohen und späten Mittelalter ein sehr gefragter Personenkreis, der von den Landesherren sehr umworben war und mit Privilegien ausgestattet wurde. Man warb sich gegenseitig die besten Kräfte ab. So holten sich die Grafen von Wittgenstein 1450 Waldschmiede und andere Fachleute aus Weidenhausen (Gladenbach). Sogar bis ins Erzgebirge und in den Harz verschlug es hessische Bergleute. In Goslar steht noch heute die Frankenberger Kirche, die Kirche der hessischen und nassauischen Bergleute und ihrer Nachkommen.
[Bearbeiten] Bergbau
Das Lahn-Dill-Gebiet gehört geologisch gesehen überwiegend zum sogenannten „Hessischen Synklinorium“, das den geologisch kompliziertesten Aufbau des Rheinischen Schiefergebirges überhaupt aufweist. Entstanden ist es durch den intensiven Vulkanismus im Paläozoikum und Tertiär mit den dabei verursachten vielfältigen Untergliederungen durch Hebungen, Bruchlinien und Verwerfungen. Die markanteste Hebungsachse in diesem Raum ist die „Hörre“, welche die „Dill-Mulde“ und die „Lahn-Mulde“ trennt. Aufgrund dieser geologischen Geschichte und Lage auf den weitreichenden Störungszonen hat das Lahn-Dill-Gebiet eine ungewöhnliche Vielfalt an Erzen und mineralischen Rohstoffen zu bieten. Nicht nur Eisenerz wurde gefunden und gefördert, sondern auch Kupfer-, Silber-, Blei-, Zink- Mangan-, Nickelerz und Quecksilber, sowie die mineralischen Rohstoffe Schwerspat, Kalk, Diabas und Dachschiefer. Südlich von Katzenbach (östl.v. Biedenkopf) suchte man sogar nach Gold.
Allein für das Gebiet, das den ehemaligen Kreis Biedenkopf umfasste, wurden insgesamt über 570 bergbauliche Konzessionen erteilt, die aber nicht alle genutzt wurden.
[Bearbeiten] Erze
[Bearbeiten] Eisen
Seit dem 12. Jahrhundert ist Eisenerzbergbau bei Wetzlar urkundlich fassbar. (Neuere Ausgrabungen bei Wetzlar-Dalheim belegen dort eine Eisenverarbeitung seit dem 4./5. Jahrhundert v. Chr.) 1316 wird hier die Grube „Calsmunt“ und 1344 die Grube „Isinberg“ (später „Philippswonne“) erwähnt. Erst 1454 wird als erste Eisenerzgruge der „Laufende Stein“ oberhalb des Dillenburger Bahnhofs genannt. 1484-1571 taucht urkundlich die Grube „Bieberstein“ bei Nanzenbach auf, 1588 heißt sie „Unverhofftes Glück“. In den Jahren 1601-1697 kamen Bergwerke in Eibach, Sechshelden und Donsbach dazu. Von 1608 bis 1664 belieferten die Gruben Carolus und Einigkeit in Lixfeld den Hochofen bei der „Ludwigshütte“. Aus der Grafschaft Nassau-Dillenburg lieferte man 1547 ebenfalls Eisensteine auf die Hütte bei Biedenkopf. Daraus lässt sich schließen, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Eisenschmelze in der Grafschaft gab. Von 1664 bis 1858 bzw. 1900 waren auch die Gruben Wiederhoffnung und Ritschtal bei Rachelshausen (Gladenbach) in Betrieb. Den Roteisenstein fuhr man zur Verhüttung auf die Ludwigshütte. Dei reichen Erzvorkommen in der Nähe des Dünsberges, in den Gemarkungen Bieber, Hof Haina und Königsberg, wurden von 1659 bis 1749 auf der „Bieberhütte“ verschmolzen, danach musste das Erz zur Ludwigshütte gefahren werden.
