Deutsche Burschenschaft
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Die Deutsche Burschenschaft (DB) ist ein fakultativ-schlagender Korporationsverband von etwa 120 Burschenschaften aus Deutschland, Österreich und Chile mit etwa 15.000 Mitgliedern.
Inhaltsverzeichnis |
Herkunft, Aufbau, Ziele
Die Deutsche Burschenschaft entstand 1881 als Allgemeiner Deputierten-Convent (ADC) und erhielt ihren heutigen Namen 1902. Sie führt sich zurück auf die Ideen, die mit der Gründung der "Urburschenschaft" in Jena 1815 verbunden waren (siehe auch: Burschenschaft).
Von dort hat sie ihren Wahlspruch Ehre, Freiheit, Vaterland.
Dem Verband gehörten 2003 etwa 15.000 Mitglieder an, davon etwa 12.500 Alte Herren und 2.500 Aktive Studenten. Der Altherrenbund der DB gehört dem Convent Deutscher Akademikerverbände an.
Innerhalb der DB gibt es so genannte Kartelle, d.h. freundschaftlich oder politisch begründete Zusammenschlüsse von Mitgliedsbünden, z.B. das Grün-Weiß-Rote Kartell (GWRK) und den Rheinischen Ring, sowie den mit einer Fraktion vergleichbaren verbandspolitischen Interessenverband Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG).
Aufbau und Organisation
Organe
Die DB wird durch Organe geleitet: Den Burschentag, Haupt- und Rechtsausschuß, sowie durch die Vorsitzende Burschenschaft.
Der Burschentag ist das oberste Organ der DB. Er legt die politischen und organisatorischen Grundsätze der DB fest, wählt die anderen Organe der DB und entscheidet über Bestrafungen und Finanzfragen. Der Burschentag findet alljährlich in der Wartburg-Stadt Eisenach statt. Zwischen den Burschentagen nimmt der Hauptauschuß einige dieser Funktionen wahr, allerdings müßen seine Entscheidungen nachträglich durch den Burschentag bestätigt werden. Die Vorsitzende Burschenschaft wird jedes Jahr auf de Burschentag neu gewählt Diese organisiert und leitet die Verbandstagungen, ist für die Durchführung der Beschlüsse des Burschentages, sowie für die Pressearbeit verantwortlich. Der Rechtsausschuß überprüft die Einhaltung der Verfassung der DB durch die anderen Organe.
Amtsträger und Ausschüsse
Neben diesen Organen hat die die DB noch sechs ständige Amtsträger: den Schatzmeister, zwei Kassenprüfer, den Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter, den Beauftragten für Leibesübungen und den Pressereferenten. Außerdem existieren noch der Ausschuß für burschenschaftliche Arbeit (AfbA), sowie der Hochschulpoltische Ausschuß (HpA)
Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter (VVAB)
1890 wurde ein Marburg die erste Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB) gegründet. Seitdem entstanden in verschieden Städten über 100 VABs. Diesen treten die Alten Herren bei, die nach Abschluß ihres Studiums mit der DB verbunden blieben und weiterhin burschenschaftliche Arbeit leisten wollen. Die Vereinigungen Alter Burschenschafter sind im Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter organisiert. Die Leitung des VVAB wird von einer regelmäßig wechselnden VAB übernommen.
Deutsche Burschenschaften und Antisemitismus
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Das Programm der Urburschenschaft
Die Idee einer Vereinheitlichung der akademischen Jugend als Vorläufer und Wegbereiter eines geeinten Deutschlands stammt von den Vätern der Jenaer Urburschenschaft: Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), Jakob Friedrich Fries (1773-1843) und Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Deren Haltung lässt eine tiefe Judenfeindlichkeit erkennen, die sich aus verschiedenen Wurzeln speiste:
- dem mittelalterlichen Erbe des christlichen Antijudaismus,
- der Gleichsetzung aufklärerischer und menschenrechtlicher Ideen mit einem zersetzenden jüdischen Internationalismus schon vor, verstärkt aber seit der französischen Revolution,
- vor allem: einem Volks-, Vaterlands- und Einheitsbegriff, der auf Einschluss aller Deutschstämmigen oder Deutschsprachigen im Ausland, aber Ausschluss aller Fremden und Andersartigen im Inland angelegt war.
