Dominikus Böhm
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Dominikus Böhm (* 23. Oktober 1880 in Jettingen; † 6. August 1955 in Köln) war ein deutscher Architekt und bedeutender Kirchenbauer des 20. Jahrhunderts.
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[Bearbeiten] Leben

Böhm entstammte einer Familie von Baumeistern aus dem schwäbisch-bayrischen Raum. Auch sein Sohn Gottfried Böhm ist Architekt, Hochschullehrer und Pritzker-Preis-Träger (* 1920). Böhm lernte an der Baugewerkschule Augsburg (Vorgängerin der heutigen Fachhochschule Augsburg) und studierte später Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart unter Theodor Fischer. Später lehrte er in Bingen und der heutigen HfG Offenbach, bevor er 1926 eine Professur an der Kölner Werkschule, die in die Fachhochschule Köln aufgingen, erhielt. In Offenbach arbeitete er zusammen mit dem Architekten Rudolf Schwarz in einem gemeinsamen Atelier.
Am bekanntesten ist Dominikus Böhm für seine Bauten für die katholische Kirche. Jedoch hatte er nach vielzähligen unrealisierten Entwürfen erst im Alter von 40 Jahren die Möglichkeit, seine erste kleinere Kirche in Offenbach zu erstellen. Seitdem konnte er neben einigen Profanbauten vor allem unzählige Kirchen im Rheinland, im Ruhrgebiet aber auch in Holland und sogar in Südamerika bauen. Von heutigem Standpunkt aus gesehen, haben die meisten der damals als aufregend geltenden Kirchen eher eine karge Wirkung. Sein Verdienst ist es, der Forderung des zweiten Vatikanischen Konzils nach einer intensiven Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst im Kirchenbau Form gegeben zu haben. Die von Böhm für eine neue, auf die Gemeinschaft konzentrierte Liturgie, entwickelten Raumkompositionen wurden als besondere Leistung auf dem Weg zum neuen Kirchenbau wahrgenommen. Seine Kirchen sind durch eine einfache Monumentalität und vor allem eine neue Betonung des Chorraums als Mittelpunkt der Gemeinde gekennzeichnet. In der Zeit einer in Entwicklung befindlichen Moderne, die das Bauen aus ökonomischen, funktionalen und konstruktiven Gedanken definierte, bewahrte Böhm neben diesen Anforderungen immer auch den baulichen Ausdruck als eine beherrschende Aufgabe.
Auch die Glasmalerei zählte zu seinen Leidenschaften. So entwarf er die Kirchenfenster für die 1952 erbaute Heilig-Geist-Kirche in Braunschweig-Lehndorf. Zudem war er auch als Musiker und Komponist tätig und komponierte zahlreiche Lieder und geistliche Musik. Der postmoderne Architekt Heinz Bienefeld begann seine Laufbahn als Assistent von Dominikus Böhm.
Sein Nachlass wird, so wie der seines Sohnes, im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main, aufbewahrt.
[Bearbeiten] Bauten
- Abtei St. Benedikt, Vaals, erbaut 1921-23
- Pfarrkirche St. Johann Baptist, Neu-Ulm, erbaut 1921-26
- St. Peter und Paul, Karlstein am Main-Dettingen, erbaut 1923, ausgemalt mit expressionistischen Fresken des Künstlers Reinhold Ewald
- Christkönigskirche, Bischofsheim, erbaut 1926
- Pfarrkirche St. Apollinaris, Lindlar-Frielingsdorf, erbaut 1926-27
- St. Kamillus Asthmakrankenhaus mit Kirche und Kloster, Mönchengladbach-Dahl, 1926-28 erbaut
- Christus-König-Kirche, Leverkusen, erbaut 1927-28
- Erweiterung des Herz-Jesu Krankenhauses, Lindlar, erbaut 1928
- Pfarrkirche Mariä Verkündigung, Jettingen-Scheppach, erbaut 1928-29
- St. Elisabeth, Köln, erbaut 1928-32
- Kolpinghaus - Generalsekretariat des katholischen Gesellenvereins Köln, Köln, erbaut 1929
