Hütten- und Bergwerke Rheinhausen
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Die Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG war eine Gesellschaft innerhalb des Kruppschen Firmenimperiums. Sie betrieb ein Hüttenwerk in Rheinhausen am Niederrhein, der heute ein Stadtbezirk in Duisburg ist.
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[Bearbeiten] Geschichte
Auf Initiative von Friedrich Alfred Krupp wurden im Jahre 1896 die Planungen für ein Hüttenwerk aufgenommen. Bereits am 18. Dezember 1897 wurden die ersten Hochöfen angeblasen. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg galt das Werk als das größte Europas. Die Produkte umfassten Schienen, Stab- und Profilstahl, Halbzeug, Schwellen und Walzdraht.
Mit der Ansiedlung der Firma Krupp Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte im Raum der Dörfer, die sich 1923 zur Landgemeinde Rheinhausen zusammenschlossen und heute ein Stadtbezirk Duisburgs sind. Allerdings begann auch die Zeit starker Umweltverschmutzung. Ein ganzes Dorf (Bliersheim) verschwand unter dem Werksgelände, das sich verkehrsgünstig gelegen direkt am linken Rheinufer gegenüber Duisburg befand und über einen eigenen Hafen verfügte.
Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Dörfer etwa 5.000 Einwohner, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zählte das 1934 zur Stadt erhobene Rheinhausen rund 46.000 Einwohner. Sie waren in mehreren großen Schüben, vor allem aus dem oberschlesischen Bergbaugebiet hierhin gezogen, um in den Zechen Diergardt und Mevissen, vor allem aber im Kruppschen Hüttenwerk, Arbeit zu finden. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug die Einwohnerzahl noch ca. 40.000. 1949 wurde der 50.000. Einwohner registriert. 1947 wird das Kruppsche Hüttenwerk aus dem Krupp-Konzern entflochten und aus der Demontageliste gestrichen; später wurde es wieder in den Krupp-Konzern integriert. Neben dem Stahlwerk entstand ein weiteres Tochterunternehmen: die Fa. Krupp Industrie- und Stahlbau, später Krupp Industrietechnik genannt.
[Bearbeiten] Das Werk
Bis zu 16.000 Menschen fanden in den 60er Jahren bei Krupp Arbeit, viele von ihnen kamen aus aus der Stadt Duisburg und dem niederrheinischen Hinterland. Daher wird die Bahnlinie 33 auf der Niederrheinstrecke, die aus Kleve, Xanten, über Rheinberg und Moers nach Rheinhausen führt, traditionell noch immer Hippeland-Express genannt (offizielle Bezeichnung: Der Niederrheiner), denn damals transportierte diese Linie Industriearbeiter aus dem landwirtschaftlich geprägten Kreis Kleve mit seiner traditionellen Ziegenzucht zum Hüttenwerk.
Die Firma Krupp nahm dabei lange Zeit eine wichtige Rolle für die urbane Entwicklung Rheinhausens ein: Krupp ließ eine Mustersiedlung für Stahlabeiter bauen (Margarethensiedlung), einen kleinen Bahnhof am Werkstor I (Bahnhof Rheinhausen-Ost) sowie ein Krankenhaus, das den Namen seiner Ehefrau Bertha trug. Auch war die Firma Krupp, vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Firma, die für ihre Beschäftigten zahlreiche soziale Einrichtungen schuf. Von Krupp-eigenen Konsumgeschäften, in denen zunächst nur Werksangehörige und ihre Familien einkaufen konnten, über einen Krupp-eigenen Kindergarten, eine Krupp-eigene Bücherei, das erwähnte Berthakrankenhaus, eine eigene Badeanstalt (am Kruppsee), Großwäschereien für die Familien der Beschäftigten bis hin zu Kuranlagen an Luftkurorten. Rheinhausen war Krupp und Krupp war Rheinhausen. Beschäftigte bei der Firma Krupp blieben dort ein Leben lang und vor allem die Söhne fingen auch dort an zu arbeiten, die Töchter heirateten die Söhne anderer Kruppianer. Die gewerkschaftliche Organisationsquote der Krupp-Beschäftigten in der IG Metall lag bei fast 100 %.