So zeigte sich schon beim Wartburgfest, der Gründungsversammlung der Urburschenschaft auf der Wartburg 1817, neben dem antifranzösischen ein antijüdischer Reflex in Form einer symbolischen Bücherverbrennung mit dem Ausruf: „Wehe den Juden, so da festhalten an ihrem Judenthum und wollen über unser Volksthum und Deutschthum spotten und schmähen!“
Demnach galten Juden, die sich nicht assimilierten, als „Feinde aller unserer Volksthümlichkeit“. Das Deutschtum, das doch einen sollte, wurde für nichtgetaufte und undeutsche Juden von Anfang an zum Ausgrenzungskriterium. So lag es später nahe, eben diese Minderheit mit anderen als negativ empfundenen Einflüssen in Verbindung zu bringen.
Dagegen stand - ebenfalls von Anfang an - das liberal-demokratische Grundprinzip der Gleichberechtigung aller Studenten einer Universität oder eines Territoriums. Diese Toleranz wurde z.B. von der Allgemeinen Burschenschaft zu Heidelberg vertreten. Sie wurde jedoch von der christlich-nationalen Haltung dominiert: Wirklich willkommen waren vielfach nur getaufte und patriotisch gesinnte Juden. Diese waren damals durchaus zahlreich: So nahmen auffällig viele Juden am Lützowschen Freikorps teil und errangen vielfach hohe Auszeichnungen.
Die Jenaer Urburschenschaft schloss „die ewigen Feinde des deutschen Namens, die Welschen und Franzosen“ von der Aufnahme aus, ließ aber die Frage der Judenmitgliedschaft in ihrer ersten Verfassung von 1815 offen, wohl weil in Jena damals kaum Juden studierten.
Andere Burschenschaften wurden deutlicher und legten fest: Deutscher Nation bzw. Zunge und Christen mussten alle Mitglieder sein. So entwarf Karl Follen (1796-1840) einen Ehrenspiegel für die Gießener Schwarzen (1817). Darin wurde Nichtchristen und Nichtdeutschen keine Gleichberechtigung mehr zuerkannt, nur ein Einspracherecht, „wo sie glauben, dass ein Vorschlag den allgemeinen Menschen- und Burschen-Rechten widerstreite“.
Wegen der Widersprüche und verschiedenen Auffassung dieser Grundideen kam es bei den folgenden Burschenschaftstagen zu erheblichen Konflikten: gerade um die Frage der Aufnahme von Juden.
"Christlich-deutsche Ausbildung" und Assimilation
Die Aufnahmekriterien festzulegen war generell autonomes Recht jeder Einzelverbindung. Doch der Erste Burschentag in Jena 1818 machte die "christlich-deutsche Ausbildung" zur Bedingung für seine Mitglieder und wurde somit mit zum Vorreiter einer allgemeineren Juden-Ausgrenzung. Auch Burschenschaften, die für sich tolerante Verfassungen eingeführt oder die "Judenfrage" offen gelassen hatten, übernahmen diese Regelung.
Infolge der Karlsbader Beschlüsse 1819 setzte eine staatliche "Demagogenverfolgung" an den Hochschulen ein. Sie bewirkte eine politische Radikalisierung vieler Burschenschaften. Damit einher ging die Verschärfung der Aufnahmeregeln. Schon 1820 beschloss der Dresdner Burschentag, keine Juden aufzunehmen, da sie "als solche, die kein Vaterland haben und für unseres kein Interesse haben können, nicht aufnahmefähig seien". Nicht alle Burschenschaften hielten sich an solche Beschlüsse. Religion und Konfession spielte bei manchen nur eine Nebenrolle. Das praktische Lebensmotto lautete "Tue Recht und fürchte niemand". Dennoch wurde "christlich-deutsche Ausbildung" nun strenger eingegrenzt und führte für Juden zum Taufzwang.
Ab 1827 wurden die Karlsbader Beschlüsse etwas gelockert. Nun nahmen einige Burschentage die Bedingung des Christseins für ihre Mitglieder wieder zurück und gestatteten Juden damit unbegrenzten Zutritt. Diese nahmen das Angebot vermehrt wahr, da die Mitgliedschaft in betont nationalen Vereinen ihnen bessere soziale Aufstiegsmöglichkeiten eröffnete. In dieser Form wurde der Patriotismus auch für Juden zu einem Dach, das ihnen bürgerliche Emanzipation in Deutschland zu versprechen schien. Auch Theodor Herzl (1860-1904) wurde Burschenschafter, verließ die Burschenschaft aber wegen antisemitischer Äußerungen anderer Mitglieder nach drei Jahren wieder.