Im Dillenburgischen blieb der Eisenerzbergbau bis Anfang des 18. Jahrhunderts unbedeutend gegenüber dem Raum Wetzlar/Weilburg. Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Produktion rasch an. So betrug die jährliche Förderung an Eisenstein in Nassau 1850 ca. 88.000 Tonnen und stieg bis zum Jahr 1865 um das Achtfache auf 650.000 Tonnen. Nassau wurde damals zum bedeutendsten deutschen Eisenerzrevier. Die meisten Bergwerke wurden jedoch erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts in Betrieb genommen und erlebten ihre Blütezeit in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere als der Transport von Gütern durch Eisenbahnen möglich wurde. Mit Beginn der „Gründerjahre“, nach 1871, stieg die Zahl der Gruben und eisenverarbeitenden Werke rasch an. Der Abbau konzentrierte sich im Dill-Gebiet auf die bedeutenden Vorkommen im Raum „Oberscheld-Eisemroth-Hirzenhain“. Zu nennen sind hier, ohne Wertung, besonders die Gruben Beilstein, Königszug, Friedrichszug, Amalie, Handstein und Falkenstein. Mit der Inbetriebnahme des Elektrizitätswerkes in Oberscheld 1906 konnten elektrisch angetriebene Wasserhaltungspumpen, Schrägaufzüge und Fördermaschinen eingesetzt werden. Das Gichtgas des Hochofens trieb über Gasmotoren die Generatoren für die Stromerzeugung an. Damit war es den neuen kapitalstarken Gesellschaften möglich mit Schächten die sehr ergiebigen tieferen Erzlager zu erschließen.
Im Eisenrevier Wetzlar/Weiburg verlief die Entwicklung ähnlich. Von hier bezogen vor allem die Hochöfen in Wetzlar ihr Erz. Im Gebiet Biebertal und Umgebung gab es im verlaufe der Zeit 6 Eisenerzgruben, in der näheren Umgebung von Wetzlar 15, im Bereich Braunfels 14 und in der Umgebung von Weilburg 13 Gruben. Die Gruben waren allerdings nicht alle gleichzeitig in Betrieb und ihre Föderkapazität war, von wenigen bedeutenden Ausnahmen abgesehen (z.B. Friedberg,Juno, Fortuna), sehr unterschiedlich und manchenorts nicht sonderlich groß und daher schnell ausgebeutet.
Kurz nach dem 1. Weltkrieg (1919) erbrachten die Gruben an Lahn und Dill 21% der Eisenerzförderung in Deutschland, allerdings nur durch den Wegfall der Gruben in Lothringen infolge des Kriegsausgangs. Als die beste Zeit mit den größten Föderkapazitäten im Lahn-Dill-Gebiet können die Jahre von 1875 bis 1920, von 1936 bis 1944 und nochmals von 1950 bis 1962 gelten. Die letzte Erzgrube im Dillgebiet („Falkenstein“ bei Oberscheld) wurde, wegen des Preisverfalls auf dem Weltmarkt, am 31. August 1973 stillgelegt. Die Grube Fortuna bei Wetzlar sogar erst am 4. März 1983.
[Bearbeiten] Silber, Kupfer, Nickel, Blei und Quecksilber
Nicht unbedeutend war auch die Suche und der Bergbau nach Silber im Mittelalter. Die erste „Silberkaute“ ist aus dem Jahre 1467 aus Gladenbach schriftlich überliefert. Um 1563 wird der Abbau wieder aktiviert. Die Vorkommen waren so reichlich, dass sogar eine Silberschmelze betrieben und dort 1588 die heute gesuchten „Gladenbacher-Silber-Taler“, als erster deutscher Ausbeutetaler, geprägt wurden. Silbererz fand man weiterhin in Achenbach, Breitenstein, Rachelshausen, Runzhausen, Erdhausen bei Eibach, Oberroßbach, Engelbach und Ewersbach. 1695 fand man bei Roth ebenfalls Silbererz, aus dem Landgraf Ernst Ludwig in Gießen 1696 die berühmten „Rother- Ausbeutetaler“ prägen ließ.
