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Geschichte der Marktgemeinde Regau - Wikipedia

Geschichte der Marktgemeinde Regau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Regau ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Vöcklabruck im Hausruckviertel mit 5.815 Einwohnern.

Dieser Artikel behandelt nur die Geschichte Regaus, für weitere Informationen siehe Hauptartikel Regau .

 Verkauf der Vöcklabrücke
Verkauf der Vöcklabrücke
 Ansicht von Regau um 1650
Ansicht von Regau um 1650

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ur- und Frühgeschichte

In der Gegend von Regau waren zu prähistorischen Zeiten Mammuts beheimatet, wie ein Fundstück eines Mammutstoßzahnes aus dem Quartär (Würmeiszeit) beweist. Die Eiszeit und deren Folgeerscheinungen haben auch die Beschaffenheit des Geländes um Regau durchaus stark verändert. Die sich zurückziehenden Gletscher der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren schufen durch Moränen und weitflächige Terrassenbildungen eine Vielzahl an Seen, Mooren und Teichen, welche wiederum einen idealen Lebensraum für den Menschen und für viele Tiere darstellten.

Aus dieser Zeit lassen zahlreiche Funde auf frühe menschliche Besiedelung in Regau schließen. Es wurde zum Beispiel im Jahr 1946 am „Hausmannsfeld“ in Hattenberg ein nordisches Lochbeil aus Serpentin gefunden, welches sich nun im Heimathaus Vöcklabruck befindet. Zudem entdeckte man ein Lochbeil aus Amphibolith in Hinterbuch, welches zur Zeit in der Volksschule Rutzenmoos aufbewahrt wird.

An der gleichen Stelle konnte man drei Steinschmuckringe im Durchmesser von 2 − 2,3 cm mit einer Lochung von 0,7 − 1,2 cm sicherstellen. Auch in Oberregau wurde eine Lochaxt aus olivgrünem Serpentin freigelegt und ein weiteres Steinbeil kam in der Schottergrube in Preising zu Tage.

[Bearbeiten] Indogermanische Stämme

Um 400 v. Chr. besiedelten die Kelten, eine indogermansiche Volksgruppe, aus Westeuropa kommend, das gesamte Gebiet des heutigen Österreichs. Da die keltischen Stämme ihre Behausungen bevorzugt an Flüssen, Seen und Berglehen erbauten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie sich auch in Regau niedergelassen hatten. Hierfür spricht die Lage an den Ufern der Ager, Vöckla und Aurach, sowie die leicht hügelige Landschaft rund um den Hongar. Weil die Kelten neben den Römern auch als sehr gute Straßenbauer bekannt sind, ist anzunehmen, dass sie ein erstes Straßennetz durch Regau angelegt hatten. Man kann sich jedoch diese meist ungepflasterten Pfade nicht wie im heutigen Sinn als Straße vorstellen, da diese nach römischen Beschreibungen oft durch wildes Gestrüpp, Moore und steile Abhänge verliefen und nur wenige Meter breit waren. Die keltischen Siedlungen lagen nur selten direkt an einem dieser Pfade, da die Kelten es vorzogen vor möglichen Feinden unentdeckt zu bleiben.

Für die Kelten waren diese Siedlungen geheiligte Orte, meist bestehend aus einer Ansammlung von Bauernhöfen mit umzäuntem Weideland und einem Schutzwall aus Lehm. Noch heute weisen einige Namen auf keltischen Ursprung hin. So kommt z.B. der Name Ager mit ziemlicher Sicherheit vom keltischen Wort Agira und bedeutet soviel wie „schnell treibende Ache“. Die Aurach ist mit dem keltischen Ursprung Uraha gleichzusetzen und bedeutet wahrscheinlich „die Ache des Ur“. Neben diesen Flussnamen weisen auch die Bezeichnungen Hongar und Schalchham auf keltischen Ursprung hin.

[Bearbeiten] Römerzeit

Der römische Kaiser Augustus nahm den Einfall keltischer Stämme aus der Alpenregion in Istrien um 15. v. Chr. zum Anlass, das Königreich Noricum dem römischen Imperium einzugliedern. Es ist anzunehmen, dass diese Eingliederung sehr friedlich verlaufen ist, da die Kelten schon seit längerer Zeit vom regen Handel mit den Römern profitiert hatten. Das neu gewonnene Gebiet blieb für ein halbes Jahrhundert in Okkupationszustand bis es schließlich um 45 n. Chr. in einer neuen römischen Provinz Noricum aufging.

Ausschnitt der Tabula Peutingeriana
Ausschnitt der Tabula Peutingeriana

Die Städte und Ortschaften wurden von den Römern durch ein dichtes Netz von Haupt- und Nebenstraßen (so genannte Konsular- und Vizinalstraßen) verbunden. Der Verlauf dieser Straßen folgte meist älteren vorgeschichtlichen Verkehrswegen und kann hauptsächlich durch eine mittelalterliche Pergamentkopie einer antiken Weltkarte des 1. Jahrhunderts n. Chr. aus dem Besitz des Augsburgers Konrad Peutinger namens Tabula Peutingeriana belegt werden.

Der Verlauf der römischen Konsulatsstraße von Ovilava (Wels) nach Iuvavum (Salzburg) wies nach deren Ausbau unter den Römerstraßen in Oberösterreich die größte Verkehrsfrequenz auf. Aus der Richtung Ovilava kommend, führte sie in südwestlicher Richtung über die Ortschaften Hörweg und Staig vorbei nach Breitenschützing, wo sie nach Süden abbog und südlich an Schwanenstadt vorbei, nach Hainprechting und Niederstraß bei Attnang verlief, wo sie sich dann teilte. Die Hauptlinie verlief am Südhang des Sonnleitenwaldes am Bauernhaus Steinsäuler vorbei und umging das heutige Vöcklabruck im Norden. Südlich des Vöcklabauern überquerte sie die Vöckla und verließ bei Oberthalheim die Flussniederung. Ein anderer Straßenzug der an Puchheim vorbeiführte und bei Neudörfl die Ager überquerte, geht über Unterregau und Schalchham von Süden nach Vöcklabruck. Am linken Agerufer soll ein dritter antiker Straßenast über Wagrain verlaufen und wieder in die Hauptlinie eingemündet sein. Schließlich könnte nach Jandaurek auch noch jenes Straßenstück, welches vom oberen Stadttor Vöcklabrucks nach Norden führte, bis zur Biegung nach Westen das Stück einer antiken Straße sein, die von der Hauptlinie nach Schöndorf führte.

Ein Ast dieser Straßen dürfte bei Dornet die Ager überquert haben und zog dann nach örtlicher Überlieferung über Preising nach Himmelreich, wo er sich verzweigte. Dabei führte eine Straße über die Dürre Aurach nach Gmunden, eine andere nach Schörfling und eine dritte den Samerweg entlang Richtung Oberregau.

Das dichte Straßennetz im und um den Raum Regau, deutet darauf hin, dass hier die Straßenstation Tergolape der Tabula Peutingeriana zu suchen ist, welche als Verbindungsstück zum Salzkammergut diente. Zudem könnte der Ortsname Schalchham auf einen römischen Ursprung hindeuten. Abzuleiten ist Schalchham wohl von „zinspflichtiger Romane“, da die Bayern ihre untertänigen Romanen neben Walchen auch Schalken, das heißt ein römischer Knecht, genannt haben. Somit könnte Schalchham Heimstätte eines Schalkens gewesen sein.


Fundstücke aus der Römerzeit

In Preising wurde unter einer mit Schotter vermischten Humusschicht eine Lage von rund 20 cm Kies und darunter eine stärkere Lage von Schotter festgestellt. Es handelt sich hierbei nicht um natürliche Ablagerungen, sondern höchstwahrscheinlich um Teile eines Straßengrundbaues dieser Zeit.