Der studentische Antisemitismus seit der Reichsgründung
Die Gründung des ersten deutschen Nationalstaates 1871 kam durch mehrere Kriege zustande, die von schweren Wirtschaftskrisen begleitet waren. Innenpolitisch bedeutete die Reichseinung einen enormen Schub für die Burschenschaften, die sich dem nationalen Einheitsgedanken verpflichtet hatten. Sie konnten nun selbstbewusst auftreten und Mitglieder werben.
Die Reichsverfassung bot nun auch den Juden die Möglichkeit, zu studieren. Der darauffolgende Ansturm jüdischer Studenten an Hochschulen löste Ängste bei Nichtjuden aus, verdrängt zu werden. So kam es in diesem Jahrzehnt öfter zu antijüdischen Studentenunruhen, vor allem in Wien, Berlin und Leipzig. Zugleich begann eine rassistische Propaganda um sich zu greifen, vorangetrieben von der Antisemitenliga unter Federführung von Wilhelm Marr.
Nun wirkte sich die antijüdische Haltung vieler Verbindungen so aus, dass sie für diesen Antisemitismus anfällig waren und ihn übernahmen. Er wurde ein Kennzeichen gerade der deutschen und österreichischen akademischen Bildungsschicht. Dennoch blieben viele jüdische Bürger genauso wie andere ihren patriotischen Traditionen treu verbunden.
Nach 1880 setzte dann bei fast allen Dachverbänden der Burschenschaften im Kaiserreich und in Österreich eine Art Wettlauf um das "judenreinste" Programm ein. Als erster vertrat der Kyffhäuserverband den "Rassestandpunkt" und schloss 1896 nicht nur Menschen mit jüdischer Religion, sondern auch jüdischer Herkunft von der Aufnahme aus. Der außerordentliche Burschentag desselben Jahres verlangte bereits ein "Bekenntnis" seiner Mitglieder zu Deutschtum und Taufe.
Als Reaktion auf die zunehmende Verdrängung aus den Verbindungen gründeten jüdische Studenten in den frühen 1880er Jahren speziell jüdische Studentenverbindungen, weil sie der Meinung waren, dass sie damit die Vorwürfe der "Feigheit" und "Weichlichkeit" widerlegen könnten. Dazu gehörte auch ein festes Bekenntnis zum Satisfaktionsprinzip und zum studentischen Duell. So sollte jede antisemitische Äußerung mit einer Forderung mindestens auf Säbel beantwortet werden. Im deutschen Kaiserreich sind viele Säbel-, aber auch Pistolen-Duelle aus diesem Grund überliefert mit Toten auf beiden Seiten.
In den 1890er Jahren fassten schließlich vor allem österreichische Verbände die so genannten "Waidhofener Beschlüsse", in denen das Duell mit Juden abgelehnt wurde, da sie "jeglicher Ehre bar" seien. Viele traditionelle studentische Verbände waren entrüstet, da die traditionelle studentische Ehrauffassung alle Studenten einschloss - ohne Einschränkung. Trotzdem wurde das "Waidhofener Prinzip" zunehmend von weiteren studentischen Verbänden angenommen.
1900 verlangte der Allgemeine Burschenschafterbund der Ostmark (Österreichs) (ABO) die "arische Rasse" als Zugehörigkeitsmerkmal. Christlich-deutsche und Rasse-Kriterien wirkten also Hand in Hand ausgrenzend.
Die "Alten Herren" konnten diesen Trend, der bis zum 1. Weltkrieg anhielt und sich danach fortsetzte, nicht einmal bremsen.
Von Weimar bis zur Selbstauflösung 1935
Nur in ihrer Gründungsphase bekannten sich die meisten Burschenschafter zur Weimarer Republik, die doch eigentlich die Erfüllung ihrer nationalen und demokratischen Ziele war. Zwar unterstützten sie die Wahlen zur Nationalversammlung, aber dann gingen sie schnell ins Lager der Republikgegner über. Auslöser dazu war die Bestimmung des Versailler Vertrags, die festlegte, dass es zu keiner Vereinigung zwischen Deutschland und Deutsch-Österreich kommen dürfe. Diese war jedoch immer ein wichtiges Anliegen der DB mit ihrer großdeutschen Tradition gewesen.
