Henri Lichtenberger
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Henri Lichtenberger (* 12. März 1864 in Mülhausen, Elsaß; † 4. November 1941 ebenda) war einer der Begründer der modernen französischen Germanistik.
Henri war der Sohn von Frédéric Auguste Lichtenberger (1832-99), der als Mitbegründer der theologischen Fakultät an der Sorbonne und Herausgeber des 13-bändigen Lexikons Encyclopédie des sciences religieuses (1877-82) mit dem Legion d'honneur-Orden ausgezeichnet worden war. Sein jüngerer Bruder André Lichtenberger (1870-1940) wurde als Romancier und Soziologe bekannt. Nach dem Krieg von 1870/71, in dem Mülhausen mit dem Elsaß an Deutschland fiel, zog die Familie zunächst nach Bayonne, später nach Paris.
Lichtenberger war ab den 1890er Jahren Professor für ausländische Literatur in Nancy, von 1905 bis 1934 Professor für Literatur und deutsche Philologie an der Sorbonne. 1914/15 war er als Austauschprofessor für vergleichende Literaturwissenschaften in Harvard.
Er verfasste zahlreiche Werke über deutsche Literatur, Sprache, Zeitgeschichte und Philosophie. Insbesondere seine Abhandlungen über Friedrich Nietzsche, den er 1898 noch persönlich aufgesucht hatte, fanden Beachtung. Seine Nietzsche-Biographie wurde von Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, mit der er auch einen regen Briefwechsel führte, 1899 ins Deutsche übersetzt. 1928 verfassten beide gemeinsam eine weitere Nietzsche-Biographie.
In Richard Wagner - der Dichter und Denker leitet er die Wagnersche Philosophie aller seiner Opern aus der von Arthur Schopenhauer, den Wagner zeitlebens studierte, ab. Das Buch erreichte alleine in Frankreich acht Auflagen bis 1931. Durch Lichtenbergers zeitgeschichtliche Abhandlungen über Deutschland und später auch seine Mitherausgeberschaft bei der Deutsch-Französischen Rundschau warb er schon ab den frühen 1920er Jahren für die deutsch-französische Aussöhnung. In seinem 1936 erschienenen Werk L'Allemagne nouvelle zeichnet Lichtenberger ein erstaunlich positives Bild der politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus in Deutschland. Dennoch fanden sich seine Werke 1938 auf der Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums. Neben einer zweibändigen Goethe-Biographie übersetzte Lichtenberger außerdem eine Reihe von Goethe-Werken ins französische.
[Bearbeiten] Literatur (Auswahl)
- La Légende et le Poème des Nibelungen, Paris 1891
- Histoire de la Langue allemande, Paris 1895
- La Philosophie de Nietzsche, Paris 1898 et al.; dt.: Die Philosophie Friedrich Nietzsches, Dresden 1899 et al.
- Richard Wagner: poète et penseur, Paris 1898 et al.; dt.: Richard Wagner - der Dichter und Denker, Dresden 1899 et al.
- Aphorismes et fragments choisis de Nietzsche, Paris 1899; dt.: Friedrich Nietzsche - Ein Abriß seines Lebens und seiner Lehre, Dresden 1900
- Henri Heine penseur, Paris 1905; dt: Heinrich Heine als Denker, Dresden 1905 et al.
- L'Allemagne moderne, son évolution, Paris 1907; dt: Das moderne Deutschland und seine Entwicklung, Dresden 1908 et al. (in engl.: ISBN 1846644550)
- Novalis, Paris 1911
- L'imperialisme economique, Paris 1918
- L'Allemagne d'aujourd'hui dans ses relations avec la France, Paris 1922
- Nietzsche und sein Werk (gemeinsam m. Elisabeth Förster-Nietzsche), Dresden 1928
- L'Allemagne nouvelle, Paris 1936 (in engl.: ISBN 0836951344)
- Goethe, Paris 1937/39, Freudenstadt 1949
[Bearbeiten] Weblinks
Personendaten | |
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NAME | Lichtenberger, Henri |
KURZBESCHREIBUNG | Begründer der modernen französischen Germanistik |
GEBURTSDATUM | 12. März 1864 |
GEBURTSORT | Mülhausen, Elsaß |
STERBEDATUM | 4. November 1941 |
STERBEORT | Mülhausen, Elsaß |