Körpergröße
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Die Körpergröße eines Menschen ist, neben dem Körpergewicht, ein einfaches biometrisches Merkmal.
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Vererbung
Die Körpergröße wird in einem gewissen Rahmen vererbt. Üblicherweise wird aus der Elterngröße die so genannte Zielgröße für das Kind nach folgender Formel berechnet:
Ziel = ((Größe Vater + Größe Mutter) / 2) - 6,5 cm für Mädchen + 6,5 cm für Jungen.
Forschung
Ein Teilbereich der wirtschaftshistorischen Forschung betrachtet die Körpergröße als wesentliches Maß für den biologischen Lebensstandard und die wirtschaftliche Entwicklung eine Landes. Je wohlhabender ein Gemeinwesen, desto größer sind die Menschen, die darin leben. Dieser Forschungszweig heißt Anthropometrische Geschichte.
Der Begriff „Anthropometrische Geschichte“ wurde 1989 geprägt durch John Komlos, während die Grundlagen dafür schon früher von Emanuel Le Roy Ladurie, Robert Fogel und Richard Steckel Ende der 1960er und in den 1970er Jahren gelegt wurden. Stark verbunden mit dem Ansatz der anthropometrischen Geschichte ist das Konzept des biologischen Lebensstandards. Wichtige Faktoren beim Vergleich von Bevölkerungsgruppen sind genetisch bedingte Körpergrößenunterschiede, kulturelle Ernährungsgewohnheiten und die Körpergröße der vorangegangenen Generation.
Grundlagen
Solange ein Mensch wächst, verwendet der Körper die aufgenommene Nahrungsenergie, die er nicht für die Aufrechterhaltung vitaler Körperfunktionen und Bewegung benötigt, für das Körperwachstum. Bei mangelnder Qualität oder Quantität der Nahrung werden körpereigene Energiereserven abgebaut und die Energiezufuhr für Aktivitäten und Wachstum reduziert. Gleichzeitig schwächt eine mangelhafte Ernährung das Immunsystem, so dass Erkrankungen mit höherer Wahrscheinlichkeit eintreten und die Krankheitsdauer sich tendenziell verlängert. Erkrankungen wiederum verschlechtern den Ernährungsstatus, da sie die Nährstoffaufnahme im Körper vermindern und der Energieaufwand des Immunsystems höher ist als beim Gesunden.
Somit wird die durchschnittliche Körpergröße eines Menschen determiniert durch die Qualität und Quantität von Nahrung, Krankheiten und den Zugang zu medizinischer Versorgung, wobei letztere erst seit dem 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte. Diese Faktoren hängen wiederum ab vom Haushaltseinkommen, hygienischen Gewohnheiten, Gesundheitsrisikoverhalten sowie Sanitär- und Trinkwasseranlagen, Impfungen und Medikamenten.
Auf Grund von Unterernährung vermindertes Körperwachstum kann nach medizinischen Erkenntnissen teilweise bis ins späte Jugendalter nachgeholt werden. Die Forscher gehen davon aus, dass die Körpergrößen von Erwachsenen die Netto-Ernährungsqualität während ihrer Kindheit widerspiegeln, wobei die Lebensumstände während der ersten drei Lebensjahre auf die Endgröße von Erwachsenen besonders stark wirken.
Ergebnisse
Wissenschafter der Uni München kamen zu dem Ergebnis, dass es bei der Körpergröße Zyklen gab, die den Zyklen der Wirtschaft ähneln: So waren die Menschen zur Zeit der industriellen Revolution kleiner als davor, da die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter schlechter und die Lebensmittel teuer waren (Lit.: Komlos, 2005). Unsere Vorfahren waren in der Steinzeit, wie Skelettfunde belegen, bis zu 179 cm groß, im nachfolgenden Neolithikum waren sie auf Grund veränderter Lebensbedingungen deutlich kleiner.
Nach Untersuchungen der Staatsuniversität Ohio aus dem Jahr 2004 erreichten die Menschen im frühen Mittelalter (9. bis 11. Jahrhundert), als das Klima besonders mild und die Versorgungslage der Menschen gut war, eine durchschnittliche Körpergröße von mehr als 173 cm. Diese Größe nahm dann jedoch gemäß diesen Untersuchungen seit dem 12. Jahrhundert stetig ab und erreichte im 17. und 18. Jahrhundert mit ca. 167 cm Durchschnittsgröße den tiefsten Punkt. Funde in Frankreich lassen sogar auf 161 cm bei den Männern schließen.