Um die Gebiete, die das Deutsche Kaiserreich im Versailler Vertrag verloren hatte - das sogenannte "Grenzland" -, mindestens kulturell weiter an Deutschland zu binden, engagierte sich die DB dort. Sie organisierte Reisen dorthin, hielt Kontakt zu dortigen Universitäten und betreute besonders Studenten, die von dort kamen und an reichsdeutschen Universitäten studierten.
Im Flaggenstreit befürwortete die DB die schwarz-weiß-rote Staatsflagge, um die Kontinuität zum wilhelminischen Kaiserreich zu betonen. Die Farben schwarz-rot-gold wollten sie nur als Burschenschaftsfarben gelten lassen. Auch politisch driftete die DB mehr und mehr ins extrem-nationalistische Lager ab, indem sie den "vaterländischen Gedanken" ideologisch gegen Demokratie und Sozialismus wendeten. Seit 1920 durften ihre Mitglieder nicht zugleich in der KPD und SPD sein, seit 1929 auch nicht mehr im Zentrum. Deshalb gingen katholische Verbindungen nun auf Distanz zur DB.
Der Antisemitismus setzte sich fort. Der Eisenacher Burschentag 1920 übernahm nahtlos den "Rassestandpunkt" der Kyffhäuser. Dort beschloss die DB, ab sofort keine Juden mehr aufzunehmen und von allen Mitgliedern das "Ehrenwort" zu verlangen, dass sie "nach bestem Wissen und Gewissen frei von jüdischem oder farbigem Bluteinschlag" seien. - Dieser Beschluss markiert eine tiefe Zäsur in der Geschichte der Burschenschaften: Nun wurde der Rassismus zum Programm erhoben. Die christliche Taufe konnte die "Vererbung" angeblich "jüdischer" Charaktermerkmale nicht mehr lindern. Darum mussten nun auch mit Juden oder Farbigen verheiratete Mitglieder die Segel streichen. Das markiert nicht den Anfang, sondern den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die schon beim Wartburgfest 1817 ansatzweise erkennbar war.
Zugleich gab es jedoch bei vielen Einzelverbindungen bis dahin eine große Selbstverständlichkeit, Menschen anderen Glaubens und anderer Herkunft aufzunehmen. Daher wiegt die Durchsetzung des Rasseantisemitismus in der DB umso schwerer. Nur ganz wenige Burschenschaften (Alemannia Bonn, die Bonner Burschenschaft Frankonia, Bubenreuther Erlangen) widersprachen und behielten ihre "jüdisch versippten" Bundesbrüder.
Einige Alte Herren empfanden den Eisenacher Beschluss als tiefe Entwürdigung und wiesen ihn entschieden zurück. Der Völkerrechtler und Pazifist Hans Wehberg (1885-1962) schrieb einen heftigen Artikel und sammelte ablehnende Unterschriften. Doch nur 100 von damals etwa 15000 Alten Herren folgten ihm. - Der Berliner Alte Herr und Historiker Friedrich Meinecke (1862-1954) warnte noch 1925 vor der antisemitischen "Verirrung und Verwirrung": "Eine gute politische Sache wird dadurch gewiss nicht schlechter, dass sie auch von Juden vertreten wird." Auch er fand kein Gehör.
Antisemitismus war keineswegs nur in der DB, sondern in den meisten übrigen Korporationsverbänden verwurzelt. So wirkten diese Organisationen der akademischen Elite als Träger und Verbreiter eines immer aggressiveren Judenhasses. Als die Burschenschaften mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) ab etwa 1926 ernsthafte Konkurrenz bekamen, war der Ausschluss von Juden bereits Konsens.
Im Kontext der Weltwirtschaftskrise von 1929 nahm der Einfluss des NSDStB an fast allen Universitäten - außer der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität - sprunghaft zu. Anders als bei den Linksparteien erlaubte die DB ihren Mitgliedern hier die Doppelmitgliedschaft, da es ideologisch eine große Übereinstimmung gab. Sie erhoffte sich dadurch, Einfluss auf ihre Mitglieder zu behalten, da zu befürchten stand, sonst vom NSDStB überrollt zu werden. Während die aktiven Studenten der DB wenig Berührungsängste zur NS-Ideologie hatten, blieben die "Alten Herren" auf Distanz.