Daneben hatte der Abbau von Kupfer- und Nickelerzen ebenfalls eine gewisse Bedeutung. In Erdhausen hat man seit 1562/67 und in Hartenrod ab 1674 Kupfererz gewonnen. Die Erze verarbeitete man in speziellen Kupfer-Hütten. In der Grafschaft Nassau wurde seit 1573 Kupfer aus Nanzenbach in der Hütte zwischen Wissenbach und Eibelshausen erschmolzen. 1723 errichtete Graf Johann bei Dillenburg die Isabellenhütte für dei Verhüttung der Kupfererze aus den Gruben bei Oberroßbach, Donsbach, Langenaubach, Oberscheld, Eisemroth, Sechshelden, Eibach und Nanzenbach. Auch der Landgraf von Hessen ließ 1725/29 in Breidenbach eine neue Kupferhütte bauen, in der Erze aus Gruben bei Achenbach, Dexbach, Engelbach, Breitenstein, Frechenhausen, Gönnern, Lixfeld, Erdhausen, Eisemroth, Rachelshausen, Hartenrod und insbesondere aus den Gruben in Silberg und Kleingladenbach verschmolzen wurden. Zwischen Holzhausen und Mornshausen bestand zwischen 1780 und 1830 eine weitere Kupferhütte, die Erze aus Holzhausen, Amelose und Hommertshausen verarbeitete. Bei der Verhüttung der Kupfererze, die auch andere Mineralien enthielten, fiel in geringen Mengen als Nebenprodukt auch Zink und Blei an. Die „Breidenbacher Kupferhütte“ wurde wegen mangelnder Rentabilität 1842 geschlossen.
In Erdhausen und Bellnhausen baute man ab 1840 bis 1887 Nickel-Erze ab, die in dem „Nickelwerk Aurora“, der späteren „Aurorahütte“ bei Erdhausen (ehemaliger Standort: Urbansmühle) gepocht und verschmolzen wurden. Das Ende der Nickelschmelze kam 1887, sie wurde zu einer Eisengießerei umgewandelt.
Eine Urkunde des Kosters Lorsch aus dem Jahre 802 berichtet von Bleifunden bei Hesselbach. Blei wurde in Rodenbach und in Steinbach (nördlich von Haiger) gefördert und als „Beifund“ in Erzgruben bei Amelose, Roth, Hommertshausen, Frechenhausen, Hartenrod, Rachelshausen und Weidenhausen gefunden.
Über den Abbau von Quecksilber bei Buchenau wird bereits 1790 berichtet. Es kam als Beifund auch in Gruben bei Gladenbach und Roth vor.
[Bearbeiten] Mangan
Im Gießener Bergwerkswald und in der sich anschließenden Lindener Gemarkung wurde ab 1843 Braunstein in Schächten und in einem großen Tagebau zwischen Groß- und Klein-Linden (heute geflutet) abgebaut. Braunstein (Manganerz) ist ein hochmanganhaltiges Stückerz. Das Gießener Braunsteinvorkommen war weltweit eines der größten. Über eine Seilbahn beförderte man das Erz aus dem Bergwerkswald (über die Frankfurter Straße) zum Güterbahnhof. Der Abbau wurde 1967 eingestellt und der Versand von der Wascherzhalde 1976.
Kleinere Manganerzvorkommen baute man nach 1845 ab bei Wallau, Weifenbach, Eifa, Laisa, Biedenkopf sowie bei Hörrbach (b. Herborn), Hirzenhain und Oberscheld.
[Bearbeiten] Minerale und Gesteine
[Bearbeiten] Schwerspat
In der „Dill-Mulde“, an der Grenze zur „Hörre“ wurden jahrzehntelang bedeutende Schwerspatvorkommen abgebaut. Bereits 1838 hatte man in Bergwerken bei Hartenrod Schwerspat (Baryt) entdeckt, konnte aber zunächst nichts damit anfangen. Erst 1884 nahm die Grube „Bismarck“ bei Hartenrod die gezielte Förderung von Kupfer und Schwerspat auf. Die Grube blieb bis 1957 in Betrieb. In der angeschlossenen Spatmühle wurde auch der Spat aus der benachbarten Grube „Koppe“ (im Schelderwald), die über eine Seilbahn mit dem Werk verbunden war, verarbeitet. Das Vorkommen in Hartenrod war einst eines der bedeutendsten in Deutschland und beschäftigte zeitweise bis zu 180 Mitarbeiter. Schwerspat wurde auch in Gruben bei Dernbach, Bottenhorn, Silberg, Oberndorf und Herborn-Burg abgebaut.
