Sergeant
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sergeant (engl.), Sergent (franz.), Sargento ( span., von lat. serviens, dienend) ist in zahlreichen angelsächsischen und romanischen Ländern ein Unteroffiziersdienstgrad oder Polizeidienstgrad. In Frankreich wird der Sergent in den sog. „berittenen Truppen“ (z.B. Panzertruppe, Gendarmerie) Maréchal-des-logis genannt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Militärischer Dienstgrad
[Bearbeiten] Vergleichbarkeit
Anhand der Rangtabelle der NATO-Streitkräfte (NATO-Rangcode-System) lässt sich der Dienstgrad Sergeant im Verhältnis zu Bundeswehrdienstgraden recht präzise einordnen. Ein britischer Sergeant deckt mit seinen Befugnissen die Bundeswehr-Dienstgrade Unteroffizier bis einschließlich Oberfeldwebel ab. Ein US-amerikanischer Sergeant entspricht hingegen den Bundeswehrdienstgraden Unteroffizier und Stabsunteroffizier; in einem ähnlichen Verhältnis stehen der französische Sergent und der italienische Sergente.
In der mehrsprachigen Schweizer Armee entspricht der Sergent dem Wachtmeister, der als Gruppenführer verwendet wird.
[Bearbeiten] Polizeilicher Dienstgrad
Der Dienstgrad bzw. die Amtsbezeichnung Sergeant wird auch von vielen Polizeien verschiedener Länder verwendet. Es ist für gewöhnlich der höchste Rang, die ein vorgesetzter Beamter inne hat, der direkt in einer Dienststelle bzw. im Streifendienst eingesetzt ist.

Bei der Britischen Polizei ist der „Police Sergeant“ zwischen dem Police Constable und dem Inspector angesiedelt. Britische Police Sergeants werden in der Regel von ihren Untergebenen mit „Sergeant“, „Sarge“, „Skipper“ oder „Skip“ angesprochen. Constables müssen ihre zweijährige Probezeit abgeschlossen haben, bevor sie sich für die Auswahltests zum Sergeant bewerben können. In Londons Metropolitan Police Service existierte von 1890 bis 1973 noch ein dienstgradhöherer Sergeant, der „Station Sergeant“ bzw. „First Class Detective“ in der Abteilung für Kriminalermittlungen.
In vielen US-amerikanischen Polizeien wird der Sergeant, der meist direkt unter dem Lieutenant angesiedelt ist, ebenfalls als Dienstgrad verwendet.
Die Polizeien von Neuseeland und Australien haben ebenfalls den Rang eines Senior Sergeant.
[Bearbeiten] Historischer Gebrauch in Deutschland
[Bearbeiten] Militär
In der preußischen Armee wurde der Rang des Sergeanten 1843 wieder eingeführt, nachdem er zwischenzeitlich abgeschafft und teils synonym mit dem Terminus Feldwebel verwendet worden war. In den Armeen des Deutschen Kaiserreichs rangierte der Sergeant nach den Portepee-Unteroffizieren und stand zwischen dem Corporal bzw. Unteroffizier und dem Vizefeldwebel. Gleich dem Unteroffizier stand der Sergeant einer Korporalschaft vor. Der Dienstgrad wurde 1921 in Unterfeldwebel umbenannt, Unterwachtmeister bei Kavallerie und Artillerie.
siehe: Dienstgrade in der Wehrmacht, Dienstgrade im Heer des Deutschen Kaiserreichs
[Bearbeiten] Polizei
Etwa zeitgleich mit dem Wiederaufkommen des Dienstgrads beim Militär kam der Sergeant bei den Polizeien in den Ländern des Deutschen Bunds in Gebrauch. Da einfache Polizeileute üblicherweise mit den Unteroffizieren der Armee rangierten, war der Sergeant als nächsthöherer Rang fast überall der zweitunterste Polizei-Dienstgrad – vor dem kleinstädtischen Polizeidiener, dem Großstadt-Schutzmann oder dem militärisch organisierten Gendarm auf dem platten Land.
Diesbezüglich eine Ausnahme waren Preußen und das Großherzogtum Hessen. In den Polizeiverwaltungen der preußischen Klein- und Mittelstädte war der Sergeant Einstiegsdienstgrad und ranggleich mit dem Schutzmann der militärisch ausgerichteten Berliner Schutzmannschaft. In der großherzoglich-hessischen Gendarmerie war der einfache Gendarm ranggleich mit dem Sergeant der Armee.
In allen Polizeien des Kaiserreichs waren der Wachtmeister und der Oberwachtmeister die unmittelbar vorgesetzten Dienstgrade. Diese entsprachen dem Vizefeldwebel und Feldwebel der Armee. In Bayern existierte zusätzlich der Dienstgrad Stabsoberwachtmeister, vergleichbar dem Offiziersstellvertreter der Armee.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Polizeidienst fast ausnahmslos ehemalige Soldaten beschäftigt. Die Berliner Schutzmannschaft akzeptierte seit 1852 nur solche Bewerber, die freiwillig neun Jahre – statt der üblichen zwei bis drei Jahre Wehrpflicht – „gedient“ hatten, davon mindestens fünf Jahre als Unteroffizier. Ähnliches galt in den meisten deutschen Ländern.
Der Polizei-Dienstgrad Sergeant fand nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs 1918 noch einige Jahre Verwendung. Um 1923 entfiel er vollständig. In den Reichsländern Bayern, Hessen und Preußen trat an seine Stelle der Polizei-Mannschaftsrang Unterwachtmeister.
siehe: Amtsbezeichnungen bei der deutschen Polizei
[Bearbeiten] Siehe auch
- Dienstgrade im Heer des Deutschen Kaiserreichs
- Dienstgrade in der Bundeswehr
- British Army
- Dienstgrade in der französischen Armee
- Dienstgrade in den italienischen Streitkräften (italienisch)
- US-amerikanische Dienstgrade siehe die Artikel der einzelnen US-Teilstreitkräfte
- Übersicht der Mannschafts- u. Unteroffizierdienstgrade in den NATO-Streitkräften (Heer) (engl.)
- Übersicht der Offizierdienstgrade in den NATO-Streitkräften (Heer) (engl.)