Europäische Volkspartei
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Die Europäische Volkspartei (EVP) ist ein Zusammenschluss christlich-demokratischer und konservativ-bürgerlicher Parteien in der Europäischen Union. Die EVP wurde am 8. Juli 1976 in Luxemburg von der CDU und CSU (Deutschland), der PSC und CD&V-NVA (Belgien), der MRP (Frankreich), der Fine Gael (Irland), der DC (Italien), der CSV (Luxemburg) und der KVP, CHU und ARP (heute im Christen Democratisch Appèl (CDA) vereinigt) aus den Niederlanden gegründet. Der belgische Politiker Leo Tindemans wurde zum ersten Präsidenten der EVP gewählt.
- englisch: European People's Party - kurz EPP
- französisch: Parti Populaire Européen - kurz PPE
- spanisch: Partido Popular Europeo - kurz PPE
Mittlerweile sind 40 Parteien aus 24 Mitgliedstaaten der EU Mitglieder der EVP, darunter die ÖVP, die französische UMP und der spanische Partido Popular. Parteien aus Bulgarien, Kroatien, Norwegen, Rumänien und der Schweiz sind assoziierte Mitglieder der EVP. Parteien wie die türkische AKP haben den Beobachterstatus. Seit 1990 ist der ehemalige Ministerpräsident Belgiens Wilfried Martens Präsident der EVP.
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[Bearbeiten] Generalsekretäre der EVP
Zeitraum | Generalsekretär | Land |
---|---|---|
1976 bis 1983 | Jean Seitlinger | Frankreich |
1983 bis 1994 | Thomas Jansen | Deutschland |
1994 bis 1999 | Klaus Welle | Deutschland |
1999 bis 2002 | Alejandro Agag | Spanien |
Seit 2002 | Antonio Lopez-Isturiz | Spanien |
[Bearbeiten] Die Geschichte der Europäischen Volkspartei
Am 8. Juli 1976 wird die Europäische Volkspartei in Luxemburg gegründet und der Belgier Leo Tindemans zum ersten Präsidenten gewählt. 1978 findet der I. Kongress der EVP in Brüssel statt, auf dem das politische Programm verabschiedet wird.
Vor der ersten direkten Wahl zum Europaparlament 1979, wird auf dem II. Kongress die Wahlplattform verabschiedet. Die EVP gewinnt 107 der 419 Sitze im Parlament. Durch den Beitritt Griechenlands zur Europäischen Gemeinschaft 1981 erhöht sich die Zahl der Sitze im Europäischen Parlament auf 434, die Anzahl der Abgeordneten, die zur EVP gehören, auf 117. Im Jahr 1983 werden die Sekretariate der EUCD und der EVP in Brüssel zusammengelegt und der deutsche CDU-Politiker Thomas Jansen zum Generalsekretär der EVP und EUCD gewählt.
Auf dem V. Kongress 1984 in Rom verabschiedet die Partei das Aktionsprogramm für die zweite direkte Wahl zum Europäischen Parlamentes. Die EVP gewinnt 110 Sitze in der zweiten direkt gewählten Legislaturperiode. Die Niederländer Piet Bukman (CDA) wird 1985 zum Nachfolger von Leo Tindemans gewählt, der das Amt des Präsidenten seit der Gründung der EVP innehatte.
1986 treten Spanien und Portugal der Europäischen Gemeinschaft bei und die Anzahl der Sitze im Europäischen Parlament erhöht sich auf 518. Die portugiesische PSD, die spanische PDP (später in Democracia Cristiana umbenannt), die katalanische UDC und die baskische PNV (baskische Nationalisten) werden Mitglied der EVP. Die EVP-Gruppe im Parlament vergrößert sich dadurch um 9 MEPs auf insgesamt 118 Mitglieder. Im März 1986 tritt ein französischer MEP der Gruppe bei, die somit 119 Mitglieder zählt. Jacques Santer wird 1987 zum Präsidenten der EVP gewählt. Auf dem VII. Kongress der EVP in Luxemburg wird das Arbeitsprogramm "On the People's Side" angenommen.
