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Fritz Pleitgen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Fritz Ferdinand Pleitgen (* 21. März 1938 in Duisburg) ist ein deutscher Journalist. Er ist seit 1995 und noch bis 31. März 2007 Intendant des Westdeutschen Rundfunks.

Fritz Pleitgen während des WDR-Literaturmarathons 2007 in Köln
Fritz Pleitgen
während des WDR-Literaturmarathons 2007 in Köln

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beruflicher Werdegang

Bereits mit 14 Jahren arbeitete Pleitgen als freier Mitarbeiter für Sport- und Gerichts-Berichterstattung für die Lokalausgabe Bünde der Freien Presse Bielefeld. Hier trat er auch 1959 ein zweijähriges Volontariat an. 1963 dann wechselte er zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln.

Pleitgen war zunächst in der Redaktion der Tagesschau und als Sonderberichterstatter beschäftigt und befasste sich mit den Bereichen Politik und Wissenschaft.

[Bearbeiten] Auslandskorrespondent

Bereits ein Jahr später, begann Pleitgen 1964 als Auslandskorrespondent über EWG- und NATO-Sitzungen in Brüssel und Paris zu berichten. Darüberhinaus informierte Pleitgen 1964 auch über den Zypernkrieg und 1967 über den Sechs-Tage-Krieg.

Von 1970 bis 1977 arbeitete Pleitgen als Auslandskorrespondent in Moskau. Hier führte er als erster westlicher Journalist ein Interview mit dem damaligen sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew.

Die in Moskau bewiesenen diplomatischen Fähigkeiten (Pleitgen unterhielt sehr gute Kontakte sowohl zur Regierung als auch zu Dissidenten) qualifizierten ihn 1977 für den Korrespondentenposten in Ost-Berlin. Sein dortiger Vorgänger, Lothar Loewe, war aufgrund seiner unverblümt kritischen Berichterstattung des Landes verwiesen worden, was man bei Pleitgen seitens der ARD nicht befürchtete. Insgesamt blieb er fünf Jahre auf diesem Posten.

Im Juli 1982 folgte ein weiterer Wechsel: von Ost-Berlin nach Washington, zu Zeiten des Kalten Krieges politisch wohl der größtmögliche. Pleitgen sah sich bei seiner Tätigkeit als Korrespondent in den USA der Kritik "antiamerikanischer Untertöne" ausgesetzt, da er die Politik des damaligen Präsidenten Ronald Reagan eher kritisch verfolgte. Grund für diese kritische Berichterstattung war die Überzeugung Pleitgens, dass die Ostpolitik Willy Brandts der richtige Weg sei.

Pleitgen wechselte nach einer fünfjährigen Leitung des Washingtoner ARD-Studios 1987 auf den gleichen Posten des ARD-Studio New York. Jedoch berief Friedrich Nowottny, den Pleitgen bereits aus gemeinsamen Volontariatszeiten bei der Bielefelder Freien Presse kannte, ihn bereits kurze Zeit später nach Köln zurück.

[Bearbeiten] Politischer Chefredakteur

Im Mutterhaus übernahm Pleitgen ab 1988 die Position des Chefredakteurs des Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Trotz der zusätzlichen Verwaltungsaufgaben war Pleitgen weiterhin journalistisch tätig.

So leitete er im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der Sowjetunion zahlreiche Sendungen der Sendereihe Brennpunkt sowie einige weitere Sondersendungen. Beim Mauerfall berichtete er aus Berlin und mahnte Kollegen zu einer gemäßigten Berichterstattung: „Dies ist eine explosive Zeit, der wir nicht noch eine zusätzliche Dramatik oder gar Zunder geben sollten.“

Nachdem Pleitgen bis 1993 als Chefredakteur beim WDR gearbeitet hatte, wechselte er zum 1. Januar 1994 nach drei Jahrzehnten Fernsehen zum Radio und wurde Hörfunkdirektor des WDR. Pleitgen reformierte während dieser Zeit die Programm- und Organisationsstruktur und hob den Sender Eins Live aus der Taufe.

Am 17. Dezember 2006 moderierte Fritz Pleitgen nach fast 300 Sendungen zum letzten Mal den ARD-Presseclub, eine der ältesten Sendereihen im deutschen Fernsehen. Monika Piel wird ihm nachfolgen.

Ab April 2007 übernimmt Pleitgen den Geschäftsführungsvorsitz der Ruhr 2010 GmbH, der Trägergesellschaft der für das in Essen und dem Ruhrgebiet geplante europäische Jahr als Kulturhauptstadt Europas.[1]

[Bearbeiten] Privatleben

Pleitgen ist seit 1969 mit Gerda Lichtenberg verheiratet und hat mit ihr vier Kinder.