[Bearbeiten] Kalk
Kalk ist ein Grund-Zuschlagsstoff für die Eisenerzeugung. Ferner bildet Kalk den Hauptbestandteil für Zement. Ausreichend große Kalkvorkommen lagen in unmittelbarer Nähe der Hochöfen der Sophienhütte (Wetzlar) in den benachbarten Gemarkungen Hermannstein und Dalheim sowie in Albshausen, Burgsolms und Rodheim-Bieber. Mit dem Abfallprodukt Hochofenschlacke und dem reichlich vorhanden Kalk konnte an diesem Standort daher auch eine Zementproduktion in großem Stil entstehen, die Eisenportland- und Hochofenzement herstellte.
Kalkstein wird bzw. wurde außerdem bei Medenbach, Erdbach als Zuschlag für Hochöfen Stahlwerke und Eisengießereien gewonnen. Weitere kleinere Kalkvorkommen gab es bei Bicken (Knotenkalk), Ballerbach und Bischoffen, die vorwiegend vom Bauhandwerk der Umgebung als Baukalk verwendet wurden.
[Bearbeiten] Dachschiefer
Eine über 600-jährige Tradition hat auch der Dachschieferbergbau. 1317 wird erstmals von einer Schieferkaute in Gladenbach berichtet. Damit wurden zunächst vorwiegend landgräfliche Bauwerke (u.a. das Schloss in Marburg und Bürgerhäuser) bedacht. Bis 1926 baute man dort Dachschiefer im Tagebau und in Stollen ab. In einer Grube bei Sinn wurde von 1617 bis 1870 Schiefer abgebaut und bei Wissenbach von 1767 bis 1987. Weitere Schieferbergwerke im Dillkreis lagen bei Langenaubach, Haiger, Sechshelden, Bicken und Frohnhausen. Im ehemaligen Krs. Biedenkpf gab es Schiefergruben bei Kleingladenbach, südlich Oberweidbach, zwischen Günterod und Hartenrod, Oberhörlen, Simmersbach, Oberdieten, und Wallau.
[Bearbeiten] Diabas
Mit Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden an vielen Stellen Steinbrüche eröffnet, die Diabas abbbauten. Besonders gefragt war die hier vorkommende Varietät Paläopikrit, die wegen ihrer dunkelgrünen Farbe auch „Grünstein“ genannt wurde. Grünstein besteht hauptsächlich aus den Mineralien Olivin und Augit.
Schwerpunkte des Abbaus lagen bzw. liegen zwischen Oberdieten und Achenbach, Kleingladenbach, Buchenau, bei Hirzenhain und Lixfeld, Hommertshausen, Bottenhorn/Frechenhausen, Steinperf, Rachelshausen, Holzhausen, Hartenrod, Wommelshausen, Oberscheld und Herborn. 1952 waren in 50 Betrieben ca. 650 Mitarbeiter beschäftigt. Es wurden Werksteine, Grabsteine, Pflastersteine, Splitt (für Beton), Schotter (für die Bahn und den Straßenbau) sowie Fußbodenplatten und Fassadenverkleidungen (in Steinsägewerken) hergestellt. In Betrieb sind noch die Steinbrüche in Hirzenhain, Steinperf, Obereisenhausen und der Bruch zwischen Hartenrod und Wommelshausen.