Nach der dritten direkten Wahl zum Europäischen Parlament im Juni 1989 treten die spanischen Parlamentarier der Partido Popular der EVP-Fraktion bei. Der ehemalige belgische Premierminister Wilfried Martens wird 1990 zum Präsidenten der EVP gewählt. Auf dem VIII. Kongress in Dublin wird das EVP-Programm für die Europäische Union verabschiedet. Der spanische Partido Popular wird 1991 Mitglied der EVP, die Österreichische Volkspartei, die schwedische KDS und die maltesische Partit Nazzjonalista werden als assoziierte Mitglieder der EVP zugelassen.
1992 beschließen konservative MEPs aus Großbritannien und Dänemark zusammen mit einigen Mitgliedern der französischen UDF, der Fraktion der EVP als alliierte Mitglieder beizutreten, wodurch diese auf 162 Mitglieder anwächst. Konservative Parteien aus Skandinavien werden 1993 als ständige Beobachter der EVP eingeladen. Die portugiesische PSD wird ausgeschlossen. Auf dem X. Kongress in Brüssel wird das Aktionsprogramm „Europa 2000 - Einheit und Vielfalt“ für die vierte Legislaturperiode des Europäische Parlament angenommen.
Nach der Gründung des Rats der Regionen im Jahr 1994 als neue Institution der Europäischen Union wird die EVP-Gruppe innerhalb des Rat der Regionen mit 85 Mitgliedern unter dem Vorsitz des Belgiers Jos Chabert formiert. Die Schweizerische Volkspartei und die zypriotische Democratic Rally werden als assoziierte Mitglieder zugelassen. Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni gewinnt die EVP 125 Sitze. Durch die Integration ähnlich denkender konservativer Parlamentarier aus Großbritannien, Dänemark und französischer Liberaler wächst die EVP-Fraktion auf insgesamt 157 Mitglieder an. Der Deutsche Klaus Welle wird zum Generalsekretär der EVP und EUCD gewählt.
Die finnische Kansallinen Kokoomus, die schwedische Moderata Samlingspartiet and Kristdemokratiska Samhällspartiet, die dänische Konservative Volkspartei, die Österreichische Volkspartei, die beiden italienischen Parteien Centro Cristiano Democratico (CCD) und Cristiani Democratici Uniti (CDU) werden Vollmitglieder und die norwegische Høyre assoziiertes Mitglied der EVP. Die Europäische Union der Senioren (ESU) wird ebenfalls 1995 gegründet. Die SME-Union wird 1996 gegründet. Im Februar werden sieben Parteien aus Mittel- und Osteuropa Kandidaten für den Beobachterstatus.
Auf dem XIII. Kongress 1999 in Brüssel wird das Aktionsprogramm für 1999 bis 2004 mit dem Titel "Auf dem Weg in das 21. Jahrhundert" verabschiedet. Alejandro Agag wird als Nachfolger von Klaus Welle, der zum Generalsekretär der EVP-Fraktion im Parlament ernannt wird, zum Generalsekretär der EVP und EUCD gewählt. Am 10. Oktober 2000 wird Wilfried Martens zum Präsidenten und Alejandro Agag zum Generalsekretär der Internationalen Christdemokraten gewählt. Der Status als assoziiertes Mitglied erhalten in diesem Jahr die lettische Tautas Partija, die slowakische SMK-MKP, die tschechische US und die ungarische FKGP und FIDESZ - MPP. Auf dem XIV. EVP-Kongress im Januar 2001 in Berlin wird das Grundsatzdokument "Eine Union der Werte" verabschiedet. Die ungarische MDF wird assoziiertes Mitglied, die italienische UDEUR und das französische RPR werden Vollmitglieder.
