Herzegowina
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Die Herzegowina (bosnisch, kroatisch: Hercegovina, serbisch: Херцеговина) ist der südwestliche Teil des Staates Bosnien und Herzegowina, im Einzugsbereich des Flusses Neretva. Der Landesname leitet sich vom Wort "Herzog" ab (die Wortbedeutung ist "Herzogsland"). Die Hauptstadt der Herzegowina ist Mostar.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Die Herzegowina ist ein bergiges Land. Sie liegt im wesentlichen im Dinarischen Gebirge. Typisch sind ausgedehnte Karstlandschaften mit oasenartigen fruchtbaren Niederungen (Polja, Einz. Polje, Feld). Das Klima ist mediterran beeinflusst, aber mit ausgiebigeren Niederschlägen als in anderen Regionen. Die Winter sind mild, im Gegensatz etwa zu Bosnien schneit es in Mostar nur selten. Die Sommer sind besonders im Juli und August trocken heiß.
Eine genaue Grenze zwischen der Herzegowina und Bosnien ist schwer zu bestimmen, da diese Gebiete heute keine separaten politischen Einheiten bilden.
[Bearbeiten] Die Herzegowina in Zahlen
[Bearbeiten] Berge
[Bearbeiten] Seen
Berg | m über NN | Befindet sich in Verbandsgemeinde | ||
---|---|---|---|---|
Volujak | 2336 m | Gacko | ||
Čvrsnica | 2226 m | Posušje | ||
Prenj | 2103 m | Mostar | ||
Vran | 2074 m | Jablanica | ||
Velež | 1968 m | Mostar, Nevesinje | ||
Visočica | 1967 m | Konjic | ||
Raduša | 1956 m | Prozor | ||
Crvanj | 1921 m | Nevesinje, Kalinovik | ||
Orjen | 1894 m | Trebinje | ||
Bjelašnica | 1867 m | Gacko, Nevesinje | ||
Lovnica | 1856 m | Konjic | ||
Čabulja | 1786 m | Mostar | ||
Plazenica | 1765 m | Donji Vakuf, Kupres | ||
Stožer | 1758 m | Bugojno,Kupres | ||
Baba | 1735 m | Bileća, Gacko | ||
Rujište | 1703 m | Mostar | ||
Bitovnja | 1700 m | Konjic, Kreševo | ||
Živanj | 1696 m | Gacko | ||
Kapić | 1644 m | Gacko | ||
Mjedena Glava | 1602 m | Gacko | ||
Javor | 1553 m | Gacko, Nevesinje | ||
Ivan planina | 1534 m | Hadžići, Konjic, Kreševo | ||
Bačina planina | 1530 m | Prozor | ||
See | Befindet sich in Verbandsgemeinde | km² | m über NN | Tiefe (m) |
Blidinje | Posušje, Tomislavgrad | 3,2 | 1180 | 4,5 |
Boračko | Konjic | 0,26 | 402 | 17,1 |
Jablaničko | Jablanica, Konjic | 13,3 | 270 | 70 |
Ramsko | Rama, Prozor | 15,3 | 595 |
[Bearbeiten] Flüsse über 50 km:
- Trebišnjica (Quelle 398 m über den Meeresspiegel) 96,5 km
- Neretva (Quelle 320m über den Meeresspiegel) 218 km
Gesamtfläche: 9.948 km²
Bevölkerung (Stand 1991):
- Kroaten 167.503 (47,68%)
- Serben 85.328 (24,29%)
- Bosniaken 76.591 (21,80%)
- Jugoslawen 16.439 (4,68%)
- Andere 5.409 (1,54%)
- Gesamt 351.270
[Bearbeiten] Städte
Wichtige Orte in der Herzegowina sind:
auf dem zur Föderation Bosnien-Herzegowina gehörenden Gebiet:
- Čapljina
- Čitluk
- Grude
- Jablanica
- Konjic
- Ljubuški
- Mostar
- Neum
- Posušje
- Rama-Prozor
- Ravno
- Široki Brijeg
- Kupres
- Livno
- Stolac
- Međugorje
aus dem zu Republika Srpska gehörenden Gebiet:
[Bearbeiten] Geschichte
Im Mittelalter waren auf dem Gebiet der zentralen Herzegowina das Herzogtum Hum (Zahumlje), in Abhängigkeit von Byzanz, Bosnien und Serbien, und in der östlichen Herzegowina und dem nördlichen Montenegro das Herzogtum Travunien, dass seit dem 11. Jahrhundert zu Kroatien, von 1180 bis 1321 zu Serbien („Raszien“) gehörte und 1322 bis 1377 zwischen Bosnien und Serbien geteilt war. gehörte. Der Heilige Sava, Begründer der serbisch-orthodoxen Kirche, war Statthalter von Hum, bevor er dem weltlichen Leben entsagte und Mönch wurde. Der westliche Teil hingegen gehörte fast das gesamte Mittelalter hindurch zu Kroatien und wird noch heute zum Großteil von Kroaten bewohnt.
Der bosnische Fürst Stefan II. Kotromanić eroberte um 1326 Hum, dem Serbien der Nemanjiden verblieb in der Herzegowina lediglich Travunien. Mit dem Zerfall des serbischen Reiches etablierte sich in Travunien Fürst Nikola Altomanović, der die serbische Zarenkrone für sich beanspruchte. Nikola Altomanović eroberte weite Gebiete im westlichen Zentralserbien, bevor er 1373 durch ein gemeinsames Vorgehen des bosnischen Fürsten und späteren Königs Tvrtko I. und dem serbischen Fürsten Lazar besiegt und sein Territorium zwischen den Siegern aufgeteilt wurde; Travunien selbst fiel an Bosnien.