Erst die rigorose Durchsetzung des "Führerprinzips" seit 1933, die in die Rechte der Einzelverbindungen eingriff und sie zur Umwandlung in "Kameradschaften" zwang, löste wachsenden Unmut und teilweise Gegenwehr einiger Burschenschaften aus. 1934 bildete sich durch den Austritt einiger Burschenschaften der Verband "Alte Burschenschaft", der zuletzt 35 DB-Burschenschaften vereinigte, die sich mit der nationalsozialistischen Gleichschaltung der Deutschen Burschenschaft nicht einverstanden erklärten. Dies half jedoch nichts mehr: Am 18. Oktober 1935 löste sich die DB mit einem an das Wartburgfest erinnernden Festakt auf. Die Alte Burschenschaft hatte sich bereits zwei Tage zuvor - am 16. Oktober 1935 - in Berlin aufgelöst, da die Hochschulpolitische Lage sich weiter verschlechtert hatte.
Ansätze zur Aufarbeitung
1950 gründete sich die DB wieder. Seitdem setzen sich viele ihrer Mitglieder auf zahlreichen Tagungen, Seminaren, in den Burschenschaftlichen Blätter intensiv und selbstkritisch mit der eigenen Geschichte auseinander.
Die DB bekennt sich zur "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" und hat sich von jeder Form des Antisemitismus distanziert. 1958 nahm sie den Fall "Zind" - eines Mitglieds, das sich antisemitisch geäußert hatte - zum Anlass, sich erneut zu Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes zu bekennen und sich "mit Nachdruck von jedem Antisemitismus und Rassenwahn zu distanzieren." Die Verbrechen des Dritten Reiches "verpflichten jeden Deutschen, alles in seinen Kräften stehende zu tun, um zur Verständigung unter den Völkern beizutragen." Die DB "bekräftigt daher ihren Willen, auch in Zukunft antisemitischen Tendenzen, wo immer sie auftreten, energisch entgegenzutreten."
Dieser Beschluss ist bis heute für alle Burschenschafter der DB bindend. Doch die Energie führte nicht immer zum Ausschluss von Mitgliedern, die sich antisemitisch, ausländerfeindlich oder revisionistisch äußerten.
(Quellen zu diesem Abschnitt: siehe Link "Burschenschaften und Antisemitismus")
Die Entwicklung der DB in der Gegenwart
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Die jüngere Geschichte der DB ist von einem immer stärker rechtsgerichteten Verbandskurs gekennzeichnet. Einige gravierende Konflikte in der DB haben das öffentliche Bild von diesem Verband, darüber hinaus auch von Burschenschaften allgemein mit geprägt.
Aufgabe der Pflichtmensur
1953 wurde die Bestimmungsmensur durch ein Gerichtsurteil endgültig von jeder internen "Ehrenreinigung" gelöst (siehe dazu: Mensur (Studentenverbindung)). 1971 gab die DB - anders als andere Verbände z.B. die Corps und Landsmannschaften - das Prinzip des Pflichtschlagens auf. Dies war auch eine Reaktion auf das durch die Studentenbewegung veränderte Gesellschaftsklima (siehe dazu Liste der Dachverbände von Studentenverbindungen).
Burschenschaftliche Gemeinschaft
1961 wurde ein Versuch österreichischer Bünde, in die DB aufgenommen zu werden, mehrheitlich von den DB abgewiesen. Begründet wurde dies mit der Ablehnung des Begriffes der gemeinsamen Kulturnation oder der Vereinnahmung Österreichs. Daraufhin gründeten vor allem die Brünner Burschenschaft Libertas zu Aachen, Burschenschaft Olympia Wien und die Burschenschaft Danubia München gemeinsam einen neuen Dachverband innerhalb der DB und der DBÖ: die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG). Ziel dieser Neugründung war auch österreichischen Bünden zu ermöglichen, in der DB Mitglied zu werden. Es gelang ihnen, über die Führungsorgane der DB Einfluss auf die gesamte Organisation zu nehmen. Da etwa für die Neuaufnahme von Bünden Zwei-Drittel-Mehrheiten benötigt werden, konnte die BG als Sperrminorität wirken.