Im März 2002 akzeptiert das politische Büro den Vorschlag Alejandro Agag durch Antonio Lopez-Isturiz als Generalsekretär zu ersetzen, was auch geschieht. Die EVP-Gruppe für der Konvent für eine Verfassung für Europa wird auf Vorschlag von Wilfried Martens gegründet. Der Schweizer Evangelischen Volkspartei und der slowakischen KDH wird der Status als assoziierte Mitglieder gewährt. Die slowakische SDKÚ wird als Beobachter zugelassen. Im Oktober wird auf dem XV. Kongress in Estoril das Kongressdokoment „Die Verfassung für ein starkes Europa“ (Vertrag über eine Verfassung für Europa) angenommen.
[Bearbeiten] Mitglieder, Mitgliedsparteien
(Alphabetisch nach Ländern sortiert)
Kürzel | Name der Partei | Land |
---|---|---|
CDH | Centre Démocrate Humaniste | Belgien |
CD&V | Christen Democratisch en Vlaams | Belgien |
KD | Kristendemokraterne | Dänemark |
KF | Det Konservative Folkeparti | Dänemark |
CDU | Christlich Demokratische Union | Deutschland |
CSU | Christlich-Soziale Union in Bayern | Deutschland |
RP | Ühendus Vabariigi Eest - Res Publica (Union für die Republik - Res Publica) | Estland |
IL | Isamaaliit (Vaterlandsunion) | Estland |
KOK | Kansallinen Kokoomus (Nationale Koalitionspartei) | Finnland |
UMP | Union pour un mouvement populaire | Frankreich |
ND | Nea Dimokratia | Griechenland |
FG | Fine Gael (Familie der Iren) | Irland |
UDC | Unione dei Democratici Cristiani e Democratici di Centro (UDC) | Italien |
AP | Popolari-Unione Democratici per l'Europa (UDEUR) | Italien |
FI | Forza Italia | Italien |
SVP | Südtiroler Volkspartei | Italien |
TP | Tautas Partija (Volkspartei) | Lettland |
JL | Jaunais Laiks (Neue Ära) | Lettland |
TS | Tevynes Sajunga (Vaterlandsunion) | Litauen |
LKD | Lietuvos Krikscionys demokratai | Litauen |
CSV | Chrëschtlech Sozial Vollékspartei | Luxemburg |
PN | Partit Nazzjonalista | Malta |
CDA | Christen Democratisch Appèl | Niederlande |
ÖVP | Österreichische Volkspartei | Österreich |
PO | Platforma Obywatelska (Bürgerplattform) | Polen |
PSL | Polskie Stronnictwo Ludowe (Polnische Volkspartei) | Polen |
PSD | Partido Social Democrata | Portugal |
KD | Kristdemokraterna | Schweden |
M | Moderata Samlingspartiet | Schweden |
SDKÚ | Slovenská Demokratická a Kresťanská Únia (Slowakische Demokratische und Christliche Union) | Slowakei |
SMK-MKP | Strana MaÄarskej KoalÃcie/Magyar KoalÃció Pártja (Partei der ungarischen Koalition) | Slowakei |
KDH | Kreťansko-Demokratické Hnutie (Christlich-Demokratische Bewegung) | Slowakei |
NSI | Nova Slovenija - Krscanska Ljudska Stranka | Slowenien |
SDS | Slovenska Demokratska Stranka (Slowenische Demokratische Partei) | Slowenien |
SLS | Slovenska Ljudska Stranka (Slowenische Volkspartei) | Slowenien |
PP | Partido Popular | Spanien |
UDC | Unió Democrà tica de Catalunya | Spanien/Katalonien |
KDU-ČSL | Křesťanská a demokratická unie - Československá strana lidová (Christliche und Demokratische Union - Tschechoslowakische Volkspartei) | Tschechische Republik |
ODS | ObÄanská demokratická strana (Demokratische Bürgerpartei) | Tschechische Republik |
MDF | Magyar Demokrata Fórum | Ungarn |