Weiters entdeckte man römische Münzen und Geschirrscherben aus rotgebrannter Ziegelerde und verschiedene Ziegeltrümmer in Oberregau. Einen ganz besonderen Fund aus Regau stellt die etwas 12 cm hohe römische Bronzeglocke dar, die wegen ihrer Einzigartigkeit im Linzer Schlossmuseum aufbewahrt wird.

Zudem kam bei Schöndorf ein alter Meilenzeiger mit dem Namen des Kaisers Septimius Severus ans Tageslicht und im Jahre 1882 entdeckte Johann Seethaler an der Wasserscheide bei Schöndorf das Bruchstück eines römischen Meilensteines.

[Bearbeiten] Bajuwaren

Anhand der Ortsnamenüberlieferung kann man das Gebiet der Baiern rekonstruieren. Bereits im 8. und 9. Jahrhundert wurden bairische Ortschaften urkundlich belegt, wobei sicherlich nicht alle Siedlungen erwähnt wurden.

Zu den ältesten bairischen Ortsnamen zählen die Namen die auf –ing, –ham und –heim enden, wobei diese Namensformen um die Jahrtausendwende ein Ende fanden und später entstehende Ortschaften nicht mehr im Bairischen ihren Ursprung fanden. Sie wurden nun mehr von den auf –dorf, –reut, –roit und –schlag endenden Namen abgelöst, die ihren Ursprung vor allem in der Neugewinnung von Siedlungsboden hatten. Derartige Ortsnamen sind in Regau sehr häufig vorzufinden, was darauf schließen lässt, dass das Gebiet der Gemeinde schon sehr früh von den Baiern besiedelt wurde. Neben Pilling, Pürstling, Preising, Ritzing, Weiding und Zaißing sind sowohl die Ortschaften Schalchham und Wankham, als auch die Namen Dorf, Reith und Roith auf bairisches Siedlungsgebiet zurückzuführen. Die beiden letztgenannten Ortschaften können auch als so genannte Rodungsnamen angesehen werden , wobei es vor allem östlich der Ager und südlich der Ebene von Regau zu häufigen Rodungen kam. Die auf –heim endenden Ortsnamen können vom germanischen Wort „Heim“ abgeleitet werden und bedeuten soviel wie Wohnort und Zuhause. Die auf –ham endenden Siedlungen sind als eine mundartliche Ableitung von Heim anzusehen.

Außerhalb von Regau trugen auch die slawischen und romanischen Bevölkerungsgruppen ihren Teil zur Ortsnamenentwicklung bei. Die Baiern bezeichneten die Slawen als „Winidi“ die Weidenden, da diese als Hirtenvolk lebten. Deshalb lassen die auf –winden endenden Ortsnamen auf die slawische Bevölkerung schließen (z.B. die Ortschaft Windern). Auch die Romanen, die nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches noch vereinzelt in unserem Gebiet lebten, waren an der Namensgebung mancher Ortschaften beteiligt.

[Bearbeiten] Erste urkundliche Erwähnung von Regau

Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass dieser Kodex mit der ersten urkundlichen Erwähnung von Regau nicht verschwunden ist. Denn in einem Bericht vom Februar 1853 wurde an die Direktion des Archivs gemeldet, dass der Kodex bereits im Herbst 1852 entwendet und zusammen mit anderen Urkunden zum Pergamentpreis verkauft worden war. Bei einer zufälligen Durchsicht eines Registrators wurde das Fehlen der Urkunden bemerkt. Schließlich konnte der Diebstahl mit Hilfe der Polizei geklärt werden und die Wiederbeschaffung der Dokumente folgte wenig später. Diesen Ereignissen zu Folge wurden die Akten im März 1853 nach Wien überliefert und deren Ankunft bestätigt.

Eine dieser Urkunden beinhaltet die Schenkungen von Ländereien eines gewissen Rudolfs und dessen Bruder an das Kloster Mondsee und ist somit die älteste urkundliche Erwähnung Regaus. Dieser gebürtige Regauer Mönch Rudolf übertrug mit seinem Bruder und Advokat, dessen Namen nicht bekannt ist, sein elterliches Erbe in einer Gegend, die repagauue hieß, dem Stift Mondsee.

Die Übersetzung der Urkunde lautet:

Erste urkundliche Erwähnung von Regau
Es ist allen Gläubigen bekannt, dass sie sich mit vergänglichen Dingen ewigen Lohn erwerben können, der niemals zur Neige geht. Daher übergebe ich unwürdiger Mönch mit Namen Rudolf zusammen mit meinem Bruder, der mein Anwalt ist, dem Hl. Erzengel Michael alles, was mir seitens des Vaters und mütterlicherseits durch das Erbrecht zugefallen ist an dem Ort, der Rebegau genannt wird, das Haus mit dem Hof, den Ländereien, den Wiesen, Wäldern, Weiden, Teichen und fließenden Gewässern, den beweglichen und unbeweglichen Gütern, den kultivierten und unkultivierten, den Eigentumsrechten, was auch immer so heißt und genannt werden kann, allerdings unter Bedingung, dass, solange ich lebe, ich die freie Verfügungsgewalt habe und es nach meinem Tode mit allen Vorteilen an den Heiligen Michael fallen möge. Und es sind viele Ohrenzeugen herbeigezogen worden. Dieser Vertrag wurde abgefasst in Mondsee in der Basilika des HL. Michael, am 11. Juni, Freitag.

Pfarrer Alois Obermüller (Amtszeit 1882 - 1898) war der erste Historiker, der sich mit der Heimatgeschichte von Regau genauer auseinandersetzte und eine erste grundlegende Chronik der Gemeinde und Pfarre Regau zusammenstellte. Obermüller datiert die erste Erwähnung des Ortes auf den 29. Mai 800, wobei die Jahreszahl überschrieben ist, er könnte vorher 826 gemeint haben, jedenfalls hat Obermüller nach der Korrektur vor der Jahreszahl noch die Einfügung „circa“ angebracht. Auch die weiteren Chronisten, wie zum Beispiel der in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts lebende Chronist Josef Hauschild, stützen sich auf diese erste Angabe, wobei es jedoch immer leichte Abweichungen sowohl beim Datum, als auch bei der Jahreszahl gab.

Beinahe hundert Jahre später begab sich der Verfasser der Festschrift zur 1200–Jahrfeier, Stefan Urich, nach Wien, um der ersten Datierung genauer nachzugehen. Als er das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien besuchte, hatte er die Gelegenheit die Urkunde zu studieren. So lautet die Datierung am Schluss der Urkunde wie folgt:

III id. Iun., feria VI. (termia idus junii, feria sexta)
An den dritten Iden des Juni, Freitag

Dieses Datum würde nach dem römischen Kalender dem 11. Juni entsprechen. Da der genannte Wochentag ein Freitag war würden die Jahre 779, 784, 790, 801, 807, 812, 818 n. Chr. in Frage kommen. Es war naheliegend, die in den Chroniken verwendete Jahreszahl 800 aufzugreifen und die nach den oben angeführten Jahreszahlen am ehesten zutreffende, nämlich 801, zu verwenden. Daher feierte Regau im Juni 2001 sein 1200-jähriges Jubiläum und gehört somit zu den am frühesten bezeugten Gemeinden im Bezirk Vöcklabruck.