Wehrbereitschaft
1973 beschloss ein DB-Burschentag mehrheitlich, keine Kriegsdienstverweigerer mehr in DB-Burschenschaften aufzunehmen. Antragsteller war die BG-Burschenschaft Germania Halle zu Mainz, Antraggegner etwa die Burschenschaft Germania Jena (Göttingen). Die Stärkung der „Wehrbereitschaft" wurde nun als „selbstverständliche Pflicht" jedes Burschen aus dem Vaterlands-Prinzip abgeleitet. Nur bereits anerkannte Verweigerer durften noch Mitglied bleiben, um einen Konflikt mit dem Lebensbundprinzip zu vermeiden. Einen Verstoß von DB-Mitgliedsverbänden dagegen legte der Rechtsausschuss der DB unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Dieter Niederhausen (ein alter Herr der Germania Halle) als „automatischen Selbstausschluss" aus. Dies führte dazu, dass die DB fortan immer wieder einzelne Burschenschaften ausschloss, die weiterhin Kriegsdienstverweigerer aufnahmen. 1996 hob der Rechtsausschuss der DB diese Entscheidungen wieder. Die Verweigerung des Kriegsdienstes ist seitdem wieder mit der Mitgliedschaft in der DB vereinbar. Ob eine Verbindung nun Kriegsdienstverweigerer aufnimmt, ist dem jeweiligen Bund überlassen.
Spaltung der DB
Nachdem die rechtsextreme Burschenschaft Olympia 1996 den Vorsitz der DB übernommen hatte, traten mehrere Mitgliedsburschenschaften aus der DB und schlossen sich mit anderen, auch vorher schon nicht zur DB gehörenden Burschenschaften zur Neuen Deutschen Burschenschaft (NeueDB) zusammen. In ihrer Satzung betont die NeueDB die Treue zum Grundgesetz. Weiter ausgetretene Burschenschaften bleiben "frei", d.h. nicht Mitglied in einem Verband.
Auch danach gingen die Auseinandersetzungen in der DB um ihren gesamtpolitischen Kurs weiter.
Teile der DB
Seit der Abspaltung der liberaleren Neuen DB verfolgt die Führung der DB umso ungehemmter eine klar nationalgerichtete Verbandspolitik. Auf dem Burschentag 1999 forderte sie die Abschaffung des Paragraphen 130 StGB, der u.a. Holocaustleugnung als Volksverhetzung unter Strafe stellt. Zahlreiche Redner stellten ferner die Anerkennung der deutschen Grenzen in Frage und äußerten die Befürchtung, das deutsche Volk sei vom Aussterben bedroht.
2001 kam die Burschenschaft Danubia München, die der DB angehört, bundesweit in die Schlagzeilen: Eines ihrer Mitglieder sollte einen Skinhead, der nach einem rassistischen Angriff auf einen Ausländer polizeilich gesucht wurde, in ihren Räumlichkeiten versteckt haben. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass der Bayerische Innenminister Günther Beckstein diese Burschenschaft neben zwei weiteren, die der DB angehören, wegen ihrer Nähe zu Neonazi-Gruppen vom Verfassungsschutz beobachten lässt (siehe hierzu „Prager Burschenschaft Teutonia“ in Regensburg und die „Burschenschaft Frankonia“ in Erlangen).
Zwar gibt es in diesen Städten auch andere DB-Burschenschaften, die nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Aber auch unabhängig davon gilt die DB in den bundesdeutschen Medien als ein Verband mit unklarer Abgrenzung zu verfassungsfeindlichen Einstellungen einiger ihrer Mitgliedsbünde. Die Kritik an der politischen Ausrichtung der DB wird nicht zuletzt von anderen Studentenverbindungen erhoben. Während ein Teil der Studentenschaft sich darum von allen Burschenschaften der DB fernhält, betonen andere, dass die meisten Mitgliedsbünde der DB eine verfassungstreue Einstellung verträten.
1998 kam es beim Festakt der Korporationen in der Frankfurter Paulskirche zu einem Eklat: Die Kösener und Weinheimer Alten Herren lehnten eine offizielle Teilnahme ab, da die DB einen zu großen Einfluss auf die Veranstaltung genommen habe. Es gebe in ihr, so die Alten Herren, Verbindungen, "in denen nachweisbar rechtsextremistisches und nationalistisches Gedankengut vertreten wird und in denen frauenfeindliche und rassistische Ideen fröhliche Urständ feiern". Dies wolle man nicht durch eine Teilnahme unterstützen.