Fidesz-MPSZ | Fidesz-Magyar Polgári Szövetség | Ungarn |
DISY | Dimokratikos Synagermos/Democratic Rally of Cyprus | Zypern |
[Bearbeiten] Assoziierte Parteien
Kürzel | Name der Partei | Land |
---|---|---|
DSB | Demokrati za Silna Bulgaria | Bulgarien |
DP | Demokraticeska Partija | Bulgarien |
BNZS-NS | Balgarski Zemedelski Naroden Sajuz (Bulgarische Nationale Volksunion) | Bulgarien |
SDS | Sajuz na Demokraticnite Sili (Union Demokratischer Kräfte) | Bulgarien |
HDZ | Hrvatska Demokratska Zajednica (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) | Kroatien |
Høyre | Norwegen | |
UDMR | Uniunea Democrată a Maghiarilor din România/Romániai Magyar Demokrata Szövetség (Demokratische Union der Ungarn in Rumänien) | Rumänien |
PPCD | Partidul Popular Crestin Democrat, siehe: PNT-CD | Rumänien |
CVP | Christlichdemokratische Volkspartei | Schweiz |
EVP | Evangelische Volkspartei | Schweiz |
[Bearbeiten] Parteien mit Beobachterstatus
Kürzel | Name der Partei | Land |
---|---|---|
PDSH | Partia Demokratike e Shqiperise | Albanien |
PDR | Partia Demokrate e Re (Neue Demokratische Partei) | Albanien |
SDA | Stranka Demokratske Akcije | Bosnien und Herzegowina |
HDZBiH | Hrvatska Demokratska Zajednica Bosne i Hercegovine (Kroatische Demokratische Gemeinschaft Bosniens und Herzegowinas) | Bosnien und Herzegowina |
PDP | Partija Demokratskog Progresa | Bosnien und Herzegowina |
KD | Suomen Kristillisdemokraatit | Finnland |
DC | Demokratski Centar | Kroatien |
HSS | Hrvatska Seljacka Stranka (Kroatische Bauernpartei) | Kroatien |
KRF | Kristelig Folkeparti | Norwegen |
PDCS | Partito Democratico Cristiano Sanmarinese | San Marino |
DSS | Demokratska Stranka Srbije | Serbien |
DHSS | Demohriscanska Stranka Srbije | Serbien |
G17+ | G17PLUS | Serbien |
AKP | Adalet ve Kalkinma Partisi (Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei) | Türkei |
NU | Nasa Ukrajina (Unsere Ukraine) | Ukraine |
[Bearbeiten] Fraktion EVP-ED im Europäischen Parlament
Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und Europäischer Demokraten (EVP-ED) der EVP ist mit derzeit 268 Sitzen die größte Fraktion im Europäischen Parlament. Vorsitzender der Fraktion ist seit dem 9. Januar 2007 der Franzose Joseph Daul (UMP). Er folgt damit dem CDU-Politiker Hans-Gert Pöttering. Zum 1. Vizepräsidenten und Schatzmeister wurde der Österreicher Othmar Karas gewählt.
[Bearbeiten] Literatur
- Thomas Jansen, Die Entstehung einer Europäischen Partei, Vorgeschichte, Gründung und Entwicklung der EVP, Bonn 2001, ISBN 3771305268.
- Hans-Joachim Veen, Urs Altermatt, Thomas Jansen, Klaus Welle, Christlich-demokratische und konservative Parteien in Westeuropa, Bd.5, Schweiz, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Europäische Demokratische Union (EDU), Europäische Volkspartei (EVP), Paderborn 2000, ISBN 3506793519.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Die EVP
- Die Webseite der Fraktion EVP-ED
- Die CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament
- Andreas von Gehlen: Europäische Parteiendemokratie? Publikation mit ausführlicher Untersuchung der Geschichte, Organisationsform und Programmatik der Europäischen Volkspartei