Die serbische Herrscherdynastie Mrnjavčević, die über Mazedonien und Nordgriechenland herrschte, stammte ebenfalls aus der Herzegowina bzw. Travunien. Uglješa Mrnjavčević, der Bruder König Vukašins, trug 1346 den Titel Uglessa baronus in Trebinje. Später, als Mitregent seines Bruders in Makedonien, nahm er auch den Titel Despot von Serres und Melnik an. Am Fluss Mariza, bei Edirne, kam er 1371 gemeinsam mit seinem Bruder in der Schlacht zwischen dem serbischen Reich und den aus Kleinasien einfallenden Osmanen um. Seine Frau Jelena, deren Vater ein Statthalter König Vukašins in Drama war, wurde als die Nonne Jefimija zur ersten serbischen Dichterin.
Im 15. Jahrhundert herrschten bis zur Eroberung durch die Osmanen 1485 Woiwode Stjepan Vukčić Kosača und seine Nachkommen in der heutigen Herzegowina, die den Titel eines Herzogs von Hum und der Küstenländer und Großherzogs des Königreiches Bosnien durch die Gnade des Heiligen Sava führten. Auf die Bezeichnung Länder des Herzogs Stefan unter der Gnade des Heiligen Sava für sein unter osmanische Herrschaft gefallenes ehemaliges Territorium geht der heutige Name des Landes zurück.
1463 unterwarf sich der bosnische König dem osmanischen Reich und wurde hingerichtet. Seine Frau Katarina Kosača-Kotromanić floh nach Rom, wo sie 1478 starb. In ihrem Testament hinterließ sie Bosnien ihren Kindern, falls diese zum katholischen Glauben zurückkehrten; andernfalls solle ihr Land an den Heiligen Stuhl fallen. Dieses geschah.
1485 kam die Herzegowina endgültig unter osmanische Herrschaft. Sie bildete den Sandschak Herzegowina (türk. Hersek) mit der Hauptstadt Mostar innerhalb des Paschaluks Bosnien (später Bosnien-Herzegowina). Städte wie Mostar und Stolac bildeten wichtige Handelsposten zwischen Dubrovnik und dem Landesinneren. Durch den Berliner Kongress kam 1878 der größte Teil der Herzegowina als Teil von Bosnien-Herzegowina unter österreichisch-ungarische Verwaltung, der östlichste Teil der vormaligen osmanischen Herzegowina hingegen zu Montenegro, zu dem dieses Gebiet (die so genannte Alte Herzegowina/Stara Hercegovina) auch heute gehört. Noch vor dem Ersten Weltkrieg annektierte Österreich-Ungarn Bosnien und seinen Teil der Herzegowina offiziell.
Seit 1918 gehörte die Herzegowina zu Jugoslawien. Während der Zeit des Königreichs Jugoslawien (1929 bis 1941) bzw. seines Vorgängers, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (1918 bis 1929) war die Herzegowina dabei zwischen den neu gebildeten Banschaften „Zeta“ und „Küste“ aufgeteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie insgesamt Teil der Sozialistischen Republik Bosnien und Herzegowina innerhalb der jugoslawischen Föderation.
Im Balkankonflikt war die Herzegowina einer der Hauptkriegsschauplätze. Vom Süden des Landes aus wurde 1991 Dubrovnik von jugoslawischen Truppen bombardiert. Als 1992 auch in Bosnien der Krieg ausbrach, kam es zu blutigen Zusammenstößen, zuerst nur zwischen Serben auf der einen und Bosniaken und Kroaten auf der anderen Seite. Als jedoch die Kroaten Bosniens und Herzegowinas die Republik Herceg-Bosna ausriefen, kam es auch zu Kämpfen zwischen Bosniaken und Kroaten, wobei es zu sogenannten ethnischen Säuberungen gegen die Bosniaken kam. Während dieser Kämpfe wurde die berühmte Brücke Stari Most in Mostar im Jahre 1993 durch Angehörige des HVO (der Armee der bosnisch-herzegowinischen Kroaten) zerstört. Mostar wurde seit dem zur geteilten Stadt, und die Kommunikation zwischen dem bosniakischen Ost- und dem kroatischen West-Mostar brach fast komplett ab.
Erst im Januar 2004 wurde auf Drängen Paddy Ashdowns eine Regelung getroffen, durch die Mostar wieder zu einer einzigen Verwaltungseinheit wird, allerdings mit Sonderstatus und strengen Schutzbedingungen.
Die Herzegowina ist heute politisch dreigeteilt: Der Osten um Trebinje ist Teil der Republika Srpska. Westen, Mitte und Norden gehören zur Föderation Bosnien-Herzegowina, wobei der Westen den kroatischen Kanton West-Herzegowina (Zapadno-hercegovački kanton/Zapadno-hercegovačka županija) und Norden und Mitte um Mostar den binationalen (bosniakisch-kroatischen) Kanton Herzegowina-Neretva (Hercegovačko-neretvanski kanton/Hercegovačko-neretvanska županija) bildet.
[Bearbeiten] Siehe auch
Geschichte von Bosnien und Herzegowina, Bosnienkrieg
[Bearbeiten] Quellen
Noel Malcolm: BOSNIA A SHORT HISTORY ISBN 0-330-41244-2