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Nikolaus II. (Russland) - Wikipedia

Nikolaus II. (Russland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Nikolaus II. auf einem Gemälde von Earnest Lipgart.
Nikolaus II. auf einem Gemälde von Earnest Lipgart.

Nikolaus II. (gebürtig Nikolaj Alexandrowitsch, russisch Николáй Алексáндрович; * 18. Mai 1868 in Zarskoje Selo; † in der Nacht von 16. Juli auf 17. Juli 1918 in Jekaterinburg) war von 1894 bis 1917 der letzte Zar des Russischen Reiches.

Nikolaus II. stammte aus der Romanow-Dynastie (Haus Romanow-Holstein-Gottorp) und war der älteste Sohn des Zaren Alexanders III. und Zarin Marja Fjodorowna.

Nikolaus II. war der Cousin von Georg V., König von Großbritannien und von Wilhelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lebenslauf

[Bearbeiten] Frühe Jahre

Nikolaus II. mit seiner Mutter (um 1870)
Nikolaus II. mit seiner Mutter (um 1870)

Der 1868 geborene Nikolaus wurde von seinem Vater nur unzureichend auf die Rolle als künftiger Zar vorbereitet. Bei Hofe galt er als naiv. Sein Vater nannte ihn einen "Dummkopf". Doch die Einschätzung seines Umfeldes gilt aus heutiger Sicht zumindest teilweise als Fehlurteil.

Nikolaus sprach fließend französisch, englisch und deutsch. In St. Petersburg absolvierte er ein Jura-Studium und genoss eine profunde geschichtliche und militärische Ausbildung durch ranghohe Minister und Generäle seines Vaters. Kurz nach dem Tod seines Vaters heiratete er am 26. November 1894 Alice von Hessen (nach der Konvertierung zum orthodoxen Glauben Alexandra Fjodorowna), die Tochter des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein. Sie übte einen starken Einfluss auf ihn aus und bestärkte Nikolaus in dessen Glauben an seine Alleinherrschaft.

Aus der Ehe mit Alexandra entsprangen fünf Kinder:

  • Olga (* 3. November 1895; † 17. Juli 1918),
  • Tatjana (* 29. Mai 1897; † 17. Juli 1918),
  • Maria (* 14. Juni 1899; † 17. Juli 1918),
  • Anastasia (* 18. Juni 1901; † 17. Juli 1918)
  • Alexej (* 12. August 1904; † 17. Juli 1918).

[Bearbeiten] Krönung zum Zaren

Nach dem Tod seines Vaters wurde Nikolaus am 1. November 1894 zum Zaren ernannt. Seine Krönung wurde jedoch erst im Juli 1896 gefeiert, da die Vorbereitungen für die Krönung mehr als 19 Monate dauerten. Nikolaus' Herrschaft war von politischen Fehlern gekennzeichnet. Er wollte keine Macht aus den Händen geben und spielte seine Minister untereinander aus. Dadurch verlor er jedoch letztlich die Gewalt über sein Reich, das bereits nach kurzer Zeit nur noch von Bürokraten, Geheimpolizei und der Armee zusammengehalten wurde.

[Bearbeiten] Probleme der Innen- und Außenpolitik

Grab von Nikolaus II. und seiner Familie in der Peter-Pauls-Kathedrale, Sankt Petersburg
Grab von Nikolaus II. und seiner Familie in der Peter-Pauls-Kathedrale, Sankt Petersburg

Ab 1894 wurde das Land von zahlreichen Problemen erschüttert. Russland intervenierte zunehmend in Korea und geriet damit in Konflikt mit Japan. Nikolaus selbst war als Jugendlicher nach Japan gereist und dort von einem Attentäter im Gesicht verletzt worden. Seit dieser Zeit verachtete er die Japaner als "gelbe Affen". Um seine Macht in Asien auszuweiten, nahm er einen kurzen Krieg in Kauf (das Postulat H-U Wehlers, der vom Sozialimperialismus für Deutschland sprach, galt für Russland nicht in diesem Maße!). Der Russisch-Japanische Krieg wurde jedoch zum Debakel für Russland. Nach der Niederlage im Fernen Osten kam es zum Generalstreik, auf den Nikolaus mit Gewalt reagierte. Am Petersburger Blutsonntag ließ er auf Demonstranten schießen, seine Geheimpolizei und das Militär erstickten jeden Aufstand im Keim. Schließlich musste Nikolaus doch eine Wahl zur Duma zulassen. Den Rat seines früheren Finanzminister Sergei Juljewitsch Witte, der ihm schnelle und umfassende Reformen empfahl, ignorierte Nikolaus weitgehend. Außerdem brach er mehrfach willkürlich die Verfassung. Dies verschlechterte sein Ansehen auch im Ausland, v.a. bei der noch jungen sozialistischen Bewegung. So kam es bei einem Stockholm-Besuch des Zaren 1909 zu einem Attentat durch Hjalmar Vång, der sein Ziel allerdings verfehlte und statt des Zaren einen schwedischen General erschoss. Der Beginn des Ersten Weltkrieges bedeutete dann den Anfang vom Ende seiner Herrschaft. Die häufigen Niederlagen, Hungersnöte und die katastrophale Versorgungslage der Bevölkerung führten letztlich zur Revolution.