- Priesterseminar, Limburg an der Lahn, erbaut 1929
- Vorplatzgestaltung von St. Elisabeth, Hagen, erbaut 1929
- Sparkasse und Provinzialbank, Hindenburg, erbaut 1929
- St. Josefskirche, Hindenburg, erbaut 1929-30
- Pfarrkirche St. Elisabeth, Birken-Honigsessen, erbaut 1929-30
- Papierfabrik Zanders, Bergisch Gladbach, erbaut 1930
- Pfarrkirche St. Franziskus, Mönchengladbach-Rheydt-Geneicken, erbaut 1930
- Pfarrkirche St. Engelbert, Köln-Riehl, erbaut 1930
- Kirche Maria Himmelfahrt, Bad Marienberg (Westerwald), erbaut 1931
- Katholische Kirche, Norderney, erbaut 1931
- Haus des Architekten, Köln, erbaut 1931-32
- Heilig-Kreuz-Kirche, Osnabrück, erbaut 1932
- St. Marienkirche, Nordhorn, erbaut 1935
- Pfarrkirche St. Engelbert, Essen, erbaut 1935, Wiederaufbau 1954
- St. Josef-Kirche, Lingen (Ems), erbaut 1935-37
- Pfarrkirche Kirche Herz-Jesu, Bremen, erbaut 1935-38
- Christus-König-Kirche, Hamminkeln-Ringenberg, erbaut 1936
- Heilig-Kreuz-Kirche, Bocholt (Westfalen), erbaut 1936
- Heilig-Kreuz-Kirche, Dülmen (Westfalen), erbaut 1936-38
- St. Wolfgang, Regensburg, erbaut 1937-39
- Spinnerei und Weberei Laurenz, Ochtrup, erbaut 1942
- Wiederaufbau von St. Moritz, Augsburg, erbaut 1945-47
- Wiederaufbau von St. Maximilian, Augsburg, erbaut 1945-48
- Wiederaufbau von St. Josef, Duisburg, erbaut 1947-49
- St. Wendelin, Eppelborn, erbaut 1948-50
- Wiederaufbau und Erweiterung von St. Martin, Cochem,erbaut 1949-51
- Wiederaufbau von St. Antonius, Münster (Westfalen), erbaut 1949-52
- Wiederaufbau von St. Johann Baptist, Geilenkirchen-Hünshoven, 1950-52
- Pfarrkirche St. Maria Königin, Köln-Marienburg, 1952-54
- katholische Kirche St. Marien, Ochtrup, erbaut 1953
- Heilig-Geist-Kirche, Hagen, erbaut 1953
- Erweiterung der Liebfrauenkirche, Püttlingen, erbaut 1953-54
- Pfarrkirche St. Elisabeth, Koblenz, 1953-54 erbaut
- St. Veit, Mayen, erbaut 1954
- Liebfrauenkirche, Burscheid, erbaut 1954
- Pfarrkirche Kirche St. Joseph, Köln-Rodenkirchen, erbaut 1954-55
- Wiederaufbau von St. Anna, Köln-Ehrenfeld, erbaut 1955-56
- St. Paulus, Bonn, 1955-57
[Bearbeiten] Zitate
- "Er war der bahnbrechende Meister, der die kirchliche Baukunst aus den Fesseln des Historismus löste und gemäß dem neuen Material und gemäß den neugewonnenen liturgischen Einsichten baute." (Joseph Kardinal Frings)
[Bearbeiten] Ausstellung
Im Juni 2005 fand eine umfassende Ausstellung „Raum ist Sehnsucht“ über den Kirchenbaumeister Dominikus Böhm im Deutschen Architekturmuseum DAM ,Frankfurt am Main, statt. Sie wurde anschließend im Museum für Angewandte Kunst in Köln gezeigt.
[Bearbeiten] Literatur
- Wolfgang Voigt und Ingeborg Flagge (Hrsg.): Dominikus Böhm 1880-1955. Wasmuth, Tübingen 2005, ISBN 3-8030-0646-5
- Paul Böhm (Hrsg.): Dominikus Böhm. Kompositionen. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1752-X (musikalische Kompositionen, hrsg. von seinem Enkel Paul Böhm)
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Dominikus Böhm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Webseite über Dominikus Böhm bei archINFORM
- Information zu Dominikus Böhm (Ausstellung DAM)
- Die Musik des Architekten Dominikus Boehm
Personendaten | |
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NAME | Böhm, Dominikus |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt |
GEBURTSDATUM | 23. Oktober 1880 |
GEBURTSORT | Jettingen |
STERBEDATUM | 6. August 1955 |
STERBEORT | Köln |