[Bearbeiten] Hüttenwerke
[Bearbeiten] Hochöfen
Erste Hüttenwerke, die urkundlich nachweisbar sind, entstanden in Feudingen (ab 1408), Steinbrücken (1420), Eisemroth (1434/49), Wissenbach (1444), Oberscheld (1444), Ewersbach (1444, 1559), Rittershausen (1440), Dillenburg (1444-1513), Friedrichshütte b. Laasphe (1450-1463), Haiger (1444,1513), Biedenkopf-Ludwigshütte (1521, 1531, 1558 wurde die Ludwigshütte um ein Hammerwerk erweitert), Wommelshausen (16. Jahrhundert), Steinbach (1575), Eibelshausen (1585), Hirzenhain (um 1600), Dillenburg-Adolfshütte (ab 1607), Niederscheld (1607), Lixfeld (1613) und Rodheim-Bieberhütte (1659-1749). Dann folgten die ersten Holzkohle-Hochöfen in Ewersbach (1586), Oberscheld (1589, 1605-1745), Biedenkopf-Ludwigshütte (1608, 1737 kam ein zweiter Holzkohle-Hochofen dazu), Breidenbach (1601/1626), Eibelshausen (1613), Friedrichshütte bei Laasphe (1799), auf der Kilianshütte - später Wilhelmshütte genannt (ca. 1832/34, stillgelegt 1885), Justushütte bei Weidenhausen (ab 1840, stillgelegt 1883) und auf der Karlshütte bei Buchenau (1844, neuer Hochofen 1874).
In der Grafschaft Nassau-Dillenburg hatte man 1817 die Burger Eisenhütte, 1818 die Neuhoffnungshütte bei Sinn, 1829 die Schelder Eiesenwerke in Niederscheld, 1840 die Adolfshütte bei Dillenburg und 1856 die Leopoldshütte in Haiger zu Hochofenwerken ausgebaut. Eine Statistik aus dem Jahre 1860 weist aus, dass pro Einwohner in Nassau 500 kg Roheisen erzeugt wurden, in Preußen nur 23 kg.
Der letzte noch betriebene Holzkohle-Hochofen im gesamten Revier in „Eibelshausen“ stellte 1898 seine Erzeugung ein. Bereits 1886 war der Holzkohle-Hochofen auf der „Ludwigshütte“ ausgegangen. Beide Werke gingen zum Kupolofenbetrieb über.
Das Roheisen aus diesen Werken wurde in Hammerwerken und später in Gießereien weiter verarbeitet. Die Zeit der modernen Hochöfen begann daher erst nachdem Eisenbahnen fuhren, und zwar mit dem Bau der ersten beiden Steinkohlenkoks-Hochöfen auf der „Hedwigshütte“ in Lollar 1864 und 1866 (mit der endgültigen Einstellung der Hochofenanlage in Lollar im Jahre 1907 erlosch die Roheisengewinnung in Oberhessen). Auch im Dillgebiet wurde 1864/65 in Haiger die Leopoldshütte mit einem Kockshochofen (stillgelegt 1927) ausgerüstet. Auf der nach 1870 errichteten „Sophienhütte“ in Wetzlar wurde am 1. August 1872 der erste der beiden neuen Hochöfen angeblasen. 1875 wurden weitere Hochöfen in Gießen auf der „Margarethenhütte“ (stillgelegt 1898) und in Burgsolms in Betrieb genommen. In Oberscheld blies man den neuen Hochofen am 11. Juli 1905 an. Das Gichtgas dieses Hochofens diente als Brennstoff für Großgasmaschinen, die wiederum Generatoren antrieben zur Stromerzeugung. Oberscheld wurde damit zur Überlandzentrale für die Elektrifizierung der näheren Umgebung vor und während des 1. Weltkrieges.
In Oberscheld wurde im April 1968 der Hochofen stillgelegt und der Hochofen in Wetzlar am 31.Oktober 1981. Das war das Ende der Eisenerzeugung im Lahn-Dill-Gebiet.