[Bearbeiten] Die letzten Jahre

Unter dem Druck der Februarrevolution von 1917 musste Nikolaus II. abdanken. Am 17. Juli 1918 wurden er und seine Familie, etwa ein halbes Jahr nach der Oktoberrevolution von 1917, mit Billigung der Partei- und Staatsführung von den ihn bewachenden Truppen in der Verbannung bei Jekaterinburg im Ural erschossen. Es steht fest, dass Wladimir Iljitsch Lenin als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare (Regierungschef) sowie der damalige Partei- und Staatschef Swerdlow, Vorsitzender des Sekretariats des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) und Vorsitzender des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees (GZEK), sowie weitere Mitglieder der Partei- und Staatsführung der Erschießung vorab zugestimmt haben und ausnahmslos alle anschließend die Erschießung billigten. Am 18. Juli 1918 teilte Swerdlow dem Präsidium des GZEK mit, dass sich konterrevolutionäre Bürgerkriegstruppen im Anmarsch auf die Stadt Jekaterinburg befunden hatten; es sei zu befürchten gewesen, dass die dort gefangen gehaltene frühere Zarenfamilie befreit und als lebendige Symbole des Kampfes der ausländischen Interventionstruppen und der Bürgerkriegstruppen gegen die Sowjetmacht benutzt werden könnten. Der Sowjet des Gebiets Ural habe daher den Befehl zur Erschießung der ehemaligen Zarenfamilie gegeben, der in der Nacht zum 17. Juli vollstreckt wurde. Das Präsidium des GZEK billigte die Entscheidung des Gebietssowjets. Die Gebeine der Familie wurden 1979 im Waldstück Vier Brüder nahe Jekaterinburg entdeckt. Zu Zeiten der Sowjetunion konnte diese Entdeckung jedoch nicht öffentlich gemacht werden. Am 13. Juli 1991 wurden die Leichname geborgen und ein Jahr später einwandfrei identifiziert. Auf den Tag genau 80 Jahre nach der Erschießung wurden die sterblichen Überreste Nikolaus' und seiner Familie in St. Petersburg beigesetzt.

[Bearbeiten] Bedeutung

Nikolaus II. regierte Russland wie seine Vorgänger als unumschränkter Alleinherrscher (Absolutismus). Er gilt aus heutiger Sicht nicht als besonders fähiger Herrscher. In seiner Amtszeit galt er als leicht beeinflussbar, unter anderem durch den Popen Grigori Rasputin, einen angeblichen Geistheiler.

Seine Frau Alexandra und er ignorierten die Probleme, die über Russland hereinbrachen. Er bekämpfte die Modernisierung seines Reiches und hielt an den überkommenen halbfeudalen Verhältnissen fest, statt das Land auf den Weg der Entwicklung zu führen. Seine Regierung glitt von einer Krise zur nächsten: von Arbeiter- und Bauernaufständen während der Revolution von 1905 über den Krieg mit Japan bis hin zum Ersten Weltkrieg.

Für die russisch-orthodoxe Auslandskirche gilt Nikolaus II. wegen seines Märtyrertods als Heiliger. Im August 2000 wurde Nikolaus II. auch von der Russisch-Orthodoxen Kirche heilig gesprochen. Ikonen mit seiner Darstellung sowie mit der Darstellung seiner getöteten Familie hängen seitdem in jeder russisch-orthodoxen Kirche, sowohl in Russland als auch im Ausland.

[Bearbeiten] Literatur

  • Edith M. Almedingen: Die Romanows. Die Geschichte einer Dynastie. Russland 1613–1917. – München : Universitas, 1991. – ISBN 3-8004-1250-0
  • Juri Buranow, Wladimir Chrustaljow: Die Zarenmörder. Vernichtung einer Dynastie. 2. Auflage. – Berlin : Aufbau, 1999. – ISBN 3-7466-8011-5
  • Elisabeth Heresch: Nikolaus II. "Feigheit, Lüge und Verrat". – Frankfurt/M : Ullstein, 1994. – ISBN 3-548-35413-0
  • Robert K. Massie, Alexis Gregory (Hrsg.): Der letzte Zar. Das Familienalbum der Romanows. – Zürich : Orell Füssli, 1983. – ISBN 3-280-01420-4
  • Roman P. Romanow: Am Hof des letzten Zaren. 1896-1919. – München : Piper, 1997. – ISBN 3-492-22460-1
  • Marc Ferro: Nicolas II. – Paris : Fayard, 1990

[Bearbeiten] Weblinks

commons:Hauptseite
Commons
Commons: Nikolaus II. (Russland) – Bilder, Videos und/oder Audiodateien


Vorgänger
Alexander III.
Liste der russischen Herrscher Nachfolger
Michael II.


Anmerkung: Doppelte Daten sind erstens gemäß julianischem Kalender angegeben, zweitens gemäß gregorianischem Kalender. Der Wechsel des Kalenders fand, je nach Staat, zwischen 1582 und 1812 statt, in einigen Staaten Osteuropas erst Anfang des 20. Jahrhunderts (beispielsweise in Russland zur Oktoberrevolution 1917).


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