[Bearbeiten] Die Grafen von Rebgau

[Bearbeiten] Allgemeines über die Grafen von Rebgau

Nachdem das Bairische Herzogtum in das fränkische Reich eingegliedert wurde, wuchsen ab dem Jahr 1000 vor allem in der Region um Regau der Einfluss und die Bedeutung der Bistümer und Klöster. An dieser Stelle zu erwähnen ist sicherlich das Bistum Bamberg und in weiterer Folge auch das Erzbistum Salzburg, welche in der Region des heutigen Bezirkes Vöcklabruck große Besitzungen und Ländereien besaßen. Außerhalb dieser Besitzungen gab es noch Güter des Adels und kleinerer Leute, welche mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur bairischen Landnahme zurückreichten. Diese Adelsherrschaften erlangten vor allem nach dem Zerfall des Karolingerreiches an großer Bedeutung.

Eines dieser Adelgeschlechter bildeten die Grafen von Rebgau, die vor allem im 12. Jahrhundert die Ereignisse in und um Regau beeinflussten. Die Wurzeln dieser Grafen lagen höchstwahrscheinlich bei einer Adelsdynastie im Waldviertel, wo sie im so genannten Poigenreich ihren Hauptsitz hatten. Damit wäre auch die häufig vorkommende Bezeichnung „Grafen von Rebgau-Poigen“, oder auch „von Poigen-Regau“ geklärt. Obwohl über die Abstammung dieser Grafendynastie keine eindeutige Klarheit herrscht, lässt sich der Besitz dieser Grafen von Rebgau in Oberösterreich ungefähr rekonstruieren.

[Bearbeiten] Der Besitz der Grafen von Rebgau

Der Mittelpunkt ihrer Ländereien war sicherlich das Gebiet rund um die Ebene, wo heute Unterregau liegt. Ebenso zu ihrem Besitz gehörte das heutige Oberregau und die sich dort befindende Kapelle, welche früher den Hl. Michael, ab dem Jahre 1492 den Hl. Veit als Patron hatte und welche heute als Vituskircherl bekannt ist. „Sicherlich gehörte ihnen auch der Boden, auf dem später die Stadt Vöcklabruck entstand.“ So musste doch Pilgrim von Weng erst die Brücke über die Vöckla vom Grafen Adalbert II kaufen, um sie 1134 an Salzburg schenken zu können. Etwas südlich von Unterregau gehörte das Gebiet um den Fiertberg zum Einzugsbereich der Grafen, bis es Graf Gebhard in späterer Folge dem Kloster Asbach, welches ein Bamberger Kloster war, übergab. Zu erwähnen ist sicherlich die gute Beziehung der Grafen von Rebgau zum Bistum Bamberg, welche zu dieser Zeit vor allem im Attergau reichen Besitz hatten.

Zudem ist anzunehmen, dass die Grafen neben Hofämtern auch Dienstleute in Schöndorf, Loch, Wankham, Raschbach und Traunstein hatten, was auf weitere Ländereien schließen lässt. Zusammenfassend gehörten den Grafen von Rebgau die Gebiete um Regau, Vöcklabruck, Aurach, der Landstrich südlich der Ager, Teile des östlichen Traunseeufers und im Osten die Umgebung von Viechtwang.

Neben diesen Ländereien in und um Regau beerbten die beiden Brüder Adalbert und Gebhard ihren Onkel Wolfker von Poigen-Stein und erhielten dadurch auch reichen Besitz in Niederösterreich südlich der Donau. Nach dem eigentlichen Aussterben der Grafen von Poigen um 1156, besaßen die beiden Brüder bereits Güter im Horner Becken und so nannten sie sich in Folge dessen auch Gebhard von Hohenegg und Albert von Stein.

Als das Geschlecht der Grafen von Rebgau um das Jahr 1188 ausstarb, dürfte ihr gesamter Besitz auf den Landesfürsten Leopold V., den sie als Erben eingesetzt hatten, übergegangen sein. Als Besitznachfolger für Regau sind die Babenberger beurkundet, welche die Regauer Grafen sogar als Progenitores (Vorfahren) bezeichneten, was auf eine mögliche Verwandtschaft schließen würde. Es ist anzunehmen, dass die Babenberger ihr Regauer Erbe großteils weiter verliehen, wobei die Herrscher von Ort wohl die größten Abnehmer dieser Ländereien waren.

[Bearbeiten] Graf Adalbert II. von Rebgau und der Verkauf der Vöcklabrücke

Die Ländereien um Regau hatte der Graf Adalbert II. wahrscheinlich bei der Teilung des Erbes mit seinem Bruder Gebhard erhalten, leider weiß man über sein Leben nur sehr wenig. Fest steht jedoch, dass er im Zeitraum zwischen 1122 und 1160 des Öfteren als Zeuge und Unterfertiger bei Urkunden auftrat. Eine dieser Urkunden beinhaltet den Verkauf der Vöcklabrücke an den Edlen Pilgrim von Weng im Jahre 1134, was somit die erste Erwähnung der Stadt Vöcklabruck bedeutet. Aus diesem Grund feierte die heutige Bezirkshauptstadt im Jahre 1984 ihr 850-jähriges Jubiläum.

Auf Bitten des Abtes Urich II. von Kremsmünster überließ Graf Adalbert II. von Rebgau sechs Huben zwischen dem oberen und unteren Thissenbach bei Viechtwang an das Kloster Kremsmünster. In weitere Folge übergab er dem Kloster zusätzlich zwei weitere Huben in Viechtwang, aber nur unter der Bedingung, dass dort eine Kirche errichtet wird. Der Bau dieser Kirche erfolgte wenig später und sie wurde am 27. Dezember 1159 eingeweiht. Die Söhne des Grafen wollten diese Schenkungen nicht akzeptieren und versuchten sie gewaltsam zurück in ihren Besitz zu bringen. Erst bei einer Entschädigung in der Höhe von fünf Talenten gaben die Brüder ihr Anliegen auf.

Erwähnenswert ist sicherlich auch, dass an der Burg Scharnstein ein Hinweisschild angebracht ist, welches die Grafen von Rebgau als Erbauer der Burg bezeichnet, was wohl auch mit den oben genannten Schenkungen im Zusammenhang steht.

Die auffallende Häufigkeit an frommen Werken der Grafen von Rebgau ist wohl auf die verwandtschaftliche, aber auch freundschaftliche Beziehung zum Markgrafen Leopold III. zurückzuführen. Auch die Tatsache, dass Adalbert II. häufig als Zeuge und Unterfertiger von Urkunden in Erscheinung tritt, ist auf die Verwandtschaft zum Markgrafen zurückzuführen, der in späterer Folge heilig gesprochen wurde und heutzutage der Landespatron von Niederösterreich und Wien ist und lange Zeit Landespatron Oberösterreichs war.

In weiterer Folge bezeugte Adalbert II. mit seinen Brüdern im Jahr 1135 eine Schenkung des Markgrafen nach Aldersbach und trat ein Jahr später als Zeuge beim Stiftungsbrief von Klosterneuburg in Erscheinung. „Weiters fertigte er die Stiftungsurkunde seiner Schwägerin Hildburg, die 1144 nach dem Tod ihres Gatten Gebhard mit ihrem Sohn Hermann das Benediktinerstift St. Lambrecht in Altenburg im Waldviertel gründete.“

Im Jahre 1159 schien Graf Adalbert II. von Rebgau zum letzten Mal urkundlich als Zeuge auf, als Bischof Konrad von Passau die Kirchen St. Ägid und Schöndorf dem Stift St. Florian übergab. Deshalb ist anzunehmen, dass der Graf um 1160 verstorben sein dürfte.

Graf Adalbert II. und seine Gemahlin Gertrud konnten sich über ihre beiden Söhne, Adalbert III. und Gebhard II. freuen. Dennoch waren die beiden Söhne scheinbar mit den frommen Werken ihrer Eltern nicht ganz zufrieden, da sie im Jahre 1160 versuchten, die Schenkungen in Viechtwang rückgängig zu machen. Bezeugt ist eine Wallfahrt von Adalbert III. um 1169 nach St. Gilles in Frankreich, doch dürfte er relativ bald, im Jahre 1173 kinderlos verstorben sein. Sein Bruder Gebhard II. schien im Jahre 1180 bei einer Schenkung des Firtberges in Regau auf, doch auch er blieb kinderlos.