[Bearbeiten] Eisengießereien
Viele der jüngeren Hochöfen wurden nach relativ kurzer Zeit wieder stillgelegt. Zu oft zeigte sich, dass die zugrunde gelegten Erzlagerstätten nicht so ergiebig waren wie vermutet, was zu hohen Transportkosten für Fremderze führte. Zudem waren die neuen Koks-Hochöfen, die alle an den neuen Bahnstrecken lagen, eine große Konkurrenz, da sie viel mehr und günstiger Roheisen erzeugen konnten. Ein Umbau der alten Hochöfen auf Koksbetrieb lohnte sich nicht. So wurden aus den Hütten zunehmend Gießereien, die sich auf die Weiterverarbeitung des Roheisens mit Kupolöfen spezialisierten. Produziert wurde alles was sich in Eisen gießen ließ wie: Geländer, Zäune, Gitter, komplette Balkone, Wintergärten, Fenster, Säulen für Bauwerken, Kandelaber, Gas-Straßenlaternen, Grabkreuze, Spülbecken, Badewannen, Sanitär- und Kanalguss, Maschinenteile aller Art und vor allem Herde, Öfen und Waschkessel. Damit entstanden ganz neue Berufe wie: Schmelzer, Former, Kernmacher, Putzer/Schleifer, Emailierer, Ofenmaurer, Modelleur, Modellschreiner und Modellschlosser. Vor dem ersten Weltkrieg kamen dreiviertel aller im Deutschen Reich hergestellten Herde und Öfen aus dem Lahn-Dill-Gebiet. Mitte des vorigen Jahrhunderts waren es immerhin noch ca. 60% aller Heiz- und Kochgeräte. An dieser Produktion waren ehemals über 20 Hüttenwerke (ohne Zulieferer) beteiligt. Das Zentrum dieser Gießereibetriebe befand sich entlang der Dill im ehem. Dillkreis, im oberen Lahntal und im Salzbödetal im ehemaligen Kreises Biedenkopf.
In der Anfangszeit dieser stürmisch wachsenden Industrie, insbesondere während der „Gründerjahre“ nach 1871 stieg der Bedarf an Arbeitskräften. Zunächst stellte man nur besonders ausgewählte Arbeitskräfte ein, da es an gelernten Fachkräften mangelte. Aus bisherigen Wander- und Saisonarbeitern und Taglöhnern wurden aber nach und nach Hüttenarbeiter. Wie sich die Arbeit auf dem Hüttenwerk in Burg bei Herborn gegen Ende des 19. Jahrhunderts darstellte, zeigt anschaulich ein Bericht aus Ballersbach, ehemals Dillkreis, aus dem Jahr 1870. Die Arbeit begann damals um sechs Uhr früh und dauerte bis sieben Uhr abends und samstags bis 18 Uhr. Bei je einer halben Stunde Frühstücks- und Nachmittagspause und einer Stunde Mittag ergab das elf Stunden Arbeitszeit. Dazu kam noch der Fußweg hin und zurück mit gut zwei Stunden. Urlaub, Kündigungsschutz und sonstige Vergünstigungen oder gar Weihnachtgeld gab es nicht. Der Tageslohn betrug 6 bis 7 Groschen. Dafür konnte man sich 1 1/4 Pfund Dörrfleisch oder 1 1/4 Zentner Kartoffeln kaufen. Für einen Kochherd musste man 60 bis 70 Tagelöhne aufwänden.
Durch die in diesem Raum überwiegend verbreitete Erbsitte der Realteilung entstand durch die Industrialisierung in den Orten im näheren und weiteren Umkreis der Hüttenwerke der Typ des Nebenerwerbslandwirtes, abschätzig „Kuhbauer“ genannt. Die Höfe waren klein (ca. 1 bis 2,5 ha Land und ein bis zwei Kühe) und ihre Erträge bei der kargen Bodenbeschaffenheit im rauhen Klima und extensiver Bewirtschaftung zu gering, um eine größere Familie ausreichend zu ernähren. Nur mit zusätzlicher Arbeit im Hütten- oder Bergwerk war ein bedürfnisloses und bescheidenes Leben möglich. Die nicht leichte Arbeit in der Landwirtschaft musste nach Feierabend nebenbei mit erledigt werden. Bis in die 50er/60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein waren die Dörfer dieser Region von der „Feierabend-Landwirtschaft / Nebenerwerbs-Landwirtschaft“ geprägt.