Durch die Gewerbesteuereinnahmen von Krupp konnten in den 60er und beginnenden 70er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Stadtverwaltung viele soziale Einrichtungen, wie 6 Jugendzentren, 5 Altentagesstätten, 19 Kindergärten, Frei- und Hallenbädern eingerichtet werden, sowie eine international beachtete Sporthalle (Krefelder Straße) und eine große Veranstaltungshalle (Rheinhausenhalle). Es wurde auch der Volkspark Rheinhausen gegründet (Rheinhausens grüne Lunge) und an sehr vielen Straßen wurden Alleebäume gepflanzt, die dem Stadtteil insbesondere ab den 80er Jahren ein parkartiges Aussehen verschafften. Allerdings sorgte der Einfluss der Firma Krupp auch dafür, dass keine Konkurrenzfirmen sich ansiedeln konnten, die im örtlichen Arbeitskräftereservoir hätten wildern können. Dadurch war in dieser Stadt eine extreme Monostruktur gegeben.
[Bearbeiten] Das Ende
Mit dem Niedergang von Kohle und Stahl begann auch für Rheinhausen der wirtschaftliche Abstieg. Die beiden Zechen wurden bereits in den 60er Jahren geschlossen. Hier wurden aber freigesetzte Arbeitskräfte meist von der Firma Krupp, die weiter expandierte, aufgenommen. In den 80er Jahren machte das Kruppsche Hüttenwerk dann bundesweit Schlagzeilen.
Die Krupp Stahl AG gibt am 3. Dezember 1982 die Schließung ihres Walzwerkes in Duisburg-Rheinhausen bekannt. Mehrere Tausend Arbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Krupp begründet die Entscheidung so: mit den Walzstählen aus Rheinhausen sei die Aktiengesellschaft am subventionierten Markt nicht konkurrenzfähig. Mitte der 70er Jahre hatte eine weltweite Stahlkrise eingesetzt. Es kam zu Absatzschwierigkeiten, mehrere Werke in Deutschland mussten schließen. Insgesamt waren in der Stahlbranche 200.000 Stellen bedroht. Noch mehr waren es im Bergbau.
1987 erhielt Rheinhausen durch den Widerstand gegen die Schließung des damals vorhandenen Stahlwerks große Medienpräsenz. Nach einer viel beachteten Rede von Helmut Laakmann begann der Arbeitskampf. In Duisburg-Rheinhausen besetzten am 10. Dezember 1987 Krupp-Arbeiter die Rheinbrücke, protestieren gegen die Schließung ihres Werkes. Rheinhausen wurde damit zum Synonym für „Stahlkrise“. Die Rheinbrücke Rheinhausen - Hochfeld wurde von den Arbeiternehmern in „Brücke der Solidarität“ umbenannt, ein Name, der später von der Stadt Duisburg offiziell übernommen wurde. Im Winter 1987/88 folgten große Demonstrationen gegen die Schließung des verbliebenen Hüttenwerks. In diesem Rahmen wurde auch die Rheinbrücke sowie die Autobahn blockiert und die Krupp-Hauptverwaltung in der Villa Hügel in Essen besetzt. Monatelange Mahnwachen begleiteten die Auseinandersetzungen.
Trotz aller Proteste endete am 15. August 1993 mit der endgültigen Schließung der Kruppschen Hüttenwerke eine fast 100jährige Industriegschichte. Erhalten sind noch die Villen der ehemaligen leitenden Angestellten in Bliersheim und das Casino mit dem Charme der 50er Jahre.
Auf dem Gelände des ehemaligen Kruppstahlwerkes entsteht nun ein Zentrum für Logistikunternehmen unter dem Namen Logport. Containerterminals bestimmen nun das Bild des Geländes. Die Anzahl der dort Beschäftigten macht aber nur einen Bruchteil der früheren Industriearbeiterschaft aus.