Somit ist anzunehmen, dass die Grafen von Rebgau vermutlich um 1185 ausstarben, denn in diesem Jahr übergab Graf Konrad von Rachiz, welcher als Erbe von Gebhard bezeugt wurde, in Gegenwart des Herzogs Leopold dem Stift Klosterneuburg sein geerbtes Gut in Lehen in Laa. Sicherlich ist das Grafengeschlecht von Rebgau noch vor dem Jahr 1189 ausgestorben, denn „schon am 4. Jänner bezeichnet sich der Babenberger Herzog Leopold von Österreich als Erbe der Grafen Adalbert und Gebhard von Rebgau und ihres Vaters Adalbert.“

[Bearbeiten] Das Wappen der Grafen von Rebgau

Die Geschichte über das Wappen der Grafen von Rebgau-Poigen und vor allem ihr Einfluss auf die Österreichische Nationalflagge sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Der niederösterreichische Historiker Karl Lechner war der Ansicht, dass die Babenberger das Wappen des rot-weiß-roten Bindeschildes vom Geschlecht der Rebgau-Poigen als Landeswappen für Österreich übernommen hatten. Auch wenn diese These als sehr unglaubwürdig erscheint, erwarb Leopold VI. nach dem Aussterben der Grafen ihre Besitzungen und vor allem die Poigenburg Wildberg im Waldviertel. Dort soll sich das Vorbild für das Babenberger Wappen, welches schließlich zum heutigen Landeswappen wurde, auf einem Türstock befinden.

Gegen diese Annahme spricht die Tatsache, dass die Gebäudeteile des Wappenschlosses Wildberg, auf denen die Wappen zu sehen sind, erst in der Renaissancezeit erbaut wurden und zu dieser Zeit die Herren von Puchheim im Besitz der Anlage waren. In der Geschichte Österreichs ist zu lesen, dass das angesprochene Wappen wahrscheinlich die Farben Rot-Gelb-Rot zeigt. Zudem waren Rot und Weiß die byzantinisch-ostösterreichischen Kaiserfarben und da die Babenberger mütterlicherseits aus dem oströmischen Kaiserhaus stammten, ist es eher wahrscheinlich, dass sie dessen Farben, statt die eines verhältnismäßig kleinen Grafengeschlechts, angenommen haben dürften.

Das heutige Wappen der Gemeinde Regau wurde im Jahre 1981 im Zuge eines Wettbewerbes auserwählt. Dieses Wappen ist im Original an der Mauer der Kirche in Regau zu besichtigen und führt auf den Neubau der Kirche im Jahre 1494 zurück. Zudem wurden die Gemeindefarben mit Rot und Gelb festgelegt.

Das Wappen zeigt im goldenen Schildhaupt eine rote Weinrebe mit Blättern, was darauf hinweist, dass in der Vergangenheit Weinbau in Regau betrieben wurde. Darunter befindet sich auf rotem Grund ein geflügelter Schwertarm.

[Bearbeiten] Die Burg der Grafen von Rebgau

Bedauerlicherweise kann man die Existenz einer Burg in Regau sowie deren genauen Standort nicht genau belegen, da es nur sehr wenige Anhaltspunkte gibt. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass es zur Zeit der Grafschaft Rebgau eine Burg in Regau gegeben hat. Ein möglicher Standort für die Burg könnte die kleine Ortschaft Burgstall bei Oberregau gewesen sein, denn nicht nur der Name der Ortschaft, sondern auch ein möglicher unterirdischer Gang von der Burg zur Kirche weisen auf diese Behauptung hin.

Am wahrscheinlichsten ist jedoch die Annahme, dass sich die Burg um die heutige Vituskirche in Oberregau erhoben hatte, da im Jahre 1492 deren Kirchweihe noch Hofkirchweihe hieß und zudem bei Renovierungsarbeiten vor einigen Jahren noch nicht registrierte Mauerreste der alten Burg entdeckt wurden.

Im Jahr 2001 „erhielt die Gemeinde Regau im Zuge der Erstellung des Flächenwidmungsplanes vom Bundesdenkmalamt in Wien ein Schreiben, in dem auf Parzelle 2689, Katastralgemeinde Unterregau, stark zerstörte Reste der Burg Rebgau angeführt wurden. Dieses Grundstück liegt um das Vituskircherl.“

Auf Grund dieses Schreibens dürfte sich die Annahme bestätigt haben, dass es in Regau einmal eine Burg gegeben hat, auch wenn weiterhin keine Einzelheiten über die Burg bekannt sind.

[Bearbeiten] Unterirdische Gänge und Gräberfunde

Da die Berichte über mögliche unterirdische Gänge und Gräberfunde in der Marktgemeinde Regau schon seit geraumer Zeit immer wieder an Aktualität gewinnen, sind diese etwas geheimnisvollen Gänge und Gräber einer genaueren Betrachtung würdig, auch wenn deren Verlauf bzw. Fundstellen heutzutage kaum mehr nachzuvollziehen sind.

Einer dieser Gänge soll im Zusammenhang mit dem Rätsel über die Burg von Rebgau der Sage nach von der Kirche in Oberregau nach Burgstall geführt haben. Ebenso wird von einem weiteren Gang Richtung Kirche berichtet, der beim „Aichmayrhaus in Schalchham Nr. 24“ seinen Ausgangspunkt haben soll.

Zusätzliche Gänge und unterirdische Höhlen sollen unter dem Bauernhaus Kropf in Hinterbuch vor langer Zeit aufgedeckt worden sein und in einem Schweinestall in Unterkriech brach im Februar des Jahres 1960 im Boden ein 5×5 Meter großes Loch ein. Dieser Einbruch wurde in weiterer Folge von einem Geologen untersucht, wobei es sich bei diesem Loch um einen Erdstall handeln könnte. Eine ähnliche Grube kam in Schacha zum Vorschein, als bei der Familie Reither bei Baggerarbeiten das Erdreich in einen Hohlraum einbrach. Ein weiterer unterirdischer Gang zwischen zwei Bauernhäusern wurde in der Ortschaft Himmelreich vermutet.

Neben diesen zahlreichen unterirdischen Gängen wurde in den Jahren 1931 und 1932 im Zuge der Umlegung des Schalchhamerberges ein gemauerter Schacht mit menschlichem Gerippe freigelegt, welches jedoch in die Dammschüttung geleert wurde, um die Bauarbeiten nicht unnötig aufzuhalten. „Ein wichtiger Bodenfund wurde so der Begutachtung und Datierung durch Fachleute entzogen. Das heutige Wegkreuz Schalchham wurde wohl anlässlich dieses Grabfundes errichtet.“

Weiters berichtet man um das Jahr 1922 von zwei beigabenlosen Körpergräbern im Gemeindegebiet und zwei weitere Gräber wurden dreißig Jahre später in Schalchham entdeckt. In der Ortschaft Wankham kamen 1953 bei der Sägemühle Stögmüller bei Bauarbeiten beigabenlose Körpergräber zu Tage, wobei der Anrainer auch von weiteren Funden aus den Jahren 1920 und 1940 zu erzählen wusste. Die Gräber befanden sich in einer Tiefe von ca. 40 cm und wurden mit dem Aushubmaterial wieder aufgeschüttet.

[Bearbeiten] Das Amt Regauische Aigen im ausgehenden Mittelalter

[Bearbeiten] Die Regauischen Aigen

Nach dem Aussterben der Grafen von Rebgau gehörte, wie schon erwähnt, der Distrikt Regau dem Landesfürsten, der wiederum diese Besitzungen mit großer Wahrscheinlichkeit an die Herrschaft Ort bei Gmunden weiter verlieh. In späterer Folge übernahmen die Herren von Wallersee den Besitz Ort von 1344 bis 1483 n. Chr. und somit ist anzunehmen, dass auch Regau zu ihren Besitztümern gehörte.