Mögliche Ursachen sind neben der o.g. allgemeinen Ernährungslage auch Klimaänderungen, Änderungen der Gesundheitslage und die Zunahme der Bevölkerungsdichte, wobei sich diese Faktoren wechselseitig beeinflussen. So setzte im 13. Jahrhundert in Europa die sogenannte kleine Eiszeit ein, wodurch sich die Wachstumsperiode für Getreide und andere Kulturpflanzen um bis zu vier Wochen verkürzte. Ungeachtet dessen nahm die Besiedlungsdichte im Laufe der Jahrzehnte deutlich zu, was vielerorts zu einer Nahrungsmittelverknappung führte. Im Zusammenhang mit der Zunahme der Besiedlungsdichte und der einhergehenden Verbesserung der Infrastruktur und der Transportwege steht auch die zunehmende Ausbreitung von schwächenden Infektionskrankheiten. Dies könnte sich ebenfalls negativ auf die durchschnittliche Körpergröße der Bevölkerung ausgewirkt haben. Die Daten der Ohio-Studie wurden anhand mehrerer Tausend Skelettfunde von nordeuropäischen Menschen aus dem 9. bis zum 19. Jahrhundert erhoben.
Laut John Komlos ist die durchschnittliche Körpergröße einer menschlichen Population ein aussagekräftigerer Indikator für den Wohlstand als die etablierten Kenngrößen Pro-Kopf-Einkommen oder auch das BSP. Die Körpergröße der Bevölkerung ist somit ein Maß für die allgemeine Gesundheit und Versorgungslage.
Marie Louise Bauer ist der Auffassung, dass diese Beziehungen nur für Durchschnittgrößen aufzustellen sind: "Ich bin groß, deshalb bin ich immer optimal ernährt worden" seit ein Fehlschluss, da die Körpergröße sehr stark genetisch beeinflusst werde.
Internationaler Vergleich
Die empirische Wahrscheinlichkeitsverteilung der Körpergrößen großer Gruppen entspricht der Gauß'schen Normalverteilung.
Durchschnittliche Körpergröße | Männer | Frauen |
---|---|---|
Deutschland | 180,2 cm | 168,3 cm |
Österreich | 178,2 cm | 165,5 cm |
Schweiz | 180,5 cm | 167,2 cm |
Frankreich | 175,6 cm | 162,5 cm |
Australien | 177,0 cm | 164,3 cm |
Brasilien | 174,0 cm | 161,2 cm |
Bosnien und Herzegowina | 186,0 cm | 170,7 cm |
China | 169,7 cm | 158,6 cm |
Dänemark | 181,5 cm | 169,0 cm |
Großbritannien | 178,1 cm | 164,2 cm |
Italien | 176,7 cm | 164,1 cm |
Japan | 171,1 cm | 158,4 cm |
Niederlande | 182,5 cm | 170,5 cm |
Senegal | 175,0 cm | 162,2 cm |
Serbien und Montenegro | 185,6 cm | 171.1 cm |
Spanien | 177,3 cm | 164,2 cm |
USA | 176,7 cm | 162,8 cm |
Vietnam | 162,5 cm | 152,3 cm |
Hinsichtlich der Körpergröße werden sehr unterschiedliche Angaben gemacht. Das Statistische Bundesamt Deutschland gibt beispielsweise eine durchschnittliche Körpergröße von 177 cm für den Mann und 165 cm für die Frau an (Mikrozensus-Befragung im Mai 2003).
Siehe auch
- Anthropometrie
- Body Mass Index (BMI)
- Körpergewicht
- Schuhgröße
- Akzeleration (Biologie)
- Konfektionsgröße
- Zusammenhang zwischen Wärmehaushalt und Körpergröße bei Tieren: Bergmannsche Regel (allgemein: Ökogeografische Regeln)
Literatur
- Komlos, John: Körpergröße und Wohlstand. Spektrum der Wissenschaft, (9) 2005, S. 90
Weblinks
- Statistisches Bundesamt - Körpermaße der Bevölkerung nach Altersgruppen
- Wachstum und Großwuchs
- http://www.ch-kredler.de/matthias/arbeit_11_02/ArbeitAntebellumPuzzle.pdf
- http://www.falter.at/heureka/archiv/99_6/06.php
- Kleinwuchs auf Grund von Wachstumshormon-Mangel
- www.wissenschaft.de: Warum Menschenkinder so langsam wachsen