[Bearbeiten] Gussrohre
Neben der Herd- und Ofenindustrie hat die Produktion von gusseisernen Rohren und Kanalguss in Wetzlar eine lange Tradition. Das älteste erhaltene, im Lahn-Dill-Gebiet hergestellte gusseiserne Rohr, stammt von der im Jahre 1455 verlegten Wasserleitung für die Burg/Schloß Dillenburg. Heute kommen noch über 33% der in Deutschland produzierten gusseisernen Rohre für die Wasserver- und Abwasserentsorgung aus Wetzlar.
[Bearbeiten] Verkehr
[Bearbeiten] Eisenbahnen
Ihre Blütezeit erlebte die Lahn-Dill-Region mit dem Bau der Eisenbahnen. Nun konnte Koks aus dem Ruhrgebiet für die Hochöfen herangeschafft und die Produkte der Industrie in großen Mengen schnell zu den Absatzmärkten transportiert werden. Als erste Bahnstrecke wurde die Main-Weser-Bahn über Gießen 1852 in Betrieb genommen. 1862 war die Dill-Strecke (Gießen–Dillenburg–Köln) fertig; ein Jahr später 1863 die Lahntalbahn (Gießen–Koblenz). Ab 1883 folgten die Nebenstrecken der Oberen Lahntalbahn (Marburg–Biedenkopf–Laasphe–Kreuztal), 1892 der Strecke Dillenburg–Ewersbach und 1902 der Aar-Salzböde-Bahn (Niederwalgern–Herborn). Die Kleinbahn Gießen-Bieber, die Biebertalbahn, im Volksmund „Bieberlieschen“ genannt, wurde 1897/98 in erster Linie wegen der bedeutenden Eisenerzlagerstätten und der Kalkvorkommen im nordwestlich von Gießen gelegenen Biebertal gebaut. Aufgrund schwieriger Geländeverhältnisse konnte die Scheldetalbahn erst 1911 durchgehend von Dillenburg über Hirzenhain durch das Gansbachtal bis Biedenkopf realisiert werden. Die Steilstrecke ab dem Bergwerksbahnhof „Herrnberg“ bis zur „Lahn-Dill-Wasserscheide“ (Bahnhof Hirzenhain) ließ sich nur mit Zahnradantrieb (Zahnradbahn) überwinden. Von Dillenburg bis zur Eisenerz-Grube Königszug war sie als Stichbahn bereits seit 1872 in Betrieb.
[Bearbeiten] Literatur
- Buderus AG: Buderus Post, Jubiläumsausgabe 1731-1981, Hrsg. Buderus Aktiengesellschaft -Werkzeitung-, Wetzlar 1981
- Albrecht Jockenhöfel und Christoph Willms : Das Dietzhölztal-Projekt. Archäometallurgische Untersuchungen zur Geschichte und Struktur der mittelalterlichen Eisengewinnung im Lahn-Dill-Gebiet (Hessen), Münster'sche Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie; Bd. 1, 615 S., Verlag M. Leidorf Rahden/Westfalen 2005, ISBN 3-89646-279-2, ISSN 1861-3942
- Rolf Georg, Rainer Haus und Karsten Porezag: Eisenerzbergbau in Hessen, Hrsg. Förderverein Besucherbergwerk Fortuna, Wetzlar 1986, ISBN 3-925619-01-1
- Dieter Stoppel: Auf Erzsuche. Zur Geschichte des Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergbaues im Raum Biedenkopf-Dillenburg, D. Bode Verlag, Haltern 1988, ISBN 3-925094-19-9
- Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung e.V.: Eisenland, zu den Wurzeln der nassauischen Eisenindustrie, Hrsg. VfNAuG, Wiesbaden 1995, ISBN 3-922027-88-1
- Rainer Haus und Hans Sarkowicz: Feuer und Eisen. 275 Jahre Wärme von Buderus. München 2006, ISBN 978-3-492-04947-4, ISBN 3-492-04947-8
- Hans Schubert, Josef Ferfer und Georg Schache: Vom Ursprung und Werden der Buderus'schen Eisenwerke Wetzlar, 2 Bände, München 1938