Als am 20. August des Jahres 1456 die [wallsee]ischen Güter geteilt wurden, erhielt ein gewisser Wolfgang von Wallsee das Amt Regauisch-Aigen. Zudem kann man aus den Mattseer Urkunden entnehmen, dass sich in den Jahren 1362, 1375 und 1380 auch freie Regauische Aigen-Güter in den Orten Bierbaum, Airzelten und Mösendorf befanden. Im Großen und Ganzen waren die Regauischen Aigen in die drei Ämter Galtenbrunn (bei Vöcklabruck), Ramtesberg (Ungenach) und Oberregau eingeteilt.

„Zur Einhebung der Giebigkeiten an die Grundherren hatte jede Herrschaft aus einer bestimmten Anzahl untertäniger Güter je ein Amt, welchem ein Amtmann vorgesetzt war, der zugleich die Stelle eines Gerichtsfrons zu vertreten hatte.“ Dieser Amtmann wurde für seine Tätigkeiten meist mit Geldern oder Ländereien belohnt. Die erwähnten Giebigkeiten konnten zum einen Naturalleistungen, wie zum Beispiel Nahrungsmittel oder Genussmittel, aber auch persönliche Leistungen sein. Je nach Gegebenheit und nach dem Maße der persönlichen Unfreiheit richtete sich die Höhe der einzelnen Leistungen, wobei die so genannten Aigen meist weit geringer belegt waren als die eigentlichen Untertanen.

Verwaltet wurden diese Regauischen Aigen mit großer Wahrscheinlichkeit vom Landschreiberamt zu Enns und im Jahre 1361 wird Hildebrand von Albrechtsheim als Regauischer Aigen Richter genannt. In späterer Folge erscheint am 22. Jänner 1380 der Landrichter ob der Enns Ludwig von Neundling als „Verweser Regeyscher Eigen“.

Grundsätzlich wurden Verbrecher nach der „Ehaft Thätung“ nicht vom Landgericht, sondern vom jeweiligen Amtmann behandelt und wurden in weiterer Folge an das kaiserliche Vizedomamt zur rechtlichen Exekutierung nach Linz überstellt. „Die Gerichtsversammlung wurde nach dem „Ehaft Thätung der Regerischen Aigen“ jährlich am ersten Mittwoch nach Aegidius bei der St. Veitskirche in Oberregau gehalten, woran heute jede Erinnerung verloschen ist.“ Das Amt der Regauischen Aigen blieb bis zum Jahr 1850 bestehen und war ein bis zu diesem Zeitpunkt dem Landesherrn direkt unterstelltes Landesgericht.

Im Zuge eines Befehles von Maria Theresia, alle vizedomischen Besitzungen zu veräußern oder zu verpachten, wurde das Regauer Amt am 7. April 1755 vom Graf Reinhold von Andlern, der zugleich Präsident der k.k. Repräsentation war, käuflich erworben. Später fielen die Ländereien zuerst an den Stadtrichter von Vöcklabruck, Georg Hörlesberger, und im Jahre 1767 an Ludwig von Frey.

[Bearbeiten] Die Hofmark Reger

Das Camerische Landesgericht bezeichnete in der Grenzbeschreibung vom 17. Dezember 1581 die Ortschaft Regau als eine Hofmark. Auch im Grundbuch der Herrschaft von Puchheim sprach man von einer „Hoffmarch Reeger“ , welche als eine „uralt befreyte Hoffmarch“ beschrieben worden war. Zudem hatten die Reegerer nach diesem Urbar das Recht, Verbrecher selbst zu arrestieren, wobei jedoch zur Aburteilung die betreffenden Malefiz-Personen der Herrschaft Puchheim zu Rate gezogen wurden.

Erwähnt wird die Hofmark Reger auch im Zusammenhang mit dem Geschlecht der Polheimer, welches im Jahre 1581 mit Stolz ihre drei Hofmarken Unterregau, Timelkam und Puchkirchen als Enklaven im Landgericht Kammer erwähnte.

Aus diesen Informationen lässt sich somit sagen, dass sowohl das Amt Regauische Aigen, als auch die „Hoffmarch Reeger“ in der damaligen Zeit durchaus von großer Bedeutung waren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Amt Regauische Aigen bis ins frühe 19. Jahrhundert sein langes Bestehen feiern durfte.

[Bearbeiten] Soziale Unruhen zur Zeit der Reformation

[Bearbeiten] Die Bauernaufstände

Als im 15. Jahrhundert die Adeligen versuchten, ihre Untertanen immer mehr auszubeuten, hatte dies zur Folge, dass die Steuerlast der landesfürstlichen Untertanen größer war als die des Adels. Die großteils bäuerlich dominierte Bevölkerung klagte schon lange unter diesem unleidigen Druck ihres Grundherrn und begann nun auch ihre Unzufriedenheit öffentlich kund zu tun. So erschien im Jahr 1525 eine Gruppe von 500 Bäurinnen und Bauern in der Stadt Vöcklabruck und versuchte lautstark die Bürger der Stadt von ihren Absichten zu überzeugen, um ein Bündnis gegen den Adel einzugehen. Die Bürgerschaft ließ sich hingegen nicht überzeugen und die aufständischen Bauern wurden unterworfen und verhaftet. Damit war die Ursache der Unzufriedenheit natürlich keineswegs beseitigt und glomm sie im Stillen fort. Als in späterer Folge die Religionsbeschwerden an Aktualität gewannen, fand diese Unzufriedenheit weiteren Nährboden und drückte sich mit dem Übertritt des Großteils der hiesigen Bevölkerung zur Lehre Luthers aus.

Im Jahre 1626 tobte die Bauernschlacht bei Pinsdorf. Mehr als 6000 lutherische Bauern kämpften mehrere Stunden lang erbittert gegen die Truppen des Grafen Heinrich von Pappenberg. Doch die Bauern waren trotz ihres Willens und ihres Mutes unterlegen und so wurden tausende Männer erschlagen und zu „Bauernhügeln“ getürmt. Die Überlebenden konnten großteils in Richtung Rutzenmoos und Vöcklabruck fliehen.

[Bearbeiten] Der Geheimprotestantismus

Nachdem der Bauernkrieg beendet wurde, begann vor allem in der Region um Rutzenmoos der Geheimprotestantismus, der über 100 Jahre andauerte. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurden die Maßregelungen für die Ausrottung des Protestantismus nicht allzu streng angewendet. Nach dem Ende des Krieges wurde das Reformationsgeschehen mit ganzer Härte fortgesetzt und dennoch hielten die Geheimprotestanten am lutherischen Glauben fest.

Gerade aus der Region um Regau war bekannt, dass sich dort vermehrt heimliche Anhänger des Protestantismus befanden und sogar manchmal in der Grafschaft Ortenburg bei Passau an lutherischen Gottesdiensten teilnahmen. Aus diesem Grund wurde Regau vom Passauer Bischof, Graf Josef Dominicus von Lamberg, beschuldigt, nicht hart genug gegen die Protestanten vorzugehen. So begab er sich im Jahre 1732 höchst persönlich zur Visitation nach Regau, wo er feststellen musste, dass sein Vortrag nur wenig Interesse fand.

Im Juni des Jahres 1752 wurden die Hauptverfechter des lutherischen Glaubens gegen ihren Willen nach Siebenbürgen übersiedelt, wobei die Zahl dieser zwischen den Jahren 1752 bis 1755 ausgemusterten Personen auf ungefähr 50 geschätzt wird.