Namhafte Angehörige von DB-Verbindungen
- Hans Berger, (1873 - 1941), Psychiater in Jena. Entwickelte das Elektroencephalogramm des Menschen (EEG). Ihm wurde der Nobelpreis zugedacht, den er wegen des Verbots der Entgegennahme in Deutschland seit 1936 nicht in Empfang nehmen durfte. Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena
- Carl Bosch, Chemiker, Nobelpreis für Chemie 1931, (Burschenschaft Cimbria Berlin)
- Georg Büchner, Schriftsteller, wurde 1831 bei der Burschenschaft Germania Gießen aktiv
- Eberhard Diepgen, Politiker (CDU, Regierender Bürgermeister von Berlin), Alter Herr der Burschenschaft Saravia Berlin
- Hans Fischer, Chemiker, Nobelpreis für Chemie 1930, war seit 1899 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Marburg und später auch der Burschenschaft Alemannia Stuttgart
- Walter Flex, (1887-1917 gefallen WK I) Dichter der Jugendbewegung, B. Bubenruthia Erlangen
- Heinrich Freiherr von Gagern(1799-1880), Jenaische Urburschenschaft 1817, 1848 1. Präsident der Frankfurter Nationalversammlung
- Hans Geiger, deutscher Physiker, Erfinder des Geigerzähler, wurde 1901 aktiv bei Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen (heute Neue DB)
- Dieter Haack, Politiker (SPD), Bundesbauminister a.D., ist Alter Herr der Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen (heute Neue Deutsche Burschenschaft)
- Ernst Heinrich Heinkel, deutscher Flugzeugkonstrukteur, wurde 1907 bei der Burschenschaft Ghibellinia Stuttgart aktiv
- Heinrich Rudolf Hertz, deutscher Physiker, im Jahr 1875 in die Burschenschaft Cheruscia Dresden aufgenommen
- Theodor Herzl, Begründer des politischen Zionismus, von 1880 bis zu seinem Austritt wegen antisemitischer Aussagen anderer Burschenschfter im Jahr 1883 Mitglied der Burschenschaft Albia Wien
- Hermann Höcherl (1912 - 1989), ehem. Bundesinnenminister CSU, (Burschenschaft Babenbergia München)
- Hermann Höpker-Aschoff (1883 - 1954), erster Präsident des Bundesverfassungsgerichts FDP, (Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller Jena)
- August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Liederdichter, Dichter des Lied der Deutschen, seit 1816 Mitglied der Alten Göttinger Burschenschaft und ab 1819 der Alten Bonner Burschenschaft
- Ernst Kaltenbrunner, Jurist, Politiker (NSDAP), Kriegsverbrecher, Mitglied der Burschenschaft Arminia Graz
- Reiner Klimke, Dressurreiter, mehrfacher Olympiasieger, Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster ab 1954
- Ferdinand Lassalle, Politiker (Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein, später SPD), war ab 1843 aktiv in der Breslauer Burschenschaft
- Johann Georg Mönckeberg (1839-1908), Burschenschaft Frankonia Heidelberg, Erster Bürgermeister und Präses des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg 1890-1908
- Theodor Mommsen, Historiker, ab 1835 Mitglied der Burschenschaft Albertina Kiel heute Teutonia Kiel (heute Süddeutsches Kartell, nicht DB )
- Friedrich Nietzsche (1844-1900), Altphilologe, Philosoph ("Also sprach Zarathustra"), Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia; ausgetreten am 20. Oktober 1865
- Ferdinand Porsche, Ingenieur, Burschenschaft Bruna-Sudetia Wien (ab 1938)
- Peter Ramsauer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Landesgruppe der CSU im Deutschen Bundestag, ist Alter Herr der Münchener Burschenschaft Franco-Bavaria
- Fritz Reuter (1811-1874), niederdeutscher Dichter, Jenaische Urburschenschaft/Burschenschaft Germania 1832, in Preußen im Rahmen der "Demagogenverfolgung" zum Tode verurteilt, zu 30 Jahren Haft begnadigt, nach 8 Jahren entlassen
- Karl Sack(1896-1945), Jurist, ab 1942 "Chefrichter des Heeres", Beteiligter am 20. Juli 1944, Burschenschaft Vineta Heidelberg, heute verbandsfrei
- Karl Ludwig Sand (1795-1820), Jenaische Urburschenschaft 1817, ermordete 1819 den als Vaterlandsverräter und russischen Spion verdächtigen Dichter August von Kotzebue.