[Bearbeiten] Intendanz

Am 17. März 1995 wurde Pleitgen als Nachfolger von Friedrich Nowottny Intendant des WDR; die anderen Bewerber um diesen Posten zogen wie zuvor bei Nowottnys Berufung ihre Kandidatur zurück. Als Indendant führe Pleitgen die Regionalisierung des WDR fort, was zur Gründung der Lokalstudios in Köln und Dortmund führte. Außerdem setze er sich für den Aufbau des Ereigniskanals PHOENIX ein. In den Jahren 2001 und 2002 war er zudem Vorsitzender der ARD. Außerdem ist Pleitgen für die Europäische Rundfunkunion aktiv, der er seit 2002 als Vizepräsident und seit September 2006 als Präsident vorsteht. Fritz Pleitgen ist neben seinen leitenden Aufgaben auch weiterhin journalistisch tätig. Neuere Produktionen sind die in der ARD ausgestrahlte Reisereportage über die Rocky Mountains „Die Rockies. Sehnsucht nach dem alten Westen“ und Spurensuche im Erzgebirge: „Wiedersehen mit dem Weihnachtsland“. Ende 2004 geriet Pleitgen in die Kritik, nachdem Harald Schmidt für eine Sendung in der ARD angeworben wurde. Der Vertrag mit Schmidts Produktionsfirma wurde durch die ARD-Tochter Degeto geschlossen. Um die Sendung zu finanzieren, musste die ARD auf den Erwerb von Übertragungsrechten zu Sportereignissen verzichten.

Fritz Pleitgens letzte regulär geplante Amtszeit als Intendant des WDR endet nach seiner Wiederwahl am 14. September 2000 im Juli 2007. Er hatte zu dieser Wiederwahl geplant, sie nur zur Hälfte auszunutzen [2], verwarf diese Idee jedoch. Über seine Nachfolge entbrannte ein politischer Streit innerhalb des 43-köpfigen Gremiums des WDR. Pleitgen selbst zeigte sich bereit, falls er vom Rundfunkrat berufen werde und es keine Einigung über einen Nachfolger gäbe. Dabei verweigerte ihm jedoch seine eigene Partei, die SPD die Unterstützung, ebenso der Vorsitzende des Rundfunkrats des WDR. Stattdessen „fährt Pleitgen nun auf CDU-Ticket“, so die taz[3]. Unterstützung fand Pleitgen auf Seiten der CDU, FDP und der Grünen, die auf die Kontinuität seiner Arbeit setzten. Eine Initiative der CDU, Pleitgen ohne Wiederwahl nach 2007 weiterhin als Intendant zu beschäftigen, wurde im Rundfunkrat durch Stimmen der SPD und unabhängiger Mitglieder abgelehnt. Nach einer Sitzung des Rundfunkrates am 22. Juni 2006 in Siegen sollte zunächst in den Folgemonaten mit Pleitgen über dessen persönliche Pläne und Entwicklungsvorschläge zum WDR gesprochen werden, bevor bei der nächsten Sitzung des Rundfunkrates im August das Ergebnis dieser Gespräche diskutiert wurde.[4] Als mögliche Kandidatin der SPD war zunächst Christina Weiss im Gespräch.[5] Der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks wählte schließlich am 20. November 2006 die Hörfunkdirektorin des Westdeutschen Rundfunks Monika Piel mit großer Mehrheit zur zukünftigen Intendantin. Am 5. Januar 2007 gaben der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Essens Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger bekannt, dass Fritz Pleitgen Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr 2010 GmbH werden soll, die für die Planung des Europäischen Kulturhauptstadt-Jahres 2010 in Essen und dem Ruhrgebiet verantwortlich ist. Pleitgen wird diese Position bereits zum 1. April 2007 antreten und damit den WDR drei Monate früher als geplant verlassen.[6]

[Bearbeiten] Zitate

Das Ruhrgebiet ist ein einzigartiger Raum in Europa. Es gibt nirgends so viel Kultur, nirgends so viele Nationalitäten auf engem Raum. Aber es gibt kein dominierendes Zentrum, es ist eine polyzentrische Region. Dieser Raum muss sein Potenzial in seiner vielfältigen Gesamtheit entfalten und der Welt deutlich machen, um, wie es gewünscht wird, an London und Paris heranzukommen [...] Die Kulturhauptstadt Europa 2010 muss insgesamt ein großer Wurf werden und kein einmaliges Feuerwerk. Es geht um Nachhaltigkeit, es geht darum, dass das Ruhrgebiet auch nach 2010 die Strahlkraft eines europäischen Kulturzentrums behält und weiter entwickelt.

Fritz Pleitgen, 2007 [7]

[Bearbeiten] Quellen

  1. „Pleitgen plant Kulturhauptstadt 2010“, Kölner Stadtanzeiger, 5. Januar 2007
  2. Hardy Prothmann: „Der Souverän“, CUT, Nr. 10, 2001
  3. „Das ist Fritz, der Traktorist“, taz-Kommentar, 22. Juni 2006
  4. „Pleitgen könnte mit 69 Jahren sein eigener Nachfolger werden“, Financial Times Deutschland, 24. Mai 2006
  5. Peter Lamprecht: „Tritt Christina Weiss gegen Pleitgen an?“ WAMS, 25. Juni 2006
  6. „"Ruhr 2010": Pleitgen wird Leiter der Kulturhauptstadt GmbH“, Die Zeit, 5. Januar 2007
  7. „Wir alle sind zum Erfolg verurteilt“, Kölnische Rundschau, 8. Januar 2007, Nr. 5, S. 11

[Bearbeiten] Ehrenamtliches Engagement und Auszeichnungen

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

[Bearbeiten] Filmographie

  • Fritz Pleitgen: Rastlos - Gelassen. Dokumentation in zwei Teilen, 90 Min., Produktion: WDR, Erstsendung: 21. März und 27. März 2007, Inhaltsangabe des WDR

[Bearbeiten] Weblinks

Video


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