Besonders zu dieser Zeit, aber auch in den darauf folgenden Jahrzehnten, waren Streitigkeiten in Regau zwischen den beiden Religionsbekenntnissen leider keine Seltenheit. Aus diesem Grund bemühen sich heute die beiden Pfarrgemeinden, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nicht das Trennende sondern das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.

[Bearbeiten] Die Entstehung der Pfarrgemeinden in Regau

[Bearbeiten] Die Evangelische Pfarrgemeinde Rutzenmoos

Als Kaiser Josef II. am 13. Oktober 1781 das Toleranzpatent erließ, wurde allen Angehörigen der verschiedenen Konfessionen die Gleichberechtigung gewährt. Nach einem Rundschreiben im Jahr 1782 der k.k. Kreishauptmannschaft sollten die AkatholikInnen, wie die ProtestantInnen zu dieser Zeit genannt wurden, unserer Region selbst entscheiden, ob sie sich dem Bethaus in Goisern, Wels oder Wallern anschließen wollten.

Offenbar hielt man es für unmöglich, dass die nach dem Toleranzpatent nötige Zahl von 500 Personen oder 100 Familien für die Errichtung eines neuen Bethauses erreicht werden könnte. Völlig überraschend trugen sich innerhalb kürzester Zeit 536 Personen bei den Behörden ein, womit im August 1782 die Regierungsbewilligung zur Gründung der Gemeinde Pilling erfolgte.

Um die benötigten Kosten für die Errichtung eines Bethauses und die Anstellung eines Pastors zu decken, führte man noch im selben Monat eine groß angelegte Haussammlung durch, wobei die lange Liste der Spender mit der Anzahl der bisherigen GeheimprotestantInnen gleichzusetzen wäre.

In Folge dessen fand am 1. Dezember 1782 der erste Gottesdienst im Nömerhaus in Pilling Nr. 4 statt und als erster Pastor wurde Johann Gottlieb Tritschler eingestellt. Im Februar des darauf folgenden Jahres übernimmt die Pfarrgemeinde offiziell den Namen Rutzenmoos.

Infolge dieser Entwicklungen traten viele Einwohner offen zum Protestantismus über. Diese zum Übertritt angemeldeten Personen ließen sich auch nicht von einem sechswöchigen Unterricht im katholischen Glauben umstimmen, welcher vom Hofdekret eingeführt wurde. Auch wenn die Durchführung dieses Unterrichts sehr teuer und aufwendig war, hatte er nicht im Geringsten den erhofften Erfolg.

Neben der Gründung der Pfarrgemeinde Vöcklabruck im Jahre 1869 gingen zahlreiche weitere Pfarrgemeindegründungen von Rutzenmoos aus. So wurden neben den Gemeinden Attersee, Gmunden, Braunau und Lenzing-Kammer, auch Schärding und Schwanenstadt gegründet. Anhand dieser Fakten können die große Bedeutung und der Einfluss der Pfarrgemeinde Rutzenmoos auf unsere Region erkannt werden.

Diese Umstände haben auch dazu beigetragen, dass in der alten Volksschule Rutzenmoos das Evangelische Museum Oberösterreich eingerichtet und in Folge dessen am 16. Juni 2000 eröffnet wurde. Im Jahre 1960 wurde der Rutzenmooser Posaunenchor gegründet, dessen Musiker seither für die musikalische Gestaltung in der Pfarrgemeinde sorgen. Zwei Jahre später konnte der neue Gemeindesaal als Jugendheim eingeweiht werden, wobei er 1999 als Gemeindezentrum erweitert wurde.

Heute erstreckt sich die Pfarrgemeinde Rutzenmoos weit über die Gemeindegrenzen von Regau hinaus und besitzt zudem eine Predigtstelle in Attnang.

Ein Überblick über die baugeschichtliche Entwicklung der Evangelischen Pfarre Rutzenmoos:

  • 1782: Der Anfang im Nömerhaus in Pilling
  • 1783: Erstes Toleranzhaus
  • 1837: Erweitertes Toleranzhaus
  • 1839: Schulhaus
  • 1864: Turm
  • 1865: Umbau des Bethauses zur ersten Kirche
  • 1888: Heutige Kirche
  • 1902: Pfarrhof
  • 1905: Erweiterung der Schule

[Bearbeiten] Die römisch-katholische Pfarrgemeinde Regau

Obwohl bereits im Jahr 1390 von einer „Regauer Pfarr“ und wenig später von der „Niederregauer Pfarre“ die Rede war, gehörte das Pfarrgebiet Regau schon immer zur Pfarre Schöndorf. Nachdem 1732 der Passauer Bischof eine Lokalkaplanei errichten ließ, wohnte in Regau ein Priester. Ab dem Jahre 1745 bemühte sich die Gemeinde Regau um eine selbstständige Pfarre. Im Zuge der Verordnung um 1750 von Kaiserin Maria Theresia, im ganzen Land Missionsstationen zu errichten, übernahmen im Jahre 1752 zwei Kapuzinerpater und ein Laienfrater aus Gmunden die Mission in Regau.

Erst im Jahre 1778 wurde ein Lokalkaplan namens Matthias Mödlhammer vom Stift. St. Florian geschickt, jedoch wurden die Tauf-, Hochzeits- und Sterbebücher weiterhin in Vöcklabruck geführt. Zu dieser Zeit wurden in einem Verzeichnis 434 katholische Familien mit 2190 Personen und 185 Anhänger des Protestantismus genannt. Im Jahre 1786 waren 1900 Katholiken und etwa 300 Evangelische zu verzeichnen.

Seit der Gründung der evangelischen Pfarrgemeinde Rutzenmoos im Jahre 1782 beklagte die katholische Seite, im Gegensatz zu Rutzenmoos keine selbstständige Pfarre zu besitzen. In späterer Folge übernahm im Jahr 1784 der Theologieprofessor Dr. Franz Freindaller die Seelensorge in Regau und da ab Mai desselben Jahres Matrikenbücher geführt wurden, gilt dieses Jahr auch als das Gründungsjahr der Pfarre Regau. Höchst wahrscheinlich ist die Tatsache, dass sich die Gemeinde Regau gleichzeitig mit Attnang, Oberthalheim und Desselbrunn von der Mutterpfarre Schöndorf loslöste, wobei sie selbst im Jahre 1968 Gebiete an die Pfarre Maria Puchheim abtreten musste.

Zur Pfarre Regau gehören zum einen die Kirche in Regau, welche wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut worden ist und zum anderen das Vituskircherl in Oberregau, dessen genauer Ursprung leider im Dunkeln liegt, obwohl es eine Sage über die Entstehung dieser idyllischen Kirche gibt. Ebenso gehört der Pfarre das Pfarrheim, welches 1953 unter Kaplan Josef Friesenecker als Jugendheim errichtet wurde. Im Jahre 1952 wurde ein neuer Friedhof außerhalb des Ortkerns angelegt, wobei der alte Friedhof im Zuge von Außengestaltungsaktivitäten an der Kirche aufgelassen wurde.

Da die Pfarrgemeinde Regau im Augustiner-Chorherrenstift St.Florian inkorporiert ist, bezieht die Gemeinde auch von dort ihre Priester.

[Bearbeiten] Die Franzosenkriege

[Bearbeiten] Die Feldzüge

Nachdem Frankreich die zahlreichen Unruhen im eigenen Land überstanden hatte, begann man gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit der Rekrutierung einer neuen Armee, an deren Spitze der damalige General und spätere Konsul Napoleon Bonaparte stand. Diese französischen Truppen konnten sich vor allem durch ihren Elan, ihre Ausrüstung und durch neuartige Kriegsführung gegen die meist sehr abgekämpften und konservativ geführten Heere ihrer Gegner durchsetzen. Anhand dieser Umstände hatte der Konsul Napoleon das Ziel, ganz Europa der „Grande Nation“ zu Füßen zu legen.

In Folge dieser Kriegsgeschehnisse überschritten die Franzosen die Grenzen des heutigen Österreichs in den Jahren 1800, 1805 und 1809, wobei Regau am 18. Dezember 1800 Schauplatz einer Schlacht wurde. Die österreichischen Truppen erwarteten den Feind mit drei Regimenten Kavallerie und zwei Regimenten Infanterie und doch konnten sie den Feinden nichts entgegensetzen. So wurden insgesamt drei Generäle und 5000 Mann gefangen genommen.

In den darauf folgenden Jahren litt das Land durch die ständigen Durchmärsche der Truppen, welche das Land plünderten und erpressten. So stiegen die Preise für Lebensmittel und es brach ein großes Elend in der Bevölkerung aus. Die nun mehr selten ausreichend vorhandenen Nahrungsmittel und der Kummer lösten Krankheiten aus, die viele Menschenopfer mit sich brachten.

Als im Jahre 1809 der 3. Franzoseneinfall vorüber ging, kam das Hausruckviertel bis 1816 an Bayern, wobei Regau ein Bestandteil Österreichs blieb. Die damalige Staatsgrenze war mit der Ager festgelegt und so wurde bei der Agerbrücke ein Mauthaus eingerichtet.

[Bearbeiten] Die Bürgerwehr

Um die Regauer vor den marodierenden Franzosen in unserer Region zu schützen, wurde während der Kriegsjahre eine Landwehr eingerichtet. Im Jahre 1827 gab ein gewisser Jakob Fleischanderl die Anregung, diese Landwehr in eine Bürgergarde umzugestalten. Ihre Aufgabe sollte es sein, die Kameradschaft zu pflegen, die Feste zu verschönern und friedlichen Zwecken nachzugehen. So galt das Jahr 1827 auch als das Gründungsjahr der Uniformierten Bürgerkorps Regau, wobei sie zwei Jahre danach zum ersten Mal mit der typischen Uniform, wie sie an die Franzosenzeit erinnert, beim Fronleichnamsfest aufzog. Zudem wurde bereits im Jahre 1817 die Bürgerkapelle Regau gegründet und so nehmen diese beiden Vereine als Kulturträger eine wesentliche Rolle in Regau ein.

[Bearbeiten] Die Errichtung der Gemeinde Regau

Als im Jahr 1850 eine grundlegende Neuordnung der verwaltungsrechtlichen und politischen Einteilung in Österreich durchgeführt wurde, wurden in Folge dessen Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden errichtet. „Als Grundlage für diese Neueinteilung dienten die Katastral- (Steuer-) Gemeinden. Jede dieser Katastralgemeinden hatte einen Ausschuss zu wählen und sich damit als politische Gemeinde zu konstituieren.“

Kurz nach dieser Konstituierung erklärten die Katastralgemeinden Rutzenmoos, Oberkriech und Neudorf vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, sich an die Gemeinde Regau anzuschließen. Zudem gab es besonders in Regau die Bestrebungen, auch die Katastralgemeinde Wagrain und somit die Ortschaften Schalchham, Lixlau, Oberregau, Lahn, Roith und Schöndorf zu einer politischen Gemeinde verschmelzen zu lassen.

Als leitende Personen in diesem Prozess traten ein gewisser Herr Schneider von Regau und Jakob Leitner aus Schalchham hervor. Sowohl die Bezirkshauptmannschaft, als auch der damalige Stadtpfarrer und alle anderen tonangebenden Persönlichkeiten von Vöcklabruck versuchten vergeblich, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Unter geschickter Leitung von Schneider wurden die oben genannten Gebiete in die Gemeinde Regau eingegliedert. In diesem Gebilde wohnten bereits zu dieser Zeit 3647 Einwohner und somit war die Gemeinde Regau die weitaus größte im Bezirk Vöcklabruck. Die Gemeinde Vöcklabruck hingegen wurde nunmehr auf die Stadt beschränkt und zählte lediglich 1332 Einwohner.

Noch im Jahre 1850 wurde die durch öffentliche Wahlen gewählte Gemeindevertretung der Gemeinde Regau konstituiert.

Das neue Gemeindegebiet war im Norden von den Gemeinden Vöcklabruck, Ungenach und Pilsbach, im Osten von Attnang, Desselbrunn und Ohlsdorf, und im Süden von den Gemeinden Schörfling, Timelkam und wiederum Vöcklabruck begrenzt. Die daraus resultierende Fläche der Ortsgemeinde betrug insgesamt 4424 ha und umfasste die fünf Katastralgemeinden mit ihren 47 Ortschaften.

Durch den Verlauf der Grenzen zwischen Regau und Vöcklabruck ergaben sich in Folge viele Berührungspunkte, vor allem was die großteils gemeinsamen Schul- und Pfarrsprengel betraf. Das bedeutendste Gebiet für Regau war vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht die Katastralgemeinde Wagrain. Daher ist es umso verständlicher, dass die Stadt Vöcklabruck, die zudem von drei Seiten vom Regauer Gemeindegebiet eingeschlossen war, immer schon versuchte dieses Gebiet für sich zu sichern.

[Bearbeiten] Die Gemeinde Regau während des Ersten Weltkrieges

[Bearbeiten] Die Auswirkungen des Krieges

Am Freitag dem 31. Juli 1914 wurde in Regau durch Gemeindeboten die Anordnung der allgemeinen Mobilisierung bekannt gegeben. Der Erste Weltkrieg war ausgebrochen. Unter der Bevölkerung rief dies große Aufregung hervor. Bereits am nächsten Tag mussten 400 Männer nach einer kirchlichen Ansprache des Pfarrers von ihren Angehörigen Abschied nehmen. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Mehl, Brot und Getreide auch während des Krieges aufrecht zu erhalten, wurden so genannte Brot- und Mehlkarten eingeführt.

„Am 24. Mai 1915 wurde im Schulhaus von Regau eine Marschkompanie Tiroler Kaiserjäger in der Stärke von 240 Mann einquartiert.“ So glich das Schulhaus für drei Wochen einer Kaserne, bis die Soldaten dem Feind entgegen marschierten und Regau mit Blumen geschmückten Uniformen verließen.

Im Juni 1915 wurde eine groß angelegte Metallsammlung in der Gemeinde Regau durchgeführt, wobei vom Turm der Pfarrkirche Regau drei Glocken an das Kriegsministerium abgeliefert werden mussten.

[Bearbeiten] Das Kriegerdenkmal

Um den Opfern dieses Krieges zu gedenken, errichtete man am Dorfplatz von Regau ein Kriegerdenkmal, in welchem die Namen aller Kriegsopfer der Gemeinde Regau eingraviert wurden. Ursprünglich schätze man die Opferanzahl auf etwa 80 Tote, jedoch ergab eine Erhebung des damaligen Denkmalausschusses, dass die Opferliste auf 131 Personen anstieg.

[Bearbeiten] Regau zur Zeit des Nationalsozialismus

[Bearbeiten] Der Nationalsozialismus in Regau

Bereits in den 1930er Jahren beklagte sich die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, dass das Bemalen von Gebäuden mit Hakenkreuzen in Regau immer größere Ausmaße erreichte. Aus diesem Grund sahen sich die Behörden gezwungen, aus den Kreisen der bekannten nationalsozialistischen Parteianhänger so genannte Putzscharen aufzustellen, um die Mauern wieder zu reinigen.

Als im Jahre 1938 der Führer der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands Adolf Hitler in Österreich mit seinen Truppen einmarschierte, bedeutete dies für die Gemeinde Regau, welche ab diesem Zeitpunkt zum "Gau Oberdonau" angehörte, nicht nur grundlegende politische Umwälzungen, sondern auch massive Einschnitte in das Gemeindegebiet.

[Bearbeiten] Die Grenzanpassung an Vöcklabruck

Denn am 25. Mai 1938 schrieb der Vöcklabrucker Bürgermeister an den Regauer Bürgermeister Karl Schwarzäugl folgenden Text:

Der Stadtgemeinde Vöcklabruck wird als künftiger Kreisstadt und als Wirtschaftszentrum des großen politischen Bezirkes Vöcklabruck unter der nationalsozialistischen Führung eine Aufgabe zufallen, die über den gewöhnlichen Wirkungskreis einer Gemeinde weit hinausgeht. Zur Erfüllung dieser Aufgaben muss nun ernsthaft darangegangen werden, das unnatürlich kleine Gebiet der Stadtgemeinde Vöcklabruck entsprechend zu vergrößern.

Am 17. Juni 1938 wurde eine Vereinbarung über die Eingemeindung von Gebietsteilen der Ortsgemeinde Regau in das Gebiet der Stadtgemeinde Vöcklabruck zwischen den beiden Bürgermeistern vereinbart und mit der Genehmigung des damaligen Gauleiters der NSDAP und Landeshauptmannes August Eigruber beschlossen. In Folge dessen trat die Gemeinde Regau die Gebietsteile freiwillig ab und erhielt von Vöcklabruck 20% der jeweiligen Lohnabgaben der Eternitwerke.

Zu diesem Anlass hielt der Bürgermeister Schwarzäugl eine Ansprache, welche in einem Beratungsprotokoll der Gemeinde Regau vom 2. Februar 1939 festgehalten wurde:

…Eine große Entscheidung wurde in der Eingemeindungsangelegenheit gestellt. Dass das links der Ager gelegene Gemeindegebiet der Gemeinde Regau nach Vöcklabruck eingemeindet wurde, war unaufhaltsam. Hätte die Gemeinde Regau nicht freiwillig zugestimmt, so wäre die Entscheidung vom Gauleiter im Sinne unserer Zustimmung erfolgt. Infolge der Gesetzesänderung in steuerrechtlicher Hinsicht erleidet die Gemeinde Regau in ihren Einnahmen durch den Verlust des Hatschekwerkes keinen wesentlichen Ausfall. Ich bitte daher in dieser Hinsicht die Bevölkerung bei erwiesener Notwendigkeit aufklären zu wollen…

Anhand dieses Beschlusses wurden der Stadtgemeinde Vöcklabruck mit dem 1. Jänner 1939 folgende elf Regauer Ortschaften einverleibt: Buchleithen, Dörfl, Freileithen, Haselberg, Kalchofen, Oberhaus, Pfarrhofgries, Schöndorf, Vornbuch, Wagrain und Ziegelwies. Zusammen mit diesen Ortschaften gingen der Gemeinde Regau zahlreiche bedeutende Firmen und Gebäude wie z.B. die Kirche zu Maria Schöndorf, der Bahnhof oder das Schloss Wagrain verloren.

„Während des zweiten Weltkrieges fielen im Gemeindegebiet über 100 Bomben, wobei die Ortschaften Lixlau und Zaißing besonders betroffen gewesen sein sollen.“ Nach dem schrecklichen Weltkrieg kamen zahlreiche Flüchtlinge wie die Donauschwaben, Sudetendeutschen oder Siebenbürger in das Gemeindegebiet, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Diese Vertriebenen fanden in Regau ihre neue Heimat und trugen einen wesentlichen Teil zum Wiederaufbau der Gemeinde bei.

Im Jahre 1954 wurde zum Gedenken der Kriegsopfer der Kriegergedächtnisbrunnen errichtet, der ein Mahnmal zum Frieden sein und bleiben möge. Auch dieses Denkmal listet die Namen der Gefallenen Bürger auf. Durch die Umbauarbeiten am Marktplatz anlässlich der Feierlichkeiten um die Jahrtausendwende wurde das Denkmal versetzt und umgestaltet, heute ziert kein Brunnen mehr den Marktplatz, die restlichen Bauteile blieben erhalten.

[Bearbeiten] Regau in der Moderne

[Bearbeiten] Die Markterhebung 2000

Ein besonderer Meilenstein in der Geschichte von Regau wurde durch die Erhebung zur Marktgemeinde gesetzt. „Aufgrund der besonderen historischen und wirtschaftlichen Bedeutung unserer Gemeinde fasste die oberösterreichische Landesregierung am 6. März 2000 den Beschluss, Regau zur Marktgemeinde zu erheben.“

Die Urkundenüberreichung durch den Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer erfolgte am 17. September 2000 im Rahmen eines Festaktes; eine weitere Feierlichkeit fand im darauffolgenden Mai statt, als man das 1200-Jahr-Jubiläum zelebrierte.

[Bearbeiten] Aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren durfte sich die Marktgemeinde Regau über einen kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs erfreuen und zählt nunmehr rund 6000 EinwohnerInnen. Dabei erfreut sich die Gemeinde vor allem über den Zuzug von Jungfamilien. Neben der Entwicklung als Wohngemeinde, blüht die Marktgemeinde auch als Wirtschaftsstandort auf, was durch den aktuellen Bau des "Starmovie" Entertainmentcenters und des "Bellaflora" Planzenmarktes unter Beweis gestellt wurde.

[Bearbeiten] Quellenverzeichnis

[Bearbeiten] Primärliteratur

  • Schachinger, Richard: Die geschichtliche Entwicklung der Marktgemeinde Regau. 2004

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

  • Walter Bachran, Thomas Fischer, Fritz Koller: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488 – 788. 1. Auflage. Herausgegeben von Hermann Dannheimer und Heinz Dopsch. – München, Salzburg : Überreuter 1988.
  • Walter Kleindel: Österreich Chronik. Daten zur Geschichte und Kultur. Wien: Überreuter 1978.
  • Rudolf Lehr: Landeschronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. 1. Auflage. – Wien, Linz: Christian Brandstätter Verlag 1987.
  • Franz Leitner: 200 Jahre Pfarre Regau. – Vöcklabruck
  • Alois Obermüller: Chronik von Regau I. – Regau: 1778.
  • Friedrich Pisar: Der Bezirk Vöcklabruck. Eine Zusammenschau. - Linz: Rudolf Trauner Verlag 1981. ISBN 3-85320-224-1
  • Inge Resch-Rauter: Unser keltisches Erbe. Flurnamen, Sagen, Märchen und Brauchtum in der Vergangenheit. 3. Auflage. – Wien: 1998. ISBN 3-9500167-0-8
  • Franz Satzinger: Die Vöcklabrucker Wappentürme. Herausgegeben von der Stadtgemeinde Vöcklabruck. – Vöcklabruck: Kilian Verlag 2003. ISBN 3-901745-07-6
  • Anton Schindlbauer: Chronik von Regau. – Regau: Gemeinde Regau 1928-1930.
  • Gerhard Stenzel: Von Stadt zu Stadt in Österreich. – Wien: Verlag Kremayr & Scheriau 1979. ISBN 3-218-00327-X
  • Gerhard Stenzel: Von Stift zu Stift in Österreich. – Wien: Verlag Kremayr & Scheriau 1977. ISBN 3-218-00298-2
  • Stefan Urich: 1200 Jahre Regau. Festschrift. Herausgegeben von der Marktgemeinde Regau. - Regau: Marktgemeinde Regau 2001.
  • Alois Zauner: Vöcklabruck und der Attergau. Stadt und Grundherrschaft in Oberösterreich bis 1620. Herausgegeben vom Oberösterreichischen Landesarchiv und von der Stadtgemeinde Vöcklabruck. – Linz: Hermann Böhlaus 1971. ISBN 3-205-01111-2

[Bearbeiten] Weblink

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