- Joseph Victor von Scheffel(1826-1886), Dichter und Schriftsteller, Heidelberger Burschenschaft
- Rezzo Schlauch, Politiker Die Grünen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, war Aktiver der Burschenschaft Saxo-Silesia zu Freiburg (später ausgetreten)
- Franz Schubert, Komponist, Mitglied des Burschenschaftlicher Kreis ab 1819
- Robert Schumann, Komponist, Alte Leipziger Burschenschaft ab 1828
- Carl Schurz (1829-1906), Teilnehmer an der Revolution von 1848 als Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia, befreite seinen Professor Gottfried Kinkel aus dem Spandauer Gefängnis, emigrierte in die USA, setzte sich für die Sklavenbefreiung ein,1861-1863, unter Abraham Lincoln Brigadegeneral im Bürgerkrieg, und wurde 1877-1881 Innenminister der USA
- Gustav Stresemann, Politiker, Friedensnobelpreis (1926), Mitglied der Burschenschaften Neogermania Berlin und Suevia Leipzig (heute Neue DB)
- Heinrich von Treitschke, Historiker und Publizist, MdR, Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia ab 1851, Ehrenmitglied des VVDSt
Wahlspruch und Hymne
Der Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft lautet Ehre, Freiheit, Vaterland. Als „Vaterland“ versteht die Burschenschaft im Unterschied zu anderen Korporationsverbänden das deutsche „Volkstum“: Dieses umfasst nach ihrer Auffassung Deutschland und Deutsch-Österreich als Kerngebiete des deutschen Sprach- und Kulturraums. (Siehe auch Prinzipien von Studentenverbindungen)
Die Hymne der Deutschen Burschenschaft ist Schwört bei dieser blanken Wehre. Sie ist aufgebaut auf den Wahlspruch der Burschenschaft "Ehre, Freiheit, Vaterland". Verfasst wurde der Text 1879 von Rudolf Baumbach, die Vertonung übernahm noch im selben Jahr Hans Treidler.
Das Lied wurde 1879 Sieger in einem Wettbewerb für österreichische Studentenlieder. Nachdem dieses Lied in Österreich aber nicht den erwarteten Erfolg erreichte, adaptierte es die Deutsche Burschenschaft und verwendete es als ihr Bundeslied.
Literatur
- Asmus, Helmut (Hg.), Studentische Burschenschaften und bürgerliche Umwälzung. Zum 175. Jahrestag des Wartburgfestes, Berlin 1992
- Hans-Georg Balder: "Geschichte der Deutschen Burschenschaft", WJK-Verlag, 2005, ISBN 3-933892-25-2
- Helma Brunck: "Die Deutsche Burschenschaft in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus", München, 2000 ISBN: 3800413809
- Handbuch der Deutschen Burschenschaft, Verlag BurschenDruck, 2005, ISBN 3-00-016245-3
- Georg Heer: "Geschichte der Deutschen Burschenschaft. II. Band: Die Demagogenzeit. Von den Karlsbader Beschlüssen bis zum Frankfurter Wachensturm. (1820-1833)", Heidelberg, 1965 ISBN: 3825313425
- Georg Heer: "Geschichte der Deutschen Burschenschaft. III. Band: Die Zeit des Progresses. Von 1833 bis 1859", Heidelberg, 1965 ISBN: 3825313433
- Georg Heer: "Geschichte der Deutschen Burschenschaft. IV. Band: Die Burschenschaft in der Zeit der Vorbereitung des zweiten Reiches, im zweiten Reich und im Weltkrieg. Von 1859 bis 1919", Heidelberg, 1977 ISBN: 3533013480
- Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth: "Blut und Paukboden". Fischer (Tb.), Frankfurt, 2001 ISBN 3596133785
- Peter Krause: "O alte Burschenherrlichkeit - Die Studenten und ihr Brauchtum", Verlag Styria, Graz, Wien, Köln, 1997 ISBN 3-222-12478-7
- Kuhn, Sonja, Die Deutsche Burschenschaft. Eine Gruppierung im Spannungsfeld zwischen Traditionsformalismus und Traditionsstiftung. Eine Analyse für den Zeitraum von 1950 bis 1999, Diplomarbeit Bamberg 1999 (gedruckt 2002)
- Stephenson, Kurt, Alexander Scharff (Hg.), Leben und Leistung. Burschenschaftliche Doppelbiographien, Bd. 2, Heidelberg 1967
- Paul Wentzcke: "Geschichte der Deutschen Burschenschaft. I. Band: Vor- und Frühzeit bis zu den Karlsbader Beschlüssen", Heidelberg, 1965 ISBN: 3825313387
Siehe auch
Weblinks
- burschenschaft.de Internet-Auftritt der Deutschen Burschenschaft
- www.burschenschaftsgeschichte.de Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e. V. (GfbG)
- burschenschaft.de Burschenschaften und Antisemitismus (